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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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07. Februar 2012

Editorial

Eine metastasierte Brustkrebserkrankung ist nach wie vor nicht heilbar, doch sind die Therapieoptionen in den letzten Jahren deutlich verbessert worden, so dass man auch in diesem Stadium zunehmend von einem chronischen Verlauf mit medianen Überlebenszeiten von bis zu 5 Jahren sprechen kann.
Hauptziel beim metastasierten Mammakarzinom ist neben der Lebensverlängerung der Erhalt der Lebensqualität, wonach sich die Therapieempfehlungen richten. Grundsätzlich gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich, um tumorbedingte Beschwerden zu lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit und damit auch die Lebensqualität lang zu erhalten.

Für die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms gibt es eine Vielzahl von therapeutischen Optionen. Die Therapieauswahl richtet sich nach dem Allgemeinzustand, den Beschwerden, vorausgegangenen Therapien, Hormonrezeptor- und HER2-Status, dem Metastasierungsmuster, der Progressionsdynamik und nicht zuletzt dem Patientinnenwunsch. Auch das vorherige Ansprechen auf eine Chemotherapie ist prädiktiv für eine nochmalige Remission.

Bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren ist die endokrine Therapie aufgrund des günstigen therapeutischen Index die Therapie der Wahl. Falls der Hormonrezeptor-positive Tumor progredient wird und nicht mehr auf eine Hormontherapie anspricht bzw. bei Hormonrezeptor-negativen Tumoren steht bei der metastasierten Erkrankung die systemische Chemotherapie im Vordergrund, mit der sich auch eine Lebenszeitverlängerung erzielen lässt, wie inzwischen mehrere Phase-III-Studien demonstrieren.

Die effektivsten Substanzen sind Anthrazykline und Taxane. Taxane sollten im Verlauf der palliativen Chemotherapie eingesetzt werden, da eine Taxan-haltige Therapie gegenüber einer Taxan-freien Therapie zu einem signifikant verbesserten Ergebnis führt [1]. In Abhängigkeit vom Remissionsdruck wird eine Monochemotherapie oder eine Polychemotherapie eingesetzt. Bei einer langsamen Krankheitsprogression und nicht lebensbedrohlichen Metastasierung oder auch bei reduziertem Allgemeinzustand sollte der Monochemotherapie aufgrund der besseren Verträglichkeit der Vorzug gegeben werden. Eine Polychemotherapie ist indiziert, wenn ein hoher Remissionsdruck besteht, z.B. bei Schmerzen oder drohendem Organversagen.

In der Monotherapie konnte bisher nur Docetaxel in einer randomisierten Studie das Überleben beim Anthrazyklin-vorbehandelten, metastasierten Mammakarzinom gegenüber einer Standardtherapie verbessern [2].

Neue Möglichkeiten bietet die Hinzunahme von „Targeted Substanzen“ wie z.B. Bevacizumab, welche die Ansprechrate erhöhen und das progressionsfreie Überleben verlängern.

Bevacizumab ist in der Kombination mit Paclitaxel und Docetaxel für die Erstlinientherapie von Patientinnen mit metastasiertem HER2-negativen Mammakarzinom zugelassen. Die Zulassungserweiterung für die Kombination von Bevacizumab mit Docetaxel wurde auf Grundlage der AVADO-Studienergebnisse [3] im Juli 2009 erteilt, in der sich die Kombination in der Erstlinientherapie als hoch wirksam erwiesen hat. Die erhöhte Effektivität der Bevacizumab-haltigen First-Line-Therapie war nicht mit zusätzlichen, unerwarteten Nebenwirkungen assoziiert, auch das bekannte Nebenwirkungsprofil von Docetaxel wurde nur wenig beeinflusst, so dass sich diese Therapie für Patientinnen im metastasierten Stadium als neue, wirksame Option anbietet.
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Prof. Dr. med. Hans-Joachim Lück,
Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Hannover
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