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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
03. August 2017

Mammakarzinom: Erwartungen an die komplementäre Medizin

Ein Zusammenspiel aus wissenschaftlicher, evidenzbasierter Medizin und komplementärer, erfahrungsbezogener Medizin wird immer wichtiger in der onkologischen Behandlung. Dr. Daniela Paepke, München, berichtete über Patientenwünsche und Erwartungen an die komplementäre und supportive Therapie beim Mammakarzinom. Eine interne Umfrage des interdisziplinären Brustzentrums München ergab, dass 54% der Patientinnen von Paepke sich eine komplementäre Therapie begleitend zu ihrer Krebsbehandlung wünschen.
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Die Patientinnen haben klare Vorstellungen, wie ihnen die Komplementärmedizin helfen soll: Sie soll das Immunsystem anregen, Nebenwirkungen vermindern, Stress reduzieren, die Lebensqualität verbessern und Schmerzen lindern. Auch eine frühere Befragung von 1.030 Patientinnen (1) hatte gezeigt, dass 48,7% (n=502) der Frauen komplementäre und alternative Medizin (Complementary and alternative medicine=CAM) verwenden. Diese CAM-Anwenderinnen hatten weniger häufig eine Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes (35,1%) im Vergleich zu Nicht-CAM-Nutzerinnen (50,1%). Die meist verordneten unkonventionellen Krebstherapien sind hierbei Misteltherapie (52,5%), Vitamine (33,7%), Mineralien und Spurenelemente (31,7%), Homöopathika (29,7%), Thymuspeptide (24,3 %), diätische Maßnahmen (21,8%) und Akupunktur (19,8%) (2).

Die Misteltherapie ist die am besten untersuchteste Phytotherapie und wird supportiv zur onkologischen Therapie verabreicht. Sie kann adjuvant zur Chemotherapie (3) und Immuntherapie sowie palliativ eingesetzt werden. Mit Hilfe einer Analogskala und Fragebögen (FACIT F; EORTC QLQ C30; NCCN-Distress Thermometer) wird die Intensität der Beschwerden ermittelt.

Laut Dr. Steffen Wagner, Saarbrücken, gibt es keine tumorfördernden Effekte während der Misteltherapie. Auch während einer Immuntherapie mit Mistel gibt es keine negativen Interaktionen. „Die Misteltherapie macht aus meiner Erfahrung keinen Schaden, sie ist zu empfehlen“, so Wagner. Über 1.000 Literaturstellen sind zur Misteltherapie bekannt, darunter gibt es 36 bewertbare Studien zur Lebensqualität von Krebspatienten unter Misteltherapie. Davon sind 26 Studien wiederum prospektiv randomisiert und 22 kommen zu dem abschließenden Ergebnis, dass die Misteltherapie zur einer Verbesserung der Lebensqualität führt. Am häufigsten waren Fatigue, Erschöpfung Übelkeit, Erbrechen, Angst, Depressionen und Reizbarkeit gelindert beziehungsweise Schlaf, Appetit, Konzentration und Wohlbefinden verbessert (4). Wagner beschrieb das praktische Vorgehen bei der Anwendung eines Mistelpräparates folgendermaßen: „Man bespricht das Therapieziel, wie beispielsweise die Lebensqualität zu verbessern, wählt die Mistelsorte aus (Apfel, Eiche, Kiefer), findet die richtige Dosis in der Einleitungsphase, verabreicht Mistel in der Erhaltungsphase und plant eventuelle Therapiepausen ein.“ Die Mistel wird subkutan in Serie (Serie 0-II) injiziert, dabei stehen verschiedene Konzentrationen der Mistelpräparate zur Verfügung. Serie 0: 0,01 mg, 0,1 mg, 1 mg; Serie I: 0,1 mg, 1 mg, 10 mg und Serie II: 1 mg, 10 mg, 20 mg. In der Einleitungsphase sollte mit einschleichender Dosierung 0 begonnen werden. Wird Serie 0 gut vertragen, kann bis zum Erreichen der individuellen Reaktionsdosis des Patienten auf Serie I, eventuell II gesteigert werden. Lokalreaktionen der Haut geben Aufschluss über die Verträglichkeit und Dosis. Lokalreaktionen bis 5 cm sind typisch, bei größeren Rötungen der Haut sollte die Dosis reduziert werden. Für die Behandlung von Mamma- und Prostatakarzinom- Patienten wurde im Januar 2017 das Mistelpräparat BREMISTAL® Mundipharma zugelassen. BREMISTAL® M (Apfelbaummistel) wurde vor allem bei prämenopausalen Patientinnen mit Mammakarzinom empfohlen, BREMISTAL® P (Kiefernmistel) bei postmenopausalen Patientinnen und BREMISTAL® Qu (Eichenmistel) bei Prostatakarzinom-Patienten.

Die Komplementärmedizin wird meist von der Krankenkasse getragen, die Verfügbarkeiten in den Kliniken ist jedoch sehr verschieden, aber auch Zusatztherapien außerhalb der Klinik werden zu 80% von den Krankenkassen bezuschusst. Bei Fatigue sollte der Arzt ein Privatrezept für die Misteltherapie erstellen, aufgrund von Einschränkungen der Lebensqualität während beziehungsweise nach einer Tumortherapie. Aber hier hängt die Erstattung von den individuellen Satzleistungen der Krankenkassen ab.

jp

Quelle: Symposium „Komplementäre und Supportive Therapien beim Mammakarzinom“ im Rahmen der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), 30.06.17, Berlin; Veranstalter Mundipharma

Literatur:

(1) Fasching PA et al. Supportiv Care Cancer 2007;15:1277-1284.
(2) Münstedt K et al. DMW125, 2000, 1222-1226.
(3) Tröger W et al. Breast Cancer (Auckl.) 2009;3:35-45.
(4) Kienle GS et al. J Exp Clin Cancer Res 2009;28:79.


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