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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. November 2020 Follikuläres Lymphom: Lang anhaltender Wirksamkeitsvorteil mit Obinutuzumab

Der glykomodifizierte Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab (Gazyvaro®) ist ein zentraler Kombinationspartner in der Therapie des follikulären Lymphoms (FL) sowie der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL). Die zahlreichen Kombinationen ermöglichen eine auf den einzelnen Patienten, seine Präferenzen und das individuelle Krankheitsbild abgestimmte und damit personalisierte Therapie, die insbesondere bei FL-Patienten mit höherem Risiko große Vorteile bringt und vielen von ihnen eine normale Lebenserwartung mit nur einer Behandlung ermöglicht.
Studien zum FL mit langen Nachbeobachtungszeiten, v.a. die Phase-III-Studie GALLIUM, zeigen die Zuverlässigkeit moderner Chemoimmuntherapie-Regimes mit Obinutuzumab sowohl beim progressionsfreien Überleben (PFS) als auch bei der therapiefreien Zeit, einem für die Patienten sehr wichtigen Parameter. Der glykomodifizierte Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab bietet manchen Patienten damit die Chance, nur eine Therapie im Leben erhalten zu müssen. Insbesondere profitieren davon Patienten mit ungünstigem Risikoprofil (FLIPI ≥ 2) – und das ist die Mehrzahl aller Patienten mit FL.

GALLIUM-Studie

Bereits in der ersten Analyse der GALLIUM-Studie zeigte sich die Überlegenheit der Chemoimmuntherapie mit Obinutuzumab im Vergleich zu einer Chemoimmuntherapie mit Rituximab (MabThera®) bezüglich des PFS (1). Aktuelle 5-Jahres-Daten aus der GALLIUM-Studie, die bei der virtuellen Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) diesen Sommer präsentiert wurden (2), zeigen anhaltende klinisch relevante Vorteile der Therapie mit Obinutuzumab: Nach einer medianen Beobachtungsdauer von 76,5 Monaten waren zum 5-Jahres-Zeitpunkt im Obinutuzumab-Arm noch 70,5% der Patienten progressionsfrei am Leben, im Rituximab-Arm nur 63,2%, entsprechend einer Risikoreduktion um 24% (HR=0,76; 95%-KI: 0,62-0,92; p=0,0043). Ganz ähnlich waren die Ergebnisse bezüglich der Zeit bis zur nächsten antileukämischen Therapie mit 5-Jahres-Raten von 79,7% vs. 72,9% (HR=0,72; 95%-KI: 0,57-0,90; p=0,0039).

FLIP-Index

Die Vorteile der Behandlung mit Obinutuzumab zeigen sich besonders bei Patienten mit einem größeren Risiko: Mit dem Follicular Lymphoma International Prognostic Index (FLIPI) lassen sich Patienten mit FL anhand von 5 Risikofaktoren in 3 Gruppen unterteilen: Ein FLIP-Index von ≥ 2 bedeutet eine intermediäre oder ungünstige Prognose mit 10-Jahres-Überlebensraten von höchstens 51% (3); in diese Subgruppe fällt die Mehrzahl der Patienten mit FL. Bei der International Conference on Malignant Lymphoma (ICML) 2019 in Lugano wurde anhand einer Subgruppenanalyse der GALLIUM-Daten demonstriert, dass gerade diese Patienten besonders vom Einsatz von Obinutuzumab anstelle von Rituximab profitieren (4) – mit progressionsfreien 4-Jahres-Überlebensraten von 78,2% gegenüber 64,4% unter Rituximab; das bedeutet eine Reduktion des Risikos um 35% (HR=0,65); bei der Zeit bis zur nächsten Therapie waren es sogar 38% (HR=0,62).
 
Eine ungünstige Prognose haben auch Patienten, die früh, d.h. innerhalb von 2 Jahren nach der Therapie, wieder eine Progression aufweisen (POD24; (5)). Auch das Risiko für eine solche frühe Progression kann durch die Wahl von Obinutuzumab etwa halbiert werden: Sie trat in der GALLIUM-Studie bei 43 Patienten im Obinutuzumab (9,6%) gegenüber 85 Patienten im Kontroll-Arm (18,7%) auf (Abb. 1) (4).
 
Abb. 1: Risiko für frühen Progress bei Patienten mit FLIPI ≥ 2 (modifiziert nach (4)).
Lupe
Risiko für frühen Progress
 

Chance auf normale Lebenserwartung

Die Chemoimmuntherapie mit Obinutuzumab bietet Patienten mit FL eine Chance auf eine annähernd normale Lebenserwartung – und das mit unter Umständen nur einer einzigen Therapie. Die Daten zum FLIP-Index sind dabei von besonderer Bedeutung, was sich auch darin äußert, dass sie in der aktuellen Version der Onkopedia-Leitlinie besonders hervorgehoben werden (6).
 
 
Mit freundlicher Unterstützung von Roche

Josef Gulden

Literatur:

(1) Marcus R et al. Obinutuzumab for the First-Line Treatment of Follicular Lymphoma. N Engl J Med 2017; 377: 1331-44.
(2) Townsend W et al. Sustained clinical benefit of Obinutuzumab plus chemotherapy versus rituximab plus chemotherapy in patients with previously untreated follicular lymphoma: Updated results from the GALLIUM study. EHA 2020, Abstract #EP1170.
(3) Buske C et al. The Follicular Lymphoma International Prognostic Index (FLIPI) separates high-risk from intermediate- or low-risk patients with advanced-stage follicular lymphoma treated front-line with rituximab and the combination of cyclophosphamide, doxorubicin, vincristine, and prednisone (R-CHOP) with respect to treatment outcome. Blood 2006; 108:1504-8.
(4) Launonen A et al. Clinical outcomes of patients with intermediate-to-high-risk follicular lymphoma (FL) in the GALLIUM phase III study. Hematol Oncol 2019; 37 (Suppl 2): 386-7 (ICML 2019, Abstract #342).
(5) Casulo C et al. Early relapse of follicular lymphoma after rituximab plus cyclophosphamide, doxorubicin, vincristine, and prednisone defines patients at high risk for death: An analysis from the National LymphoCare Study. J Clin Oncol 2015; 33: 2516-22.
(6) Buske C et al. Follikuläres Lymphom (https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/follikulaeres-lymphom/@@guideline/html/index.html#ID0EVEAE).


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