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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

05. Januar 2003 Editorial 06/02

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Gliome, insbesondere die malignen Gliome des WHO-Grads IV (Glioblastome), stellen nach wie vor eine der größten Herausforderungen der Onkologie dar. Trotz erheblicher technischer Fortschritte in der Neurochirurgie und in der Strahlentherapie hat sich die Prognose dieser Tumoren in den letzten 2 Jahrzehnten kaum verändert. Eine wichtige Ausnahme stellen die oligodendroglialen Tumoren dar, deren gutes Ansprechen auf Chemotherapie in den letzten Jahren zweifelsfrei belegt worden ist. Der natürliche Verlauf der meisten Gliomerkrankungen ist jedoch durch die verfügbaren Therapien wenig zu beeinflussen.
Wichtige Fortschritte hat die histopathologische und molekulargenetische Diagnostik der Gliome erzielt. Nach dem mit der WHO-Klassifikation eine Gradierung der Gliome in 4 Malignitätsgrade erfolgte, die ausgesprochen starken Bezug zum klinischen Verlauf dieser Tumorerkrankungen haben, wurden in den letzten Jahren auch molekulargenetische Marker identifiziert, die zur Beurteilung der Prognose herangezogen werden können. So wurde gezeigt, dass ein Verlust chromoso-malen Materials auf den Chromosomen 1p und 19q bei oligodendroglialen Tumoren mit hoher Wahrscheinlichkeit Ansprechen auf Chemotherapie und einen günstigeren Verlauf vorhersagt.
In der Diagnostik und im weiteren Verlauf der Gliomerkrankung nehmen neuroradiologische Verfahren, insbesondere Computertomographie und Kernspintomographie, eine zentrale Rolle ein. Aktuell von besonderem Interesse sind zudem neue Indikationen für den Einsatz der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die bis zum Monitoring des Gentransfers in vivo reichen.
Im Bereich der Neurochirurgie ist es durch technische Fortschritte wie Neuronavigation, Verfügbarkeit intraoperativer Bildgebung und Ultraschallverfahren zu neuem Interesse an der Optimierung chirurgischer Therapieverfahren gekommen. Auch wenn bisher nicht nachweisbar war, dass die optimierte Neurochirurgie zu einem längeren Überleben führt, so tragen diese Entwicklungen doch zweifelsfrei zu einer geringeren Morbidität und Mortalität neurochirurgischer Eingriffe bei. Die Kontroverse über den therapeutischen Nutzen der maximalen Zytoreduktion geht weiter, solange dieser nicht in einer kontrollierten Studie belegt ist. Andererseits halten die meisten Neuroonkologen eine solche vergleichende Studie von Biopsie und maximaler Zytoreduktion für ethisch nicht vertretbar.
Wirksamste Therapie insbesondere der malignen Gliome ist nach wie vor die Strahlentherapie der erweiterten Tumorregion. Auch hier haben zahlreiche, qualitativ hochrangige Studien der Variation der Bestrahlungsmodalitäten nicht zu einem besseren Ergebnis geführt, als zuvor mit einer Standardtherapie von 54–60 Gy in 1,8-2 Gy-Fraktionen erreicht wurde. Durch eine Optimierung der Zielvolumenbestimmung und Qualitätssicherungsmaßnahmen ist jedoch in den letzten Jahren auch die mit der Strahlentherapie verbundene Morbidität ohne Zweifel gesenkt worden.
Auf dem Gebiet der Chemotherapie konnten mit Ausnahme des oben angeführten Durchbruchs der Chemotherapie bei den oligodendroglialen Tumoren keine deutlichen Fortschritte erzielt werden. Für die malignen Gliome gilt nach wie vor, dass kein Chemotherapie-Schema der Monotherapie mit Nitrosoharnstoffen überlegen und dass deren Effekt in kontrollierten Studien auch eher marginal war. Andererseits steht mit Temozolomid ein alternatives Präparat zu den Nitrosoharnstoffen zur Verfügung, das einerseits mit großer Wahrscheinlichkeit besser verträglich ist als Nitrosoharnstoffe, andererseits wegen der erheblichen Kosten weiterhin kontrovers diskutiert wird. Viele große aktuelle Studien konzentrieren sich auf eine Optimierung der Behandlung mit Temozolomid allein oder in Kombination mit anderen Therapiemodalitäten.
Die vorliegende Ausgabe von journalOnkologie verfolgt das Ziel, mittels 5 Beiträgen aus den Bereichen Neuropathologie, Neuroradiologie, Radioonkologie, Neurochirurgie und Chemotherapie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie der Gliome zu vermitteln.

Prof. Dr. med. Michael Weller


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