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Medizin

Freiburger Forscher identifizieren Eiweiß, das die Entstehung von Autoimmunerkrankungen verhindert

15. August 2017
Seite 1/2
Wie Proteine Inseln bilden

Das Immunsystem schützt den Menschen vor Bedrohungen wie zum Beispiel krankmachenden Keimen, aber auch vor Krebs. Wird das System allerdings falsch aktiviert, kann es auch den Körper attackieren wie es bei Autoimmunerkrankungen, beispielsweise bei Typ-1-Diabetes oder Multipler Sklerose, der Fall ist. Die Arbeitsgruppe um die Biochemikerin Dr. Susana Minguet hat nun in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Reth, Inhaber der Professur für Molekulare Immunologie an der Albert-Ludwigs-Universität, und mit Prof. Dr. Miguel Ángel del Pozo vom Nationalzentrum für Kardiovaskuläre Forschung Carlos III in Madrid/Spanien gezeigt, dass dem Membranprotein Caveolin-1 eine Schlüsselrolle bei Immunantworten zukommt, die diese Art von Erkrankungen auslösen. Seine Ergebnisse präsentiert das Team in der Fachzeitschrift „Nature Immunology".
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Die Forschung sieht Autoimmunerkrankungen bislang häufig als die Folge einer Hyperaktivität des Immunsystems an; neuerdings jedoch wird immer deutlicher, dass solche Erkrankungen auch aus einer zu schwachen Reaktion des Systems resultieren. Diese Erkenntnis, die durch die Studie der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gestützt wird, könnte neue Therapieansätze hervorbringen. Bisher versucht die Medizin, die Immunantwort bei Betroffenen zu unterdrücken, stattdessen ließen sich Autoimmunerkrankungen aber auch mit alternativen Strategien, wie beispielsweise einer Gentherapie, behandeln.
 
Abb. 1: Ist der Abstand zwischen den Rezeptoren der B-Zellen auf der Zelloberfläche geringer als 20 Nanometer, erscheint bei der von den Forschern zur Messung verwendeten „Proximity Ligation Assay"-Methode ein rotes Signal. (© Foto: Kathrin Kläsener)
Abb. 1: Ist der Abstand zwischen den Rezeptoren der B-Zellen auf der Zelloberfläche geringer als 20 Nanometer, erscheint bei der von den Forschern zur Messung verwendeten „Proximity Ligation Assay"-Methode ein rotes Signal. (© Foto: Kathrin Kläsener)


Die Gruppe entschlüsselte die elementare Funktion von Caveolin-1 in der Plasmamembran von B-Zellen, den Zellen des Immunsystems, die Antikörper herstellen. B-Zellen erkennen Stoffe über ihren B-Zell-Rezeptor, der aus der Zelloberfläche herausragt und so als eine Art Antenne dafür sorgt, dass die B-Zelle jegliche Art von Eindringlingen wie Bakterien und Viren erkennt. Nach deren Bindung an den Rezeptor wird die B-Zelle aktiviert und kann so Erreger unterschiedlicher Art bekämpfen. Aktuelle Studien beispielsweise von Michael Reth zeigen, dass die Antennen nicht zufällig auf der Zelloberfläche verteilt sind, sondern sich in organisierten Proteininseln zusammenfinden, die verschmelzen, sobald ein Stoff an den B-Zell-Rezeptor bindet. Das Team um Minguet hat herausgefunden, dass das Protein Caveolin-1 diese Organisation auf der Zelloberfläche reguliert und damit für die Aktivierung der B-Zelle und für das Auslösen der Immunantwort entscheidend ist. Ohne Caveolin-1 führt eine Bindung von Viren oder Bakterien an der B-Zelle zu einem verringerten Aktivierungssignal, was zu einer abgeschwächten Immunantwort führt.
 
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