Mittwoch, 4. August 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lenvima
Lenvima
 
Medizin
07. Oktober 2014

Neue Substanzklasse T8 plus Etoposid bewirkt vermehrte Apoptose bei Krebszellen

LMU-Forscher haben eine neue Substanzklasse entdeckt, die Krebszellen für die Chemotherapie sensibilisiert. Zugleich haben sie eine neue Zielstruktur bei Krebszellen gefunden, an der Medikamente angreifen können.

Anzeige:
Zavicefta
Zavicefta
 

Ein Forscherteam um Prof. Angelika Vollmar von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Prof. Stephan Sieber von der TU München (TUM) hat eine neue Klasse von Substanzen identifiziert, die bei der Therapie von Tumoren hilfreich sein können. Die nicht-toxische Verbindung sensibilisiert Krebszellen für eine Chemotherapie, sodass bestehende Resistenzen verringert werden. An dem interdisziplinären Team waren Wissenschaftler der LMU, TUM und der Uni Saarbrücken beteiligt. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift Angewandte Chemie - International Edition.

Bei der Krebsbekämpfung mithilfe von Chemotherapeutika besteht die Gefahr, dass Krebszellen Resistenzen entwickeln. "Eine Möglichkeit, das zu umgehen, ist, Chemotherapeutika zusammen mit Verbindungen zu verabreichen, die die Krebszellen gegen die Medikamente sensibilisieren und einen programmierten Zelltod auslösen", sagt Angelika Vollmar, Inhaberin des Lehrstuhls Pharmaceutical Biology an der LMU.

In interdisziplinärer Zusammenarbeit haben die Wissenschaftler eine neue Substanzklasse (T8) entdeckt, die verschiedene Krebszellen gegen das Arzneimittel Etoposid sensibilisiert, das in der Chemotherapie eingesetzt wird, um das Wachstum der Krebszellen zu hemmen. "Der interdisziplinäre Ansatz und die enge Zusammenarbeit von Chemikern und Biologen war für unseren Erfolg entscheidend", sagt Vollmar. Den Forschern ist es auch gelungen, eine neue Zielstruktur zu identifizieren, die Proteindisulfidisomerase (PDI), die für viele zelluläre Funktionen eine Rolle spielt. Hier greifen die Verbindungen der neuen Substanzklasse an.

Ein Vorteil der neuen Verbindung ist, dass sie alleine nicht toxisch und ihre Wirkweise reversibel ist. Nur in Verbindung mit einem Chemotherapeutikum entfaltet sie ihre Wirkung: "Die Kombination einer subtoxischen Konzentration von Etoposid und der neuen T8-Verbindungen führt zu erhöhten Raten programmierten Zelltods", sagt Vollmar.

Diesen Wirkmechanismus konnten die Wissenschaftler in verschiedenen biologischen und chemischen Laborstudien belegen. "Unsere Studien zeigen, dass T8 eine vielversprechende Verbindung ist, um eine Vielzahl verschiedener Krebszellen für Chemotherapeutika zu sensibilisieren." Die Forscher haben die neue Verbindung unter anderem an Leukämiezellen und Brustkrebszellen getestet. "Unser nächstes Ziel ist es, zum einen die Substanzklasse weiter zu optimieren und in unterschiedlichen Tumormodellen in vivo zu testen, zum anderen die Substanz als chemisches Werkzeug zu nutzen, um mehr über die Bedeutung der PDI als Tumor-Target zu lernen." Bei ihren Arbeiten wurden die Forscher von der Wilhelm-Sander-Stiftung sowie der DFG unterstützt.

Literaturhinweis:
Jürgen Eirich, Simone Braig, Liliana Schyschka, Stephan A. Sieber, Angelika M. Vollmar et al.
Discovery and promotion of a new class of chemosensitizer reversibly inhibiting protein disulfide isomerase
In: Angewandte Chemie - International Edition
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ange.201406577/abstract

Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München


Anzeige:
Keytruda Lunge
Keytruda Lunge
Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neue Substanzklasse T8 plus Etoposid bewirkt vermehrte Apoptose bei Krebszellen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose