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Medizin

25. Juni 2017 Systemische Mastozytose: Midostaurin verdoppelt Überlebenszeiten

Die fortgeschrittene systemische Mastozytose ist eine sehr seltene myeloproliferative Erkrankung mit einer ausgesprochen schlechten Prognose. Wie eine gepoolten Analyse zweier Phase-II-Studien beim 22. Kongress der European Hematology Association (EHA) in Madrid zeigte, kann der Multikinase-Inhibitor Midostaurin die Prognose solcher Patienten deutlich verbessern.
Midostaurin ist vor allem bekannt als Inhibitor von FLT3 und hat mittlerweile bereits eine US-Zulassung zur Therapie der FLT3-mutierten Akuten Myeloischen Leukämie (AML) erhalten. Die Substanz hemmt aber eine Reihe weiterer Kinasen, darunter die des KIT-Rezeptors, der bei 80-90% der systemischen Mastozytose-Erkrankungen mutiert ist (KITD816V). In zwei kleinen einarmigen Phase-II-Studien hatte Midostaurin klinische Wirkung bei diesen Patienten gezeigt mit Ansprechraten zwischen 60 und 70%.

Weil bei solchen raren Erkrankungen randomisierte Studien praktisch unmöglich sind, wurden diese beiden Studien nun gemeinsam ausgewertet, so Andreas Reiter, Mannheim, und mit historischen Daten des in Mannheim angesiedelten deutschen Mastozytose-Registers verglichen. In der gepoolten Analyse erzielte Midostaurin eine mediane Überlebenszeit von 41,4 Monaten, die damit ungefähr doppelt so lange war wie im Register (19,5 Monate; Hazard Ratio 0,50; p = 0,0007). Um für die Unsicherheiten durch das nicht randomisierte Studiendesign zu korrigieren, wurde außerdem eine Propensity Score Matching-Analyse durchgeführt, bei der der Einfluss zahlreicher weiterer Variablen berücksichtigt wird. Auch hier war Midostaurin signifikant überlegen (median 27,8 v s. 19,5 Monate; HR 0,636), und zwar in allen Subgruppen. In einer multivariaten Analyse schließlich kristallisierten sich Midostaurin, ein Alter von unter 65 Jahren und das Vorliegen einer KIT-Mutation als signifikante prognostische Variablen für das Überleben heraus. In einer Analyse, in der das Überleben nach der letzten Therapie beleuchtet wurde, konnte Midostaurin das Mortalitätsrisiko sogar um 56% reduzieren (medianes Überleben 28,7 vs. 5,7 Monate in der Register-Population; HR 0,44; p < 0,0001).

Diese Ergebnisse decken sich weitgehend mit denen einer im letzten Jahr erscheinenen Studie, in der mit Midostaurin behandelte Patienten mit systemischer Mastozytose ebenfalls mit historischen Kontrollen verglichen worden waren. Die vorteilhafte Wirkung des Inhibitors ist in allen Subgruppen von Patienten zu sehen, so Reiter, auch wenn die Patientenzahlen in einigen dieser Subgruppen sehr klein waren.

jg

Quelle: EHA 2017


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