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Medizin

17. Oktober 2018 Alternative Therapien: Geringe Risikowahrnehmung beim Patienten

Einer von zwei Patienten greift während einer Krebsbehandlung auf komplementäre, alternative Medikamente (CAMs)  zurück. Dies geht jedoch häufig mit Arzneimittelwechselwirkungen einher, wie 2 Studien auf dem ESMO-Kongress 2018 berichten. Durch eine Befragung von 325 Patienten mit einem Sarkom, gastrointestinalem Stromatumor (GIST) oder Desmoidtumor wurde die Art und Anwendung nicht-konventioneller Therapien über einen Zeitraum von 4 Monaten untersucht (1).
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Fachinformation
Die Ergebnisse zeigten, dass insgesamt 51% der Sarkom-Patienten alternative Methoden angewendet hatten, 15% davon parallel zu Krebsbehandlungen. Die Hauptgründe für die Verwendung von CAMs waren: Stärkung des Immunsystems (78%), Verbesserung des Wohlbefindens (76%) und Bewältigung der Krebsbehandlung (45%), Stressreduzierung (53%), Reduzierung der Symptome oder Nebenwirkungen (36%). Weniger als 30% der Patienten berichteten über die Einnahme von Vitamin- und Mineralsupplementen, insbesondere Vitamin D. Eine Krebsdiagnose steigerte das Interesse an CAMs bei 44% der Teilnehmer.
 
Klare Informationen über ihre Nebenwirkungen und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten stehen noch nicht zur Verfügung. In der Umfrage erkannten 60% der Patienten, dass ihre Informationen zu Sicherheitsproblemen von CAMs unzureichend waren, sie äußerten jedoch nur geringe Bedenken hinsichtlich potenzieller Risiken. Die Patienten bezogen Informationen zu ergänzenden und alternativen Medikamenten hauptsächlich aus dem Internet und anderen Medien (43%), von Freunden (15%) und von Personen in Heilberufen (14%).
 
Eine zweite Studie, die Daten von 202 Sarkom-Patienten, die sich einer Chemotherapie oder einer Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren unterzogen hatten, nachträglich auswertete, zeigte, dass 18% der wichtigsten Arzneimittelwechselwirkungen im Studienzeitraum auftraten und dass medizinische Abstimmung zu Beginn der Krebstherapie ratsam ist, um Nebenwirkungen oder eine unwirksame Behandlungen zu verhindern (2).
 
29% der Arzneimittelwechselwirkungen, die eine Intervention durch Apotheker erforderten, wurden mit komplementären oder alternativen Medikamenten in Verbindung gebracht. Die Risiken der Wechselwirkungen mit nicht-konventionellen Medikamenten sind die gleichen wie bei anderen Begleitmedikationen: erhöhte Toxizität und Verlust der Wirksamkeit von Antikrebsbehandlungen.
 
Krebszentren sollten zukünftig in eine integrative Medizin investieren, die medizinische Krebstherapien mit nicht-konventionellen Therapien kombiniert, erklärte Dr. Markus Jörger,  Kantonsspital St. Gallen, Schweiz, abschließend.

(übers. v. ma)

Quelle: ESMO

Literatur:

(1) K. Sunku-Winkler: Abstract 1655P_PR, Annals of Oncology, Volume 29 Suppl. 8, 2018.
(2) A. Bellesoeur: Abstract 1632P_PR, Annals of Oncology, Volume 29 Suppl. 8, 2018.


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