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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Januar 2005 Multiples Myelom: Proteasom-Hemmung als hoffnungsvoller therapeutischer Ansatz

Bortezomib, der erste Proteasom-Inhibitor, repräsentiert einen neuartigen Ansatz zur Hemmung der Proliferation von Tumorzellen. Als erste profitierten davon Patienten mit multiplem Myelom, deren Überlebenszeiten verdoppelt wurden. Zugelassen durch die EMEA ist Bortezomib seit 4/2004 (Velcade®) zur Therapie des multiplen Myloms nach mindestens 2 vorangegangenen Behandlungen und erneuter Krankheitsprogression. Die Substanz wurde mit dem Innovationspreis 2004 der „Pharmazeutischen Zeitung (PZ)“ ausgezeichnet.
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Das Proteasom ist ein intrazellulärer Multienzymkomplex, der Zellwachstum, Proliferation und Apoptose reguliert, indem er nicht mehr benötigte Eiweißverbindungen erkennt und abbaut. Wird das Proteasom durch Bortezomib inhibiert, kommt es bereits auf zellulärer Ebene zur Hemmung der kanzerogenen Entwicklung. Tumoröse Zellen enthalten wesentlich mehr Proteasom als gesunde und reagieren auch empfindlicher auf die reversible Hemmung des Enzymkomplexes. Dank dieser Erkenntnis wurde das Proteasom zu einem wichtigen Ziel der Krebsforschung.
Den ersten Hinweis, dass Patienten mit multiplem Myelom auf den Proteasom-Inhibitor ansprechen, lieferte eine Phase-I-Studie. Daran schloss sich eine multizentrische Phase-II-Studie mit 202 Teilnehmern an, die am Rezidiv eines multiplen Myeloms litten. Sie hatten zu 90 % auf die vorherige Therapie nicht angesprochen und mindestens zwei Vorbehandlungen hinter sich. Bortezomib wurde als intravenöser Bolus in einer Dosis von 1,3 mg/m2 Körperoberfläche appliziert, berichtete Prof. Hartmut Goldschmidt, Heidelberg.
Es kam zu Ansprechraten zwischen 33 und 50%, die sich durch die zusätzliche Gabe von Dexamethason steigern ließen. Als „einmalig hoch“ bezeichnete der Onkologe die Zahl kompletter Remissionen der Rezidivpatienten. Sofern es gelang, mit Bortezomib die Krankheit zu stabilisieren und den Tumor zu reduzieren, verbesserte sich die Lebensqualität spürbar. Verglichen mit der Vorbehandlung wurde durch die Proteasom-Inhibition die Zeitspanne bis zur Krankheitsprogression von 3 auf 7 Monate mehr als verdoppelt. Goldschmidt: „Das mediane Gesamtüberleben betrug 17,5 Monate.“ Erwartet hatte man nur 6 bis 9 Monate.
Diese erfreulichen Resultate bestätigte eine randomisierte Phase-III-Studie, für die 670 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom gewonnen wurden. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil sich Bortezomib gegenüber hochdosiertem Dexamethason als überlegen herausgestellt hatte. In der Bortezomib-Gruppe wurde die Zeit bis zur Tumorprogression signifikant um 58% verlängert. Im ersten Jahr nimmt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens dank Bortezomib um 30% zu, versicherte Goldschmidt.

Karl B. Filip


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