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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2013

Radioonkologische Therapiekonzepte bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren: Therapieauswahl mit Patienten treffen

"Kopf-Hals-Tumoren machen 5,4% der Krebsneuerkrankungen aus, neben den epidemiologisch bekannten Risikofaktoren Alkohol- und Nikotinmissbrauch sind auch HPV-Infektionen eine Ursache, weswegen mittlerweile deutlich mehr junge, nierauchende Frauen betroffen sind. Man hat es hier mit einem sehr unterschiedlichen Patientenklientel zu tun", sagte Prof. Jürgen Debus, Heidelberg. "Gerade diese jungen Patienten werden oft erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, daher brauchen wir mehr Aufklärung über diese Entität. Besonders der Zahnarzt spielt für die Frühdiagnostik eine maßgebliche Rolle: "Der Patient mit einem großen Tumor im Mund und mit gleichzeitig perfekt saniertem Gebiss - das sollte endgültig der Vergangenheit angehören."

"Bei lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren gibt es aktuelle Entwicklungen, die die radioonkologischen Therapiekonzepte beeinflussen", sagte Debus. Nicht-chirugische Therapiestandards sind neben der Radiochemotherapie (Cisplatin zusätzlich zur Bestrahlung) auch die Radioimmuntherapie (Bestrahlung + Cetuximab). Beide Therapiekonzepte verbessern das Gesamtüberleben gegenüber Radiotherapie allein. Wegen der verstärkten Toxizität ergab sich im lokal-fortgeschrittenen Stadium jedoch kein Outcome-Vorteil für die Patienten, wenn Radiochemotherapie mit Cetuximab kombiniert durchgeführt wurde (1).

Ein Head-to-Head-Vergleich steht noch aus


Ein Head-to-Head-Vergleich zwischen Radiochemotherapie und Radioimmuntherapie steht bislang noch aus. "Daher ist es wichtig, gemeinsam mit dem Patienten die für ihn günstigste Therapie auszuwählen", sagte Debus. "Die Radiochemotherapie ist evidenzbasiert, es liegen viele Studien vor und es gibt entsprechende Langzeitdaten. Allerdings verstärken sich durch Cisplatin die Akut- sowie Langzeittoxizitäten, sodass die Therapie nicht für jeden Patienten in Frage kommt."

Die Toxizitätsrate der ebenfalls evidenzbasierten Radioimmuntherapie ist geringer, die Compliance besser. Auch sie verbessert signifikant das Gesamtüberleben, die Ansprechrate und die Lebensqualität (2). Allerdings gibt es bislang keine Daten zur lokoregionären Kontrolle und zum Disease-free-Survival. "Eine Meta-Analyse von Levy (3) weist auf vergleichbare Wirksamkeit beider Regime hin, doch wirklich belastbare Daten dazu liegen noch nicht vor", sagte Debus.

Komorbiditäten, Karnofsky-Index des Patienten und seine individuellen Bedürfnisse müssen in die Therapie-Entscheidung einbezogen werden. Die Subgruppenanalyse von Bonner et al. (2) hatte gezeigt, dass Patienten mit Charakteristika, die für HPV-positive Tumoren sprechen (dies wurde in der Studie nicht eruiert) - jünger als 65, männlich, guter Allgemeinzustand (KPS 90-100%) - stärker von der Therapie mit Cetuximab profitieren. Allerdings konnte dieser Vorteil in Studien mit anderen EGFR-Inhibitoren wie Panitumumab (4) und Afatinib bei HPV-positiven Patienten im metastasierten Stadium nicht gezeigt werden, sodass weitere Studien dies prüfen müssen. Ang et al. (1) haben retrospektiv den HPV-Status untersucht, auch hier hatten die HPV-positiven Patienten eine bessere Prognose unter EGFR-Inhibition.

Die Phase-IV-Studie HIGHCARE (n=500, bisher eingeschlossen: 80) mit Radiochemo- oder Radioimmuntherapie soll Aussagen ermöglichen, wer von welcher Therapie am besten profitiert und welche Nebenwirkungen individuell erwartet werden müssen. "Im Gegensatz zur Bonner-Studie werden hier auch innovative MRT-Verfahren zugelassen, Endpunkte sind Lebensqualität und in der Substudie SUPPORT das Haut-bezogene Nebenwirkungsmanagement", schloss Debus.

Palliative Chemotherapie

"Standardtherapie in der rezidvierten und/oder metastasierten Situation ist die palliative Chemotherapie", sagte Prof. Ulrich Keilholz, Berlin. Hier werde in der Erstlinie Cetuximab mit Cisplatin (bzw. Carboplatin) + 5-FU kombiniert, weil dadurch Gesamtansprechen, progressionsfreies und Gesamtüberleben gegenüber Platin-haltiger Chemotherapie allein signifikant verbessert würden, so Keilholz. Außerdem werde so eine schnelle Symptomkontrolle erreicht (5). Wenn der Allgemeinzustand des Patienten dies nicht zulässt, soll eine Monotherapie mit Cetuximab bzw. Methotrexat durchgeführt werden.

ab

Satellitensymposium "Erfolgreiche Therapie von Kopf-Hals-Tumoren: Interdisziplinär - evidenzbasiert - multimodal" im Rahmen der 19. Jahrestagung der DEGRO, 10.05.2013, Berlin; Veranstalter: Merck

Literaturhinweise:

(1) Ang KK, et al. J Clin Oncol 30:360s, 2011, suppl 15; abstr. 5500.
(2) Bonner JA, et al. Lancet Oncol 2009; 11(1): 21-28.
(3) Levy AR, et al. Curr Med Res Opin, 2011; 27(12):2253-9.
(4) Stoehlmacher-Williams J, et al. 2012, J Clin Oncol 30:357s, (suppl 15; abstr. 5504).
(5) Vermorken JB, et al. N Engl J Med 2008;359: 1116-1127.


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