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Medizin

12. Juni 2015 EHA 2015: Polycythaemia vera - Symptomkontrolle und Unabhängigkeit von Phlebotomien mit JAK-Inhibitor

Patienten mit Polycythaemia vera, die nicht auf konventionelle Therapien v.a. mit Phlebotomien und zytoreduktiven Maßnahmen ansprechen, steht mittlerweile mit dem JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib eine wirksame Therapieoption zur Verfügung, mit der viele von ihnen unabhängig vom regelmäßigen Aderlass werden.

Patienten mit Polycythaemia vera sollten nach den Empfehlungen des European LeukemiaNet (ELN) bei niedrigem Risiko für thromboembolische Komplikationen mit niedrig-dosierter Azetylsalizylsäure oder Phlebotomie behandelt werden. Ist das Risiko höher oder wird beispielsweise die Phlebotomie-Frequenz zu hoch, empfiehlt sich eine zytoreduktive Therapie mit Hydroxyharnstoff, Interferon oder Busulfan (die beiden letzteren sind für diese Indikation nicht zugelassen). Zytoreduktive Therapien können laut ELN-Leitlinie auch bei Patienten mit niedrigem Thromboembolie-Risiko gerechtfertigt sein, wenn die Milz vergrößert ist, eine progrediente Leuko- oder Thrombozytose oder unkontrollierbare Symptome der Erkrankung vorliegen oder wenn der Patient eine Phlebotomie nicht verträgt oder zu oft benötig - dann droht ein Eisenmangel. Eine Leukozytose (d.h. mehr als 10.000 Leukozyten/ml) gilt heute beispielsweise neben dem erhöhten Hämatokrit als unabhängiger Risikofaktor für thromboembolische Komplikationen und Tod. Wenn die konventionellen Therapien versagt haben bzw. man sie aus anderen Gründen nicht anwenden kann oder möchte (z.B. fehlende Zulassung), bietet sich der JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib an, so Martin Griesshammer, Minden, bei einem Satellitensymposium im Rahmen des 20. Kongresses der European Hematology Association (EHA) in Wien. 

Die Zulassung von Ruxolitinib für Patienten mit Polycythaemia vera, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxyharnstoff sind, basiert auf den Ergebnissen der randomisierten Phase-III-Studie RESPONSE, so Claire Harrison, London: Darin hatten 222 solche Patienten, die überdies eine Splenomegalie aufweisen und von Phlebotomien abhängig sein mussten, entweder Ruxolitinib (10 mg/d) oder die beste sonst verfügbare Therapie erhalten. 

Primärer Endpunkt war die Kombination aus einem Ansprechen des Hämatokrits, der ohne Phlebotomie auf unter 45% sinken musste und einer mindestens 35%igen Reduktion der Milzgröße, und hier sprachen nach 32 Wochen 21% der Patienten in der Ruxolitinib-Gruppe, aber nur 1% in der Kontrollgruppe an. Bei den einzelnen Komponenten des primären Endpunkts war das Ergebnis noch eindrucksvoller: 38% vs. 1% der Patienten wiesen eine Reduktion der Splenomegalie auf, und bei 60% vs. 20% konnte der Hämatokrit kontrolliert werden. Nach einem Jahr lag die Wahrscheinlichkeit für die Patienten, die angesprochen hatten, dieses Ansprechen zu halten, bei 94%. Umgekehrt war die Rate der Patienten, die zwischen den Wochen 8 und 32 eine Phlebotomie benötigten, bei den Patienten der Kontrollgruppe ungefähr dreimal so hoch wie im Ruxolitinib-Arm (62,4% vs. 19,8%); drei oder mehr Phlebotomien mussten 20,2% vs. 2,8% der Patienten erhalten. Entsprechend besserten sich auch bei wesentlich mehr Patienten unter Ruxolitinib die Polycythaemie-typischen Symptome.

Frau Harrison illustrierte die Wirksamkeit von Ruxolitinib mit dem Fall eines 65-jährigen Patienten, der seit zehn Jahren an einem zunehmend schlimmer werdenden Pruritus litt. Dieser war ebenso wie der hämatologische Status durch Hydroxyurea nicht zu kontrollieren: Der Patienten benötigte bei Thrombozyten-Werte von 500.000-600.000/ml alle sechs Wochen eine Phlebotomie. Dieser Zustand besserte sich auch unter pegyliertem Interferon-α nicht nennenswert, sodass der Patient in ein Compassionate-Use-Programm mit dem damals noch nicht zugelassenen Ruxolitinib aufgenommen wurde. Der Zustand besserte sich innerhalb von wenigen Wochen so dramatisch, dass der Patient ohne Phlebotomien auskam und ungehindert seiner Arbeit nachgehen konnte.
jg


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