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Medizin
13. Juni 2013

Entdeckung einer neuen Methode zur Erfassung der Virulenz von Krebserkrankungen

Ein Wissenschaftlerteam des Albert Bonniot-Instituts in Grenoble, das sich aus Forschern des CNRS (Zentrum für wissenschaftliche Forschung), des Inserm (Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung) und der Universität Joseph Fourier zusammensetzt, hat in Zusammenarbeit mit Klinikern und Pathologen des Universitätsklinikums in Grenoble eine neue Form des Umgangs mit Krebs und der Prognostik hinsichtlich der Virulenz von Tumoren aufgezeigt.

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Alle Zellen in unserem Körper besitzen die gleichen Gene. Allerdings führt ihre Spezialisierung dazu, dass einige von ihnen aktiviert und andere unterdrückt werden. In einer Krebszelle sind die Mechanismen, durch die eine Zelle Gene entweder an- oder abschaltet, jedoch defekt. Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die Krebszellen bei allen Krebsarten eine Art "Identitätskrise" haben: In den Organen oder Geweben, in denen sich ein Tumor bildet, entwickeln sich die Gene, die für ein anderes Gewebe oder eine andere Entwicklungsstufe des Organismus typisch sind, anormal. Die Forscher untersuchten nun genau diese in den Tumoren "erwachenden" Gene und wiesen nach, dass bei fast allen Krebsarten Dutzende von Genen, die spezifisch für Keimbahnen und Plazenta sind, anormal aktiviert werden. Dieses Ergebnis eröffnet interessante Wege für potenzielle Biomarker zur Charakterisierung von Tumoren.

Zur Untersuchung der Auswirkungen dieser abweichenden Aktivierung und deren Bedeutung konzentrierten sich die Forscher bei ihrer Arbeit auf den Lungenkrebs. Sie studierten die Tumore von fast 300 Patienten mit dieser Krebsart an der Universitätsklinik in Grenoble. Über zehn Jahre erstellten die Ärzte Patientenakten und bewahrten Tumore nach chirurgischer Resektion auf und kommentierten sie. Sie analysierten die Expression aller Gene in diesen Tumoren und untersuchten sie nach verschiedenen klinischen Parametern.

Unter den bei Lungenkrebs anormal entwickelten Genen entdeckten sie 26, deren Aktivierung mit besonders aggressiven Krebsarten einhergeht: Findet eine Genexpression statt, handelt es sich um eine äußert aggressive Form von Krebs. Auf diese Weise können Forscher bei der Diagnose vorhersagen, bei welchen Krebsarten ein besonders hohes Rückfallrisiko besteht und welche einen tödlichen Ausgang nehmen, selbst wenn der Tumor in einem frühen Entwicklungsstadium bereits behandelt wurde. Diese gefährlichen Krebsarten breiten sich sehr schnell im Körper aus und sind nur schwer vom Abwehrsystem des Körpers aufzuspüren.

Diese Arbeit liefert den Machbarkeitsnachweis für einen neuen Ansatz zur Erforschung und Behandlung von Krebs: Die anormale Expression von Genen in einem Gewebe oder Organ, die für andere Gewebe spezifisch sind, könnte eine neue Möglichkeit für die Prognostik und die Personalisierung von Therapiemaßnahmen sein.

Quelle: Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland


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