Sonntag, 18. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2013

Imatinib bei GIST: Therapie- und Nebenwirkungsmanagement sichern Adhärenz

"Die Therapie ist nicht wirksam, wenn der Patient sie nicht nimmt" (1)

Für Patienten nach kompletter Tumorresektion, die ein hohes Rezidivrisiko haben, gilt inzwischen eine dreijährige adjuvante Therapie mit Imatinib (Glivec®) bei c-KIT-positiven Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) als Standard (2). Voraussetzung für ein optimales Therapieergebnis ist die Adhärenz (3). Diese ist gerade in der adjuvanten Situation nicht immer gegeben (4). Hinzu kommt, dass Imatinib eine oral applizierbare und langfristige Therapie ist.

Noch vor wenigen Jahren gab es außer der Operation keine andere wirksame Therapie der GIST. Erst die Einführung von Imatinib hat die Behandlungsmöglichkeiten enorm verbessert. Während mit Zytostatika-Therapien die Adhärenz noch kein Thema war, rücken mit den Targeted Therapies Compliance-Probleme zunehmend in den Fokus. Die Faktoren, die zur Non-Compliance führen können, sind vielfältig: Der Patient fühlt sich z.B. insbesondere in der adjuvanten Situation nicht krank (4), therapiebedingte Nebenwirkungen (5) wie Übelkeit oder Durchfall erinnern ihn aber jeden Tag an seine Diagnose. Mit der Dauer der Therapie werden selbst milde Nebenwirkungen wie etwa Lidödeme zunehmend als Problem wahrgenommen und so legt er "drug holidays" vor dem Wochenende oder im Urlaub ein. Patienten informieren allerdings ihren Arzt nicht immer über Nebenwirkungen oder gar ihre eigenen "Therapiemodifikationen".

Doch nicht nur die Patienteneinstellung führt zur mangelnden Therapieadhärenz. Einen großen Anteil daran haben auch die behandelnden Ärzte. Viele sind der Auffassung: "Der Patient hat Krebs, also wird er das Medikament einnehmen." Doch eine Therapieadhärenz ist selbst bei Krebspatienten nicht vorauszusetzen (6).

Ein wichtiger Faktor für die Compliance ist das Wissen über die Erkrankung, damit der Patient die Notwendigkeit der Therapie verstehen kann (3, 4). Durch Informationsgespräche, die sich häufig aus Zeitgründen auf wenige Minuten beschränken, wird dem nicht Rechnung getragen. Termine werden meist in großen Abständen geplant ("Wir sehen uns in drei Monaten wieder"), und der Patient bekommt damit das Gefühl vermittelt, in der Zwischenzeit auf sich allein gestellt zu sein (3).

Strategien für den Praxisalltag zur Verbesserung der Adhärenz

Patienteninformation/Erstgespräch

Die Patienten sollten zum Aufklärungsgespräch idealerweise nicht allein kommen, sondern einen Partner mitbringen. Für das Erstgespräch sollten 30-45 Minuten eingeplant werden, diese Investition lohnt sich. Erst wenn der Patient die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung und die Folgen mangelnder Adhärenz verstanden hat, besteht eine gute Chance, dass er sich an das Therapieschema hält (3, 4). Der Patient sollte über die Einnahmemodalitäten sowie die häufigen Nebenwirkungen bei Imatinib gut aufgeklärt sein (4). Auch ist es hilfreich, Erreichbarkeit anzubieten, damit die Schwelle für einen Anruf beim Arzt niedrig ist. Weiterführende Informationsmaterialien für Patienten können ebenso nützlich sein (unter www.leben-mit-gist.de; z.B. Checkliste für das Arztgespräch).

Termin nach Erstgespräch

Bei Einstieg in die Therapie ist eine Wiedervorstellung nach 2-4 Wochen sinnvoll (3). Bei den Folgeterminen ist ein proaktives Therapie- und Nebenwirkungsmanagement wichtig: Haben Sie Auffälligkeiten oder Nebenwirkungen beobachtet? Welche Erfahrungen haben Sie mit der Therapie gemacht? Der Patient sollte dafür sensibilisiert werden, sich bei etwaigen Nebenwirkungen frühzeitig zu melden. Zur Unterstützung kann auch ein Therapietagebuch sehr hilfreich sein. Außerdem bietet sich an, die Patienten in regelmäßigen Abständen einen Fragebogen zur Lebensqualität ausfüllen zu lassen.

Nebenwirkungsmanagement

Klinische Studien belegen die allgemein gute Verträglichkeit von Imatinib bei GIST. Die meisten Nebenwirkungen erweisen sich als leicht bis moderat (Grad 1 oder 2) und sind kontrollier- und behandelbar, ohne die Therapie dauerhaft einstellen zu müssen (5, 7). Bevor eine Therapie mit Imatinib wegen Nebenwirkungen abgesetzt wird, sollte grundsätzlich zuerst von einem Experten - vorzugsweise in einem spezialisierten Zentrum - eine Dosisreduktion vorgenommen werden, da eine Therapieunterbrechung in der Regel zu einer raschen Progression führt (2).

Weitere Informationen finden Sie auch unter: www.leben-mit-gist.de

Literaturhinweise:
(1) Irving P (Hrsg.), Siegel CA (Hrsg.), Rampton D (Hrsg.), Shanahan F (Hrsg.). 2. Auflage. Blackwell Publishing Ltd. UK 2011; S. 247-250.
(2) The ESMO/European Sarcoma Network Working Group. Ann Oncol 2012; 23(Suppl. 7):49-55.
(3) Macdonald N, et al. Dove Medical Press Ltd. 2012; 6:253-262.
(4) Reichardt P, et al. Ann Oncol 2012; 23:2776-2781.
(5) Glivec®-Fachinformation; Stand November 2012.
(6) http://www.discoverymedicine.com/Daniel-M-Geynisman/2013/04/25/adherence-to-targeted-oral-anticancer-medications.
(7) Guilhot F, et al. The Oncologist 2004;9:271-281.

Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH


Anzeige:
Venclyxto
Das könnte Sie auch interessieren
Immer weniger Deutsche bei der Darmkrebsvorsorge
Immer+weniger+Deutsche+bei+der+Darmkrebsvorsorge
©Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de

Die Vorstellung ist für Männer wie Frauen anscheinend gleichermaßen derart unangenehm, dass sie die Untersuchungen lieber meiden: Darmkrebsvorsorge. Darauf weist die KKH Kaufmännische Krankenkasse angesichts des Darmkrebsmonats März hin. Laut KKH-Auswertung ist der Anteil der Versicherten, die zwischen 2009 und 2019 einen Vorsorgetest auf Blut im Stuhl gemacht haben, bundesweit bei beiden Geschlechtern um rund 42%...

Kombination von Wirkstoffen könnte Heilungschancen bei Eierstockkrebs verbessern
Kombination+von+Wirkstoffen+k%C3%B6nnte+Heilungschancen+bei+Eierstockkrebs+verbessern
© Uniklinikum Dresden/Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Innovative zielgerichtete Wirkstoffe, so genannte PARP-Inhibitoren, können die Prognose bei Eierstockkrebs deutlich verbessern. Dies gilt vor allem für Patientinnen, deren Tumoren bestimmte genetische Voraussetzungen aufweisen. Ein Forscherteam unter Leitung von WissenschaftlerInnen der Hochschulmedizin Dresden und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) konnte nun in Laborexperimenten zeigen, dass die...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
Junge+Menschen+vor+Geb%C3%A4rmutterhalskrebs+und+anderen+Krebsarten+sch%C3%BCtzen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
Berufliche+Reha+ist+mehr+als+Wiedereingliederung+nach+dem+Hamburger+Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Imatinib bei GIST: Therapie- und Nebenwirkungsmanagement sichern Adhärenz"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.