Donnerstag, 22. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
Medizin
09. Juni 2016

Statine hemmen metastasierende Melanomzellen – bei Anwesenheit von IL-6

Spezielle Cholesterinsenker können das Wachstum metastasierender Melanomzellen einschränken – wenn der zelluläre Botenstoff Interleukin-6 (IL-6) vorhanden ist. Die Beobachtung dieses Zusammenhangs gelang in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF und wurde vor kurzem in "Melanoma Research" veröffentlicht.
 
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
In Labortests lösen Statine (Cholesterinsenker) in Melanomzellen ein Selbstmordprogramm aus – dies führt aber bislang nicht zu einer klinisch nachweisbaren Reduktion der Melanomhäufigkeit beim Menschen. In einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF wurde nun ein Zusammenhang entdeckt, der unser Verständnis für die Anti-Tumorwirkung von Cholesterinsenkern beträchtlich erweitert.

Dem Team um Martin Hohenegger vom Institut für Pharmakologie und Christoph Minichsdorfer vom Comprehensive Cancer Center der Medizinischen Universität Wien gelang es zu zeigen, dass der Botenstoff IL-6 eine notwendige Voraussetzung für das Auslösen des Selbstmordprogramms durch Statine ist.  Ausgangspunkt für die Arbeiten von Hohenegger war die Überlegung, ob zwei bei Melanomzellen beobachtete Phänomene vielleicht in einem Zusammenhang stehen. Dazu erläutert Hohenegger: "Vergleiche verschiedener Studien zeigten, dass Melanomzellen sehr unterschiedliche Empfindlichkeiten für das Auslösen des Selbstmordprogramms durch Statine besitzen. Warum dies so ist, war nicht bekannt. Weiters wusste man schon, dass der zelluläre Botenstoff IL-6 das Wachstum frühphasiger Melanomzellen hemmt – nicht aber das Wachstum weiterentwickelter Melanomzellen. Wir fragten uns also, ob zwischen diesen scheinbar unabhängigen Phänomenen eventuell ein Zusammenhang bestehen könnte."

Die vom FWF unterstützte Gruppe analysierte daher in der Folge, inwieweit die unterschiedlichen Empfindlichkeiten für das Auslösen eines zellulären Selbstmordprogramms durch Statine mit der Wirkung von IL-6 zusammenhängen könnten. "Wir konnten zeigen, dass das Statin Simvastatin in frühphasigen Melanomzellen zunächst kein zelluläres Selbstmordprogramm auslöste –, erst wenn wir zusätzlich IL-6 anbieten, aktiviert Simvastatin dieses Programm. Ein guter Hinweis darauf, dass Statine zur Auslösung dieses Anti-Tumoreffekts auf den Botenstoff IL-6 angewiesen sind."

Weitere Hinweise für diesen Zusammenhang sammelte die Gruppe dann mit einem Antikörper-Experiment. Dabei machte sie sich zunutze, dass der Antikörper Tocilizumab an zelluläre Rezeptoren für IL-6 bindet und so die entzündliche Wirkung des Botenstoffs unterbindet. Dieser Effekt wird in der Rheumatherapie seit 2014 bei fortgeschrittenen Krankheitsverläufen erfolgreich eingesetzt. "Wir konnten zeigen, dass in metastasierenden Melanomzellen die Anti-Tumorwirkung von Simvastatin durch die gleichzeitige Blockierung der IL-6-Rezeptoren durch den Antikörper Tocilizumab aufgehoben wurde. Ein weiterer Hinweis, dass die hemmende Wirkung der Statine auf das Tumorwachstum nur im Zusammenhang mit der von IL-6 effizient funktioniert."

Noch sind Details darüber, wie IL-6 und Statine auf dem molekularen Level miteinander interagieren, vollkommen im Dunkeln, doch für frühphasige Melanomzellen deuten erste Hinweise auf die beiden Proteine Bcl-XL und Bcl-2. Diese hemmen für gewöhnlich das Selbstmordprogramm der Melanome und werden durch IL-6 reduziert. In metastasierenden Zellen hingegen scheinen diese beiden Proteine durch Statine kaum reguliert zu sein.

Insgesamt schuf die Arbeit des Teams um Hohenegger zahlreiche Erkenntnisse mit potenziell hoher klinischer Relevanz, sowohl für die Behandlung des Melanoms als auch für die Rheumatherapie, in der Antikörper wie Tocilizumab eingesetzt werden. Tatsächlich konnte das Team zusätzlich noch zeigen, dass die in Melanomzellen beobachtete Anti-Tumorwirkung von Statinen auch in anderen Tumorarten, wie dem Neuroblastom, auftritt, was die Bedeutung der Ergebnisse noch weiter betont.

Quelle: Medizinische Universität Wien

Literatur:

C. Minichsdorfer, C. Wasinger, E. Sieczkowski et al. Tocilizumab unmasks a stage-dependent interleukin-6 component in statin-induced apoptosis of metastatic melanoma cells. Melanoma Research 25:284-294. doi: 10.1097/CMR.0000000000000172.
http://journals.lww.com/melanomaresearch/pages/articleviewer.aspx?year=2015&issue=08000&article=00003&type=Fulltext


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet
Krebstherapie-Nebenwirkungen+wirksam+bek%C3%A4mpfen%2C+Patienten+unterst%C3%BCtzen+%E2%80%93+Bundesweit+g%C3%BCltige+Leitlinie+verabschiedet
© vitanovski / Fotolia.com

Etwa eine halbe Millionen Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs. Für viele ist die Behandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen. Doch längst gibt es wirksame Therapien, um Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen besser in den Griff zu bekommen. Die so genannten unterstützenden oder Supportiven Therapien haben in den...

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden
Darmkrebsvorsorge%3A+K%C3%BCnstliche+Intelligenz+vermag+Krebsvorstufen+von+harmlosen+Wucherungen+zu+unterscheiden
© kras99 / fotolia.com

Die Entwicklung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz geht rasend schnell voran – auch in der Medizin. 2017 hat in China mit dem kleinen Roboter-Arzt „Xiaoyi“ erstmals ein System mit Künstlicher Intelligenz das ärztliche Examen bestand. Auch die Früherkennung von Darmkrebs könnte in Zukunft durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert werden. In aktuellen Untersuchungen konnten...

Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums
Helfen+und+sich+helfen+lassen+-+neues+Informationsblatt+vom+Krebsinformationsdienst+des+Deutschen+Krebsfoschungszentrums
Alexander Raths / Fotolia.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Statine hemmen metastasierende Melanomzellen – bei Anwesenheit von IL-6"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.