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Medizin
05. September 2012

Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms

Dank neuer Substanzen überleben Patienten mit Prostatakarzinom auch in der palliativen Situation des metastasierten kastrationsresistenten Karzinoms (mKRPC) immer länger. Nach Docetaxel-Versagen stehen mit Cabazitaxel und Abirateron zwei wirksame Substanzen zur Verfügung. Die beste Prognose haben jene Patienten, die im Therapieverlauf beide Substanzen erhalten. Um dies zu gewährleisten, sollten Chemotherapie-fähige Patienten nach Versagen der Erstlinientherapie mit Docetaxel vorzugsweise zunächst mit Cabazitaxel weiter behandelt werden, um zu verhindern, dass die Patienten nach Abirateron möglicherweise nicht mehr Chemotherapie-fähig sind.

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Der behandelnde Arzt steht vor der Herausforderung, für Patienten mit mKRPC die individuell ‚richtige‘ Therapiesequenz  zu finden, erläuterte Prof. Peter Hammerer, Braunschweig. Um auf der sicheren Seite zu sein, bietet sich nach Docetaxel-Versagen die Weiterbehandlung mit Cabazitaxel für alle Patienten an, die Chemotherapie-fähig sind. Cabazitaxel, so Hammerer, ist nach Docetaxel-Versagen eine wirksame Substanz für die Zweitlinien-Behandlung. In der Zulassungsstudie TROPIC (1) reduzierte Cabazitaxel das relative Sterberisiko der Patienten mit mKRPC statistisch signifikant um 30% im Vergleich zu den Patienten im Kontrollarm, die Mitoxantron erhalten hatten (HR 0,70; p<0,0001). Die vergleichsweise hohe Rate febriler Neutropenien hat sich im klinischen Alltag nicht bestätigt, betonte Hammerer. Die Daten aus dem Compassionate Use Programm (CUP) sowie die eigene klinische Erfahrung zeigen, dass sich die Behandlung mit Cabazitaxel im klinischen Alltag gut handhaben lässt und die Patienten Cabazitaxel in der Regel gut vertragen.

CUP-Daten: Cabazitaxel ist im klinischen Alltag gut handhabbar

Die Daten des CUP (2) wurden unmittelbar aus dem klinischen Alltag generiert. Sie bestätigen, dass sich die hohe Wirksamkeit von Cabazitaxel mit einem proaktiven Nebenwirkungsmanagement voll nutzen lässt, ergänzte Dr. med. David Pfister, Aachen. Im Ergebnis führe dies dazu, dass die Patienten mit Cabazitaxel nicht nur die Option haben, länger, sondern auch bei besserer Lebensqualität zu überleben. Lediglich 1,8% der CUP-Patienten entwickelten eine febrile Neutropenie (Grad 3/4). Auch andere schwere Nebenwirkungen (Grad 3/4) waren selten: Neutropenie bei 7,2% und Diarrhöen bei 0,9% der Patienten. Die reduzierte Tumorlast führe dazu, dass die Patienten weniger tumorbedingte Schmerzen haben und weniger Schmerzmedikation benötigen, betonte Pfister. -  „Wir haben gelernt, mit Cabazitaxel im klinischen Alltag umzugehen“, resümierte Pfister. Exemplarisch verwies er auf einen 75-jährigen Patienten mit mKRPC, der über ein Jahr von der Behandlung mit Cabazitaxel profitierte und krankheitsstabil blieb.

Patienten mit mKRPC vorzugsweise mit Cabazitaxel behandeln

Insbesondere Patienten, die ein schnelles Therapieansprechen benötigen, z.B. wegen eines schnellen PSA-Anstiegs oder einer ausgeprägten Tumorsymptomatik und drohender Verschlechterung des Allgemeinzustandes, sollten nach Docetaxel-Versagen mit Cabazitaxel weiterbehandelt werden, betonten beide Experten. Erhalten die Patienten Cabazitaxel zu spät im Therapieverlauf bestehe das Risiko, dass sich ihr Allgemeinbefinden so deutlich verschlechtert, dass sie nicht mehr Chemotherapie-fähig sind. Die klinische Erfahrung zeige immer wieder, dass Abiraterone auch nach Cabazitaxel-Versagen wirkt, so dass die endokrine Option den Patienten nicht verloren geht. Hammerer empfiehlt, schon im frühen Stadium die Therapiesequenz von vorneherein in Absprache mit dem Patienten so festzulegen, dass er alle Therapieoptionen erhalten kann und die Chance auf eine längerfristige Krankheitsstabilisierung hat.

Prostatakarzinom: Thema Sexualität enttabuisieren

Aktuelle Daten (3) weisen darauf hin, dass die Diagnose ‚Prostatakarzinom‘ per se das Risiko einer erektilen Dysfunktion erhöht, erläuterte Dr. med. Götz Geiges, Berlin. Ursache hierfür sind entsprechende Ängste der Männer, welche aber oft unbegründet sind. Die Diagnose ‚Prostatakarzinom‘ bedeute nicht zwangsläufig das Ende der Sexualität. Das Thema sollte bereits beim Erstkontakt aktiv von Seiten des Arztes angesprochen werden, um dem Patienten unbegründete Sorgen zu nehmen sowie potentielle therapeutische Möglichkeiten zu besprechen.
 

Literaturhinweise:
(1) de Bono et al., Lancet 2010, 376: 1147-54
(2) Heidenreich A et al., Eur Urol 2012; 11 (Suppl): e128
(3) Helfand BT et al., BJU International 2012 / doi: 10.1111/j.1464-410X.2012.11268.x

Quelle: sanofi


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