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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

11. Dezember 2001 Zwei Drittel der Patienten wurden transfusionsfrei

Substitution mit Erythropoetin bei hämatologischen Tumoren

Im fortgeschrittenem Stadium leiden Krebspatienten häufig an einer Anämie. Dies betrifft Patienten mit soliden wie hämatologischen Tumoren. Durch Radio- und Chemotherapie wird eine vorhandene Anämie deutlich verstärkt oder therapeutisch verursacht. Werden die Patienten nicht mit Erythropoetin substituiert, benötigen 70% eine Bluttransfusion. Aktuelle Daten untermauern die Wirksamkeit von substituiertem Erythropoetin bei hämatologischen Tumoren.
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Bei Tumorerkrankungen gibt es eine Reihe von Mechanismen, die eine Anämie verursachen können. Häufig finde man jedoch keine weitere Erklärung für die Entstehung der Anämie, außer der malignen Erkrankung selbst, sagte Prof. M.R. Nowrousian vom Tumorzentrum Essen auf einem Symposium in Hamburg, wo er die Pathophysiologie der tumorbedingten Anämie (TBA) erklärte. Eine solche TBA würde Anämien ähneln, die bei chronisch inflammatorischen oder chronisch infektiösen Erkrankungen vorkommen. Meistens sind Ferrinspiegel und Transferrinsättigung reduziert, obwohl Serumferritin und Speichereisen im Knochenmark normal oder sogar erhöht sind. TBA geht vom Tumor aus Untersuchungen deuten darauf hin, dass die TBA vom Tumor ausgeht und durch eine Aktivierung des immunologischen und inflammatorischen Systems in Gang gesetzt wird. Insbesondere Makrophagen, T-Lymphozyten sowie die Zytokine TNF, IL-1 und Interferone scheinen eine Rolle zu spielen. Dafür sprechen Aktivierungsmarker wie z.B. Neopterin und Interferon und erhöhte Zytokinkonzentrationen im Serum der Patienten mit TBA. Die Lebenszeit der Erythrozyten ist bei TBA verkürzt. Doch mehr Bedeutung im pathologischen Prozess nehme ein relatives Versagen der Erythropoese ein, die eine verkürzte Lebenszeit der Erythrozyten mit einer Mehrproduktion dieser Zellen kompensiere. Das Versagen der Erythropoese wiederum ist offenbar auf eine Suppression der erythropoetischen Vorläuferzellen, eine gestörte Eisenutilisation und eine inadäquate Produktion von Erythropoetin zurückzuführen.
Bei Tumorkranken liegen die Hb-Werte median zwischen 8 – 9 g/dl. Für Strahlentherapeuten bedeutet ein Wert <12 g/dl, bei Frauen <13 g/dl, eine Anämie, so Nowrousian. Laut einer Untersuchung mit an unterschiedlichen malignen Tumoren erkrankten Patienten entwickeln unter einer Chemotherapie vor allem Patienten mit Ovarialkarzinom, Lungenkarzinom und Non-Hodgkin-Lymphom eine bluttransfusionsbedürftige Anämie.
Seit der Möglichkeit der Substitution mit rekombinant hergestelltem Erythropoetin konnte die Zahl der Bluttransfusionen deutlich reduziert werden. Die Wirksamkeit von rh-Erythropoetin in der Behandlung der TBA hämatologischer Tumorerkrankungen wird durch die jüngsten Ergebnisse einer paneuropäischen doppelblinden, randomisierten, plazebokontrollierten und mulitzentrischen Studie mit 343 Patienten untermauert. Wie Professor Anders Österborg, Stockholm, berichtete, hatten von diesen Patienten 116 ein multiples Myelom, 102 litten an einem niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und 125 an einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL). Die Patienten hatten einen Hb-Wert <10 g/dl, einen relativen Erythropoetin-Mangel und eine Lebenserwartung von über vier Monaten. Alle erhielten eine Chemotherapie.
Die Substitution mit rh-Erythropoetin erfolgte in der 1. bis 4. Woche in einer Dosis von 3x150 IE/kg KG/Woche. Responder erhielten diese Dosis von der 5. – 16. Woche weiter, bei Nicht-Respondern wurde sie auf 3x300 IE/kg/KG/Woche erhöht. Zielkriterien der Studie waren das transfusionsfreie Überleben zwischen der 5. und 16. Woche ohne Vorliegen einer schweren Anämie, des weiteren ein Hb-Anstieg um 2 g/dl ohne vorangegangene Transfusion in den letzten 6 Wochen sowie eine Verbesserung der Lebensqualität. Hohe Ansprechraten auf Erythropoetin-Substitution Am Ende der Studie waren 60 Prozent der mit rh-Erythropoetin behandelten Patienten und 33 Prozent in der Plazebogruppe transfusionsfrei und entwickelten keine schweren Anämien, berichtete Österborg. Detailliert lagen die Ansprechraten bei Patienten mit multiplem Myelom bei 77 Prozent, und mit NHL bzw. CLL bei 64 Prozent.
Der Hb-Wert war in diesem Zeitraum bei 67 Prozent um 2 g/dl angestiegen, ohne Transfusionen in den vorangegangenen sechs Wochen. Unabhängig von der Tumorart hatte sich die Lebensqualität der Patienten im Verlauf der Therapie mit rh-Erythropoetin signifikant verbessert. Die Lebensqualität war mit dem FACT-An-Fragebogen zu Beginn der Therapie, nach 4, 8, 12 und 16 Wochen ermittelt worden

Quelle: Symposium „Erythropoetin – Besser leben! 2001 in Hamburg


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