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Medizin

08. Februar 2017 Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie

Ein neuartiges System zur MRT-gestützten Prostatapunktion steht seit kurzem den Medizinern am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zur Verfügung. Es handelt sich um einen kompakten ferngesteuerten Roboter, der den Arzt bei der gezielten Prostatabiopsie unterstützt. Die Biopsie – die Entnahme von Gewebeproben zur Sicherung einer Diagnose – wird so wesentlich schneller und für den Patienten angenehmer. Es ist die deutschlandweit erste Installation eines solchen Systems. Die bildgestützte Prostatabiopsie mit Hilfe der MRT ist ein Verfahren, das nur wenige Zentren anbieten, am UKL allerdings bereits seit einigen Jahren erfolgreich durchgeführt wird.
PD Dr. Michael Moche ist Oberarzt und Leiter des Arbeitsbereichs Interventionelle Radiologie an der von Prof. Thomas Kahn geleiteten Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Zusammen mit Dr. Harald Busse, dem leitenden Medizinphysiker der Klinik, arbeitet er seit vielen Jahren auf dem Gebiet MRT-gesteuerter Verfahren. "Das herkömmliche Vorgehen ist relativ kompliziert, zeitaufwändig und teilweise für den Patienten belastend", erläutert Moche. Das neue System hingegen sei erheblich einfacher in der Handhabung und schneller, das zeigten bereits die ersten Einsätze, sagt er.

"Die Bereiche in der Prostata, in denen Tumore vermutet werden, sind vergleichsweise klein. Sie mussten umständlich über ein manuelles Führungssystem angezielt werden", beschreibt der UKL-Radiologe die bisherige Prozedur. "Der Patient liegt bis zu einer Stunde bäuchlings im MRT, besonders die zweite Hälfte der Prozedur wird von vielen Patienten als belastend empfunden."

Mit dem neuen System hingegen halbiere sich perspektivisch die Zeit, ergänzt Dr. Busse, denn man könne jetzt das Ziel direkt über die vom MRT gelieferten Bilder anvisieren. Mit technischer Präzision wird der beste Zugangsweg automatisch eingestellt. "Die vielen bisherigen Annäherungsschritte, die eine Menge Zeit kosteten, fallen weg", hebt PD Dr. Moche hervor, "wir können nun auch Proben aus mehreren Läsionen viel schneller hintereinander entnehmen." Den eigentlichen Einstich, so betont er ausdrücklich, nehme jedoch immer der Arzt selbst vor, niemals der Roboter. Weil die Patienten zur Lokalisierung möglicher Tumore in ihrer Prostata in einem MRT liegen müssen, darf an diesem neuartigen Roboter nichts metallisch oder elektrisch sein. Gefertigt ist der mechanische Assistent daher aus speziellem Kunststoff. Alle beweglichen Teile werden pneumatisch, also mittels Luftdruck gesteuert. Dies garantiere die maximale Sicherheit im System, so Dr. Busse, und daher konnte der Roboter auch problemlos als Medizinprodukt zugelassen werden.
 
Der neue robotische Assistent. © Stefan Straube / UKL
Lupe
Der neue robotische Assistent. © Stefan Straube / UKL


Entwickelt wurde er von der Firma "Soteria Medical" in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Radboud im niederländischen Nijmegen. Zur dortigen Forschungsgruppe pflegen die Leipziger Experten Moche und Busse seit Jahren gute Kontakte. "Wir haben die Entwicklung dieses Systems aufmerksam verfolgt und kurz nach der Zulassung angeschafft, weil wir der Überzeugung sind, dass unsere Patienten davon profitieren werden", berichtet Moche.

Der interventionelle Radiologe verspricht sich nun noch mehr Effizienz und zunehmende Akzeptanz für MRT-gesteuerte Biopsien bei Zuweisern und Patienten. "Es sind weniger Kontrollaufnahmen erforderlich und die Eingriffszeit verkürzt sich: Das heißt für den Einzelnen, der Eingriff wird angenehmer", fasst Moche die Vorteile zusammen, " eine schnellere Prozedur heißt aber auch, dass sich die Wartezeit verringert und mehr Patienten einen zeitigen Termin bekommen können."

Auch Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, sieht diese Vorteile für die Patienten: "Das neue Verfahren ist eine wichtige Ergänzung unserer bisherigen diagnostischen Maßnahmen. Wir freuen uns, unseren Patienten das moderne Verfahren jetzt am UKL anbieten zu können."

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig


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