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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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21. November 2014

ARMC5-Gen-Mutation ein Auslöser von Nebennierenrinden-Adenomen und Meningeomen

Forscher des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg haben jetzt ihre Erkenntnis veröffentlicht, dass Mutationen im ARMC5-Gen die Entstehung gutartiger Tumoren in den Nebennieren und an den Hirnhäuten fördern: ARMC5 scheint der Gruppe der so genannten Tumorsuppressor-Gene anzugehören.

Das ARMC5-Gen wurde von unabhängigen Arbeitsgruppen bei der Untersuchung gutartiger Tumore - so genannter Nebennierenrinden-Adenome -im Zusammenhang mit dem Cushing-Syndrom entdeckt. Bei dieser Krankheit produziert der Körper ein Zuviel des Hormons Cortisol. Nun konnte eine Mutation von ARMC5 erstmals auch als ursächlich für die Entstehung von Tumoren der Hirnhaut beschrieben werden.

Ihre Ergebnisse zu diesem Tumor-Syndrom, die das Team um Dr. Patrick May und PD. Dr. Jochen Schneider gemeinsam mit Kollegen von der Berliner Charité (Dr. Ulf Elbelt) sowie den Universitäten Würzburg (Prof. Dr. Bruno Allolio) und Köln (Dr. Michael Kloth) erarbeitet hat, publizierten die Wissenschaftler vor wenigen Tagen.

Cortisol ist ein wichtiges Hormon. Es beeinflusst zahlreiche Stoffwechselwege des Körpers und hat eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Aus diesem Grund wird es auch als entzündungshemmendes Medikament eingesetzt. Ist Cortisol dauerhaft im Körper in zu großer Menge vorhanden, kann dies zu Fettleibigkeit, Muskelschwund, Depressionen und anderen Symptomen führen. Um die richtige Konzentration im Blut zu gewährleisten, verfügt der Körper über ein ausgeklügeltes Regulationssystem: Als Stimulator der Cortisolfreisetzung wird das Hormon Corticotropin in bestimmten Gehirnarealen erzeugt; die eigentliche Cortisol-Bildung findet in den Nebennieren statt. Bei steigender Cortisol-Konzentration im Blut reduziert das Gehirn die Produktion von Corticotropin.

Bei der Suche nach Ursachen des Cushing-Syndroms sind Wissenschaftler vor kurzem auf genetische Ursachen gutartiger Tumore der Nebenniererinde gestoßen. Das Wachstum dieser Nebennierenrinden-Adenome basiert auf einer Kombination aus erblichen und spontanen Mutationen: Betroffen sind Menschen, bei denen eine von zwei "Ausfertigungen" - ein so genanntes Allel - des ARMC5-Gens von Geburt an mutiert ist.

Kommt es in der Nebennierenrinde spontan zur Mutation auch des zweiten Allels von ARMC5, verliert das Gen seine Funktion. "Interessant ist, dass der Ausfall von ARMC5 keinen unmittelbaren Einfluss auf die Cortisol-Produktion hat. Da sich die Tumorzellen aber schneller als andere Körperzellen vermehren und die Zellenzahl im Tumor steigt, nimmt im Verlauf der Erkrankung die Cortisol-Konzentration im Blut zu", so Dr. Schneider. Die Folge: Der Cortisol-Spiegel im Körper steigt, und es kommt zum Ausbruch des Cushing-Syndroms.

Nachdem andere wissenschaftliche Arbeitsgruppen festgestellt hatten, dass auch weitere gutartige Tumore - in diesem Fall Tumore der Hirnhäute - vermehrt in ARMC5-Cushing Familien vorkommen, hat das Team um Patrick May und Jochen Schneider das ARMC5-Gen sequenziert und mit Techniken der Bioinformatik untersucht. "Wir konnten erstmals nachweisen, dass bei einem Patienten mit Nebennierenrindentumor und gleichzeitigem Tumor der Hirnhaut in beiden Tumoren somatische, also nicht vererbte ARMC5 Mutationen vorhanden sind. Diese Beobachtung legt den Schluss nahe, dass es sich bei ARMC5 um ein echtes Tumorsuppressor-Gen handelt."

Nun, so Schneider weiter, müsse geklärt werden, in welchem Maße bei Patienten mit Nebennierenrindentumoren auf das gleichzeitige Vorliegen von Meningiomen gescreent werden muss und bei welchen anderen Tumorarten ARMC5-Mutationen die Ursache für ein Tumorwachstum sind: "Darauf aufbauend kann dann geklärt werden, ob das Gen und die von ihm beeinflussten Stoffwechselwege neue Ansätze für eine Therapie des Tumor-Syndroms bieten."

Literaturhinweis:
Ulf Elbelt, Alessia Trovato, Michael Kloth et al.
Journal of Clinical Endocrinology Metabolism
(DOI: http://dx.doi.org/10.1210/jc.2014-2648).
http://press.endocrine.org/doi/abs/10.1210/jc.2014-2648

Quelle: Universität Luxemburg - Université du Luxembourg
 
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