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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
27. Juni 2004

Ein Ende der Beliebigkeit: Zertifizierte Brustzentren

Im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern ist ein Rückgang der Brustkrebssterblichkeit in Deutschland nicht zu erkennen – heilbare Frühformen werden deutlich weniger häufig entdeckt als zum Beispiel in den USA. Eine Verbesserung der Situation verspricht man sich von der Zertifizierung von Brustzentren und der Implementierung evidenzbasierter Leitlinien.
Mit der Zertifizierung von Brustzentren nach DKG und DGS ist laut PD Christian Jackisch, Marburg, „ein Ende der Beliebigkeit erreicht“. Der Begriff „Brustzentrum“ ist nicht geschützt und nur ein zertifiziertes Brustzentrum würde eine auf hohem Niveau durchgeführte Brustkrebsbehandlung garantieren. Inzwischen sind in Deutschland 19 Brustzentren zertifiziert. Um das Zertifikat zu erhalten, muss ein sich bewerbendes Klinikum mindestens 400 ambulante Therapiezyklen Chemotherapie durchgeführt haben, bei stationärer Durchführung 800 Zyklen. Außerdem sollten die behandelnden internistischen Onkologen nachweisen können, dass sie insgesamt bereits 2000 Therapiezyklen Chemotherapie betreut haben. Jeder beteiligte Operateur sollte danach 50 Brustkrebsoperationen pro Jahr selbst durchführen. Ein Brustzentrum sollte 150 zu operierende Mammakarzinome pro Jahr nachweisen können (siehe: www.senologie.org).
Ziel von Leitlinien ist es, einen Behandlungskorridor vorzugeben. „Wir wollen keine Einengung der Therapiefreiheit, sondern eine individualisierte Therapie mit genügend wissenschaftlicher Absicherung erreichen“, betonte PD Gunter von Minckwitz, Frankfurt. Die neue Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Mammakarzinomen der Organkommission Mamma der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie), die von Minckwitz in Gravenbruch vorstellte, wurde in Zusammenarbeit mit der ARO erstellt und beinhalten die aktuellen deutschen Behandlungsempfehlungen. Erweitert wurden in der 3. Überarbeitung die Themen um die Bereiche Pathologie, hereditäres Mammakarzinom sowie lang- und kurzfristige Nebenwirkungen. Um die praktische Anwendung zu erleichtern, wurde für jede Behandlungsmaßnahme ein Empfehlungsgrad vergeben. Dieser AGO-Empfehlungsgrad stellt eine Expertenbeurteilung dar, der eine Risiko-Nutzen-Analyse zugrunde liegt. Die Leitlinie ist im Internet veröffentlicht (www.ago-online.org).
In der Leitlinie zu Früherkennung des Mammakarzinoms, über die Prof. Rolf Kreienberg, Ulm, berichtete, wurden neben den deutschen Behandlungsempfehlungen auch international anerkannte Leitlinien berücksichtigt. Inzwischen wurde das Delphi-Verfahren abgeschlossen und somit sind die internationalen Kriterien für eine S-3-Leitline erfüllt.

as

Quelle: Pressekonferenz: Verbesserte Brustkrebstherapie, Neu-Isenburg, 7. Mai 2004.


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