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Medizin

16. Dezember 2020 Sichelzellerkrankung: P-Selectin-Antikörper vermindert vasookklusive Krisen

Die Sichelzellerkrankung kommt vor allem im „Malariagürtel“, insbesondere in Nigeria und im Nahen Osten vor. In Deutschland leben infolge der Migration derzeit etwa 3.000 Menschen mit Sichelzellerkrankung. Viele Jahre hat es in der Therapie keine Fortschritte gegeben. Mit dem P-Selectin-Antikörper Crizanlizumab ist jetzt ein neues Wirkprinzip verfügbar.
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Wie Dr. Stephan Lobitz, Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Koblenz, ausführte, wird das Sichelzell-Hämoglobin (HbS) erst zum Problem, wenn es den transportierten Sauerstoff abgegeben hat. Denn dann neigt es zur Polymerisation und kann als Festkörper ausfallen, vor allem wenn sich die Zirkulation im Kapillarbett verlangsamt. Mechanische Gefäßverschlüsse und Hämolyse sind die schwerwiegenden Folgen.

Das klinischen Leitsymptomen der Sichelzellerkrankung sind schmerzhafte vasookklusive Ereignisse mit akuten und chronischen Organkomplikationen. Als Standardtherapie hat sich Hydroxyurea/Hydroxycarbamid (HU/HC) etabliert, welches die Synthese fetalen Hämoglobins (HbF) induziert. Damit vermindern sich die Sicherzellbildung, die Adhäsion von Neutrophilen und Retikulozyten und die Hämolyse. Entwickelt werden derzeit auch einige neue HbF-Induktoren.

Kürzlich zugelassen wurde erstmals ein Antikörper gegen das Adhäsionsmolekül P-Selectin, welches in Endothelzellen, Thrombozyten und Sichelzellen hochreguliert ist. Der hochaffine humanisierte P-Selectin-Antikörper Crizanlizumab inhibiert in vitro und in vivo die Bindung von P-Selectin an seine Rezeptoren, wie Prof. Dr. med. Philipp le Coutre, Oberarzt an der Medizinischen Klinik, Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité Berlin, ausführte.

Eine Dauertherapie mit 5 mg/kg Crizanlizumab verringerte in der Phase-II-Studie SUSTAIN die mediane Zahl von vasookklusiven Krisen um 45,3% (1). Mehr als ein Drittel der Patienten war für 1 Jahr komplett frei von diesen Ereignissen. Zugelassen wurde der Antikörper Anfang November 2020 zur Prävention von vasookklusiven Krisen bei Patienten mit Sichelzellerkrankung ab 16 Jahren. Er kann zusätzlich zu HU/HC oder bei Patienten, für die HU/HC ungeeignet ist, als Monotherapie gegeben werden. Verabreicht wird Crizanlizumab (Adakveo®) subkutan in einer Dosis von 5 mg/kg an Tag 1, nach 2 Wochen und dann alle 4 Wochen.

Ein weiteres neues Prinzip repräsentiert der R-State-Stabilisator GBT440. Er sorgt dafür, dass mehr Sauerstoff gebunden bleibt. Damit bleibt HbS besser in Lösung und die Polymerisation nimmt ab. Es verschlechtert sich aber auch die Gewebeoxyginierung.

Martin Bischoff

Quelle: Launch-Pressekonferenz Crizanlizumab, 25.11.2020; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) Ataga KI et al. N Engl J Med 2017; 376:429-439


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