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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
28. Juni 2013

Klinisches Therapiemanagement

Seit der ABC1 (Advanced Breast Cancer First Consensus)-Konferenz in Lissabon im November 2011 gibt es erstmals einen internationalen Konsens zur Therapie des metastasierten Mammakarzinoms. Die Chemotherapie gilt als Therapie der ersten Wahl bei Versagen einer endokrinen Therapie, bei triple-negativen Mammakarzinomen, in Kombination mit einer zielgerichteten Therapie oder bei hohem Remissionsdruck. Wegen des günstigeren therapeutischen Indexes einer Monochemotherapie ist diese einer Polychemotherapie vorzuziehen. Dank interdisziplinärer Zusammenarbeit und individueller Behandlungsplanung und nicht zuletzt neuer innovativer Medikamente, ist es möglich, auch im metastasierten Stadium beachtliche Erfolge zu erzielen bei guter Lebensqualität.

Die Nanotechnologie ist eine von mehreren Strategien, die Wirksamkeit einer Substanz zu erhöhen und deren Toxizität zu vermindern. Die erste klinisch anwendbare, durch Nanotechnologie veränderte Substanz war nab-Paclitaxel. Die nab(nanoparticle albumin-bound)-Technologie ermöglicht es, nab-Paclitaxel höher zu dosieren, ohne mehr Nebenwirkungen zu induzieren.

Prof. Stefan Glück aus Miami/USA, konnte mit nab-Paclitaxel in den USA umfangreiche klinische Erfahrungen sammeln. Er setzt nab-Paclitaxel vorwiegend in der wöchentlichen Dosierung ein. Diese hatte sich in der Dosierung von 150 mg/m2 dem Docetaxel als überlegen erwiesen (PFS: 14,6 vs. 7,8 Monate; p=0,012; OS: 33,8 vs. 26,6; HR=0,688; n.s.) (1).

Prof. Glück empfiehlt für Patientinnen mit gutem Allgemeinzustand als Anfangsdosis 150 mg/m2 (d1,8,15 q4w) einzusetzen und falls erforderlich, die Dosis nach 1-2 Zyklen auf 125 mg/m2 zu reduzieren. Die Dosisreduktion ist nicht mit einem Effektivitätsverlust verbunden, versicherte Prof. Glück. In der CA024-Studie (1) waren die Überlebenskurven der Patientinnen, bei denen die 150-mg-Dosis von nab-Paclitaxel reduziert werden musste, und bei denen sie nicht reduziert werden musste, vergleichbar (2). Glück erklärte dies damit, dass Patientinnen, bei denen die Dosis reduziert wurde, mehr Zyklen erhalten konnten - im Median 10 Zyklen im Vergleich zu 8 Zyklen bei jenen ohne Dosisreduktion. Die kumulative Gesamtdosis war somit in beiden Gruppen in etwa vergleichbar.

Kombinationen von nab-Paclitaxel mit anderen Zytostatika und zielgerichteten Substanzen sind vielversprechend. Die Dreifach-Kombination aus nab-Paclitaxel, Gemcitabin und Bevacizumab erzielte in einer multizentrischen, open-label Phase-II-Studie bei HER2-negativen Patientinnen Remissionsraten von über 75% (27,6% komplette, 48,3% partielle Remissionen), die Krankheitskontrollrate betrug 93,1%. Das für Glück Bemerkenswerte daran war, dass die Hormonrezeptor-positiven Patientinnen und Patientinnen mit einem triple-negativen Tumor das gleiche Outcome hatten. Die Dreifachkombination wurde an Tag 1 und Tag 15 in einem 4-wöchentlichen Zyklus gegeben. Dieses Schema erwies sich als gut verträglich, Dosisreduktionen waren nicht notwendig.

Anhand einer Kasuistik zeigte Glück die Möglichkeit einer kontinuierlichen Therapie mit nab-Paclitaxel auf. Eine 52-jährige Frau mit triple-negativem metastasierten Mammakarzinom erlangte nach 7 Zyklen Erstlinientherapie mit nab-Paclitaxel, Gemcitabin und Bevacizumab eine komplette Remission. Unter reduzierter Dosis von nab-Paclitaxel und Gemcitabin und gleichbleibender Dosis Bevacizumab konnte diese Therapie mehr als 2 Jahre fortgeführt werden, bei guter Verträglichkeit (3).

Vergleichbar gute Erfahrungen liegen inzwischen in Deutschland vor, wie folgende 3 Kasuistiken zeigen.


Literaturhinweise:
(1) Gradishar WJ, et al. J Clin Oncol 2009; 27:3611-3619.
(2) Gradishar WJ, et al. SABCS 2011; Poster P5-19-03.
(3) Montero A, et al. Case Rep Oncol. 2012;5(3):687-692.


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