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Imfinzi NSCLC
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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
09. Juli 2006

Onkologische Ernährungstherapie: Zugewinn an Lebenszeit und Lebensqualität

Erhalten Patienten im fortgeschrittenen Stadium eines Krebsleidens eine supportive parenterale Ernährung, steigt die Überlebensrate an. Wie eine aktuelle Studie darüber hinaus klar unter Beweis stellt, nimmt die subjektive Lebensqualität deutlich zu, wenn der Ernährungszustand über mehrere Monate stabilisiert wird. Es ist also dringend indiziert, parallel zur Chemotherapie die metabolischen Probleme anzugehen.
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Jeder zweite Tumorpatient hat bereits vor der Diagnose an Gewicht verloren. Die Gewichtseinbuße verläuft chronisch progredient und wird durch die antitumorale Therapie beschleunigt. Dass die Patienten abnehmen, ist meist durch die reduzierte Nahrungsaufnahme bedingt. Beeinflusst werden kann der Energie- und Substratbedarf eines Karzinompatienten durch das Tumorgewebe selbst, durch tumorbedingte Ernährungsstörungen, wie Stenosen, Motilitätsstörungen, Schmerzen, Angst oder Depression, ferner durch metabolische Veränderungen, wie Stress-Stoffwechsel und Anorexie, sowie durch therapieinduzierte Belastungen, wie Emesis, Mukositis, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Obstipation, Diarrhoe, Infektionen und Immobilität.

Weniger Kohlenhydrate, aber Lipide in höheren Dosen
Der tägliche Energiebedarf ist mit rund 30 kcal/kg Körpergewicht oft normal, weil der Patient trotz eines höheren Energiebedarfs in Ruhe physisch meist wenig aktiv ist. Es genügt eine Eiweißzufuhr von 1,2 g/kg KG. „Größere Mengen bringen in der Regel keinen Vorteil“, versicherte Jann Arends, Freiburg. Weil häufig eine Insulinresistenz vorliegt, werden Kohlenhydrate von mehr als 4 g/kg KG meist nicht vertragen. Besser metabolisiert werden indessen Lipide. Sie können bis 1 g/kg KG und auch in höheren Dosen zugeführt werden.
Pathophysiologische Überlegungen und mehrere Studien lassen es ratsam erscheinen, bei der supportiven parenteralen Nutrition das Angebot an mehrfach ungesättigten Fettsäuren einzuschränken. Als Alternative kommen beispielsweise einfach ungesättigte Fettsäuren auf der Basis von Olivenöl (OliClinomel®) in Betracht. Solche Komplettmischungen werden mittels Dreikammerbeuteln appliziert und sorgen für eine einfache, sichere und effiziente parenterale Ernährung in der Klinik und auch zu Hause.

Parenterale Nutrition hat vielfältige Vorzüge
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin und die American Society for Parenteral and Enteral Nutrition raten davon ab, Ernährungstherapeutika routinemäßig zu geben, sagte Dr. Edward Shang, Mannheim. Seiner Ansicht nach liegen noch zu wenige solide Daten darüber vor, wie sich die parenterale Ernährung von Krebskranken im fortgeschrittenen Stadium auf die Körperzusammensetzung, die Lebensqualität und onkologische Parameter auswirkt.
Gesichert ist jedenfalls, dass bei einer Tumorkachexie die raschesten Effekte mit der totalen parenteralen Nutrition (TPN) zu realisieren sind. „Allerdings muss eine TPN häufig wegen metabolischer Komplikationen abgebrochen oder deutlich reduziert werden“, bedauerte Shang. Angesichts dieser wenig befriedigenden Situation startete er eine prospektive Studie, um die Effekte einer parenteralen Supplementernährung mit der Komplettmischung OliClinomel® auf Körperzusammensetzung und Lebensqualität bei fortgeschrittenen Tumoren zu studieren.

Wichtige Messgrößen deutlich verbessert
Teilnehmer der randomisierten Studie waren 152 konsekutive Patienten, die zwei Gruppen zugeteilt wurden. In puncto Alter, Geschlecht und Diagnose bestanden keine signifikanten Differenzen. Zu Beginn der Untersuchung wichen auch Gewicht, BMI und Lebensqualität beider Gruppen nicht nennenswert voneinander ab. Gruppe A bekam als Ergänzung zur oralen Ernährung Trinknahrung. Gruppe B erhielt zusätzlich zur oralen Ernährung eine parenterale Nutrition.

Überprüft wurden das Körpergewicht, der BMI, die Kalorienaufnahme sowie die Konzentrationen von Hämoglobin und Serumalbumin. Alle sechs Wochen ermittelte man mittels bioelektrischer Impedanz-Analyse die Körperzusammensetzung. Überdies wurden die Patienten regelmäßig über ihre Lebensqualität befragt. In der zwölften Woche zeigten sich in Gruppe B deutlich günstigere Werte für Körperzellmasse, Albumin und Lebensqualität. In der 36. Woche war zudem der BMI in Gruppe B signifikant höher als in Gruppe A ohne zusätzliche parenterale Nutrition. Am meisten überraschten die für lange Zeit stabilen Albuminwerte. Beim kolorektalen Karzinom ließ sich die kumulative Überlebenszeit dank parenteraler Ernährung von neun auf zwölf Monate steigern.

Symposium „Heilungschancen maximieren: Ernährung als Erfolgsfaktor der onkologischen Therapie“ anlässlich des 37. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 23. März 2006; Veranstalter: Baxter Deutschland GmbH, Erlangen

kbf

Quelle:


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