Dienstag, 1. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Adcetris
Adcetris
Medizin

16. November 2017 Hämatologie: Pharmacoscopy als potentielles Werkzeug für eine personalisierte Präzisionsmedizin

Pharmacoscopy kann in hoher Auflösung und mit großem Durchsatz Substanzbibliotheken auf ihren Effekt auf Blutkrebszellen aus individuellen Blutproben testen. 88,2% der untersuchten PatientInnen mit aggressivem Blutkrebs erlangten durch Pharmacoscopy eine vollständige oder teilweise Remission – verglichen mit 23,5% ohne Pharmacoscopy. Die mittlere progressionsfreie Überlebensrate erhöhte sich ebenfalls um das Vierfache. Retrospektiv konnte Pharmacoscopy mit 90%iger Genauigkeit die Reaktion von BlutkrebspatientInnen auf ihre Therapie vorhersagen. Pharmacoscopy erweist sich damit als potentielles Werkzeug für eine personalisierte Präzisionsmedizin.
Anzeige:
Darzalex
 
PatientInnen mit aggressiven Blutkrebsarten, die einen Rückfall erleiden, haben oft wenige therapeutische Optionen und schlechte Überlebensprognosen. Effektive Therapien zu finden, ist selbst mit genetischen Untersuchungen schwierig, da sich Krebszellen rasch verändern und die genauen Auswirkungen der verschiedenen Genmutationen auf die Eigenschaften des Tumors oft nicht ausreichend bekannt sind, um personalisierte Therapien zu entwickeln. Pharmacoscopy ermöglicht einen neuen Ansatz: In vom Patienten entnommenen Blutproben können Wirkstoffkombinationen ex vivo getestet werden.

Pharmacoscopy wurde von WissenschaftlerInnen des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften entwickelt, in enger Kollaboration mit Klinikern der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Innere I), die für die klinische Studie verantwortlich waren. Das multidisziplinäre Team der aktuellen Studie wird von Giulio Superti-Furga, Wissenschaftlicher Direktor des CeMM und Professor für Molekulare Systembiologie an der Medizinischen Universität Wien, und Professor Phillip Staber, Programmdirektor für Lymphome, chronisch lymphatischer Leukämie und T-Zell Lymphome der Medizinischen Universität Wien geleitet.

Bei der durchgeführten Arbeit wurden bisher 17 PatientInnen inkludiert, weitere Teilnehmer werden noch rekrutiert. Durch die mit Pharmacoscopy ermittelten, personalisierten Therapien erlangten 15 der 17 Teilnehmer (88,2 %) eine vollständige oder teilweise Remission, ihre Krankheitsmanifestationen konnten also vollständig oder teilweise zurückgedrängt werden. Mit den vorrangegangenen Therapien ohne Pharmacoscopy gelang nur in 4 der 17 PatientInnen (23,5%) ein vergleichbarer Erfolg. Gleichzeitig erhöhte sich die mittlere progressionsfreie Überlebensrate durch die Pharmacoscopy-geleitete Therapie von 5,7 auf 22,6 Wochen. Darüber hinaus konnte in einer retrospektiven Studie der Krankheitsverlauf von 20 an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkrankten Patienten mit 90%iger Genauigkeit vorhergesagt werden – ein bisher unerreichter Wert für derartige Prognosen.

„Einen robusten, schnellen und zuverlässigen Test für den Effekt von Wirkstoffkombinationen zur Verfügung zu haben, stellt für die behandelnden Ärzte eine enorme Hilfe bei der Wahl der individuell optimalen Therapie dar – speziell bei Patienten mit wiederkehrenden Tumoren in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung, bei denen schnell gehandelt werden muss“, erklärt Phillip Staber, verantwortlicher Prüfarzt der Studie.

„Dass sich die Pharmacoscopy-Methode hilfreich in der Auswahl einer geeigneten Therapie erwiesen hat, ist wunderbar. Die funktionelle Einzelzell-Analyse von direkten Patientenproben ermöglicht uns eine bisher unerreichte Auflösung und Präzision, die wir mit Sicherheit in Zukunft noch weiterentwickeln werden, um unterschiedliche Krankheiten zu bekämpfen“, fügt Giulio Superti-Furga hinzu, der seit der Gründung des Forschungszentrums für Molekulare Medizin vor rund zehn Jahren an der Verbesserung der medizinischen Praxis durch wissenschaftlichen Fortschritt arbeitet.

Quelle: CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Literatur:

Berend Snijder, Gregory I Vladimer, Nikolaus Krall et al.
Image-based ex-vivo drug screening for patients with aggressive haematological malignancies: interim results from a single-arm, open-label, pilot study
The Lancet Haematology; doi: 10.1016/S2352-3026(17)30208-9
http://www.thelancet.com/journals/lanhae/article/PIIS2352-3026(17)30208-9/fulltext


Anzeige:
Xospata
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hämatologie: Pharmacoscopy als potentielles Werkzeug für eine personalisierte Präzisionsmedizin"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab