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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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08. Oktober 2013

Chemotherapie überflüssig bei über 60% der Patientinnen mit frühem Brustkrebs: Erste Ergebnisse zur individualisierten Therapieentscheidung im Rahmen der WSG-ADAPT-Studie

Vor etwa einem Jahr begann die Pilotphase der WSG-ADAPT Studie zunächst an Kliniken in NRW und Hamburg und später auch im Rest von Deutschland. In dieser Zeit wurden mehr als 600 Patientinnen mit hormonsensiblem Brustkrebs im Rahmen der Studie therapiert. In der ADAPT Studie wird erstmals weltweit der genetische Fingerabdruck von Brustkrebs (Oncotype DX®) mit dem individuellen frühen Ansprechen auf eine Standard-Antihormontherapie bei der Entscheidung für oder gegen eine vorbeugende Chemotherapie kombiniert.

Ziel ist es, möglichst vielen Frauen eine unnötige Chemotherapie mit all den Nebenwirkungen sicher zu ersparen. Hierzu gehören diejenigen Patientinnen mit einem niedrigen und erstmals auch mit einem mittleren genomischen Risiko, sobald bei der Patientin ein gutes frühes Ansprechen - gemessen durch die Zellteilungsrate - auf die Antihormontherapie vorliegt. Beide Tests sind seit längerem erforscht, ihre Kombination wird jetzt dazu genutzt, um die Therapieentscheidung beim mittleren Rückfallrisiko zu individualisieren. Zu dieser Gruppe gehören 40-60% derjenigen Patientinnen, bei denen eine Gen-Signatur zur genauen Abschätzung des Rückfallrisikos angewendet wird.

Annahme der WSG-ADAPT Studie war, dass bei Patientinnen ohne und sogar mit geringem Lymphknotenbefall, die anhand der klinischen Tumoreigenschaften eine vorbeugende Chemotherapie nach der Operation bekommen sollten, in zirka 44% der Fälle diese Chemotherapie sicher erspart werden kann. Erste Analysen der ADAPT Studie nach den ersten 400 Patientinnen zeigen jedoch, dass dies sogar bei etwa 63% der Patientinnen möglich ist. Diese Zahlen stellen einen Durchbruch bei der personalisierten Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium dar. Zusätzlich vermeidet die ADAPT Studie eine Untertherapie bei Patientinnen, deren Tumoren nicht ausreichend auf die alleinige Antihormontherapie ansprechen. Erste Ergebnisse der ADAPT Studie werden im Rahmen des diesjährigen WSG Studientreffens am 11.10.2013 im Zeche Zollverein Essen präsentiert.

Brustkrebs stellt mit 74.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar. Zirka 40% der Patientinnen mit frühem Brustkrebs werden mit einer vorbeugenden (adjuvanten) Chemotherapie behandelt. Trotz der vielen Fortschritte bei der Diagnostik und Therapie wird jedoch angenommen, dass ein Großteil aller Frauen mit dem hormonempfindlichen Brustkrebs dabei einer nicht notwendigen Chemotherapie unterzogen werden, da die Risikoeinschätzung anhand der klinischen Faktoren (wie Lymphknotenbefall, Tumorgröße, Grading) zu ungenau ist. In dieser Gruppe wird vor allem der Antihormontherapie eine sehr hohe Wirksamkeit beigemessen. Zurzeit wird diese jedoch ohne spezifische Selektion allen Frauen für die Dauer von fünf bis zehn Jahren empfohlen.

Die WSG ist eine nationale akademische Forschungsgruppe, die sich der Idee der individualisierten Medizin seit Jahren verpflichtet hat. Unter der Federführung der Studienleiter der WSG wurden schon mehrere Studien mit über 8.700 Patientinnen allein in Deutschland zum Einsatz von modernen Prognosemarkern zur Chemotherapie-Ersparnis durchgeführt. Im Rahmen dieser Projekte war jedoch bisher möglich nur zirka 20% der Patientinnen mit dem höheren klinischen Risiko eine Chemotherapie zu ersparen. Erstmals arbeitet die WSG im Rahmen der ADAPT Studie mit großen Krankenkassen zusammen, um die Anwendung der neuen Gensignaturen qualitätsgesichert zu gestalten und so evidenzbasiert den Weg in den klinischen Alltag vorzubereiten.

Was ist Oncotype DX®?

Der Oncotype DX Brustkrebstest ist ein genomischer Test der US-amerikanischen Firma Genomic Health, mit dessen Hilfe das individuelle Rückfallrisiko der Patientinnen mit hormonempfindlichem frühen Brustkrebs präzisiert werden kann. Eine Besonderheit von Oncotype DX stellt darüber hinaus dessen Vorhersagekraft bezüglich des möglichen Nutzens einer Chemotherapie zusätzlich zur Antihormontherapie dar. Oncotype DX wird als einzige Gen-Signatur durch die meisten internationalen Leitlinien zur Nutzen-Abschätzung einer Chemotherapie empfohlen. Der Test bildet einen kontinuierlichen Score, den Recurrence Score® Wert, von 0 bis 100. In der WSG-ADAPT Studie (wie auch in anderen prospektiven Studien) wird das Ergebnis von 0 bis 11 als Niedrigrisiko, von 12 bis 25 als mittleres Risiko und über 25 als Hochrisiko gewertet. Der Stellenwert der Chemotherapie gilt aktuell nur beim hohen Risiko als gesichert, die Frage der optimalen Therapie beim mittleren Risiko wird derzeit im Rahmen von wissenschaftlichen Studien (ADAPT, TailorX, RxPonder) geklärt.

Quelle: Westdeutsche Studiengruppe (WSG GmbH)
 
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