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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

19. August 2005 Neue Brustkrebs-Studie: CASA mit zielgerichtetem Fokus auf die beste Therapie für ältere Frauen

Etwa die Hälfte aller Patientinnen mit Mammakarzinom ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung 65 Jahre oder älter. Liegt die Brustkrebsinzidenz bei Frauen unter 40 Jahren bei 1:225, steigt sie in der Altersgruppe der 40- bis 59jährigen auf 1:24 und bei den 60- bis 79jährigen auf 1:14. Trotz dieser alarmierenden Zahlen sind Frauen dieser Altergruppe in klinischen Studien bisher noch unterrepräsentiert und erfahren möglicherweise nur eine suboptimale Therapie. Diesem Umstand soll jetzt abgeholfen werden: Mit der CASA (Chemotherapy Adjuvant Studies for Women at Advanced Age) –Studie wurde eine Untersuchung gestartet, die sich speziell den Belangen dieser Frauen widmet. Über die Ziele dieser Studie der International Breast Cancer Study Group (IBCSG) unter weltweiter Beteiligung der Breast International Group (BIG) gibt Privatdozent Dr. Hans-Joachim Lück, Koordinator des Brustzentrums der medizinischen Hochschule Hannover Auskunft.
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Wie schätzen Sie die Behandlungssituation bei älteren Frauen momentan ein?
Ältere Patientinnen sind in klinischen Studien, der heute gültigen Grundlage für begründete Therapieentscheidungen, leider noch vielfach unterrepräsentiert. Bis vor kurzem galt das Alter von 60 oder 65 Jahren in klinischen Studien sogar als Ausschlusskriterium. Der Mangel an ausreichenden Erfahrungen und Daten für eine angemessene, fundierte und rationale Therapie und die Annahme, ein Mammakarzinom bei einer älteren Frau könnte weniger aggressiv verlaufen als bei einer jüngeren, haben zur Folge, dass vielen älteren Patientinnen die notwendige Standardtherapie vorenthalten wird und sie nur eine suboptimale Therapie erhalten. Unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung wird heute viel zu wenig beachtet, dass eine 70jährige heute noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren hat.

Gibt es denn Besonderheiten bei älteren Frauen zu beachten?
Bezüglich der Intensität der anzuwendenden Therapie ist zu berücksichtigen, dass bei älteren und hoch betagten Patientinnen Begleiterkrankungen wie kardiologische Probleme und geriatrische Syndrome von zusätzlicher Bedeutung sein können. Es ist daher weniger das kalendarische Alter als vielmehr der funktionelle Status, die physische und psychische Leistungsfähigkeit, die bei der Entscheidungsfindung für therapeutische Maßnahmen ausschlaggebend ist.

Was ist das Besondere an der geplanten CASA-Studie?
Diese Studie bezieht ausschließlich das bisher vernachlässigte Klientel in die Untersuchung ein, nämlich ältere Frauen im Alter mit hormonrezeptornegativem Brustkrebs im Frühstadium. Für diese adjuvante Studie werden fast 1296 Frauen im Alter von mindestens 66 Jahren rekrutiert, die als nicht responsiv auf Hormonbehandlungen klassifiziert sind. Die Behandlungsprogramme im Rahmen der Studie werden 16 Wochen dauern. Diese internationale und multizentrische Studie ist in zwei Studienarme geteilt, in denen jeweils zwei Therapieoptionen gegeneinander getestet werden. Im ersten Arm der Studie wird untersucht, ob pegyliertes liposomales Doxorubicin als Monotherapie besser ist als keine Therapie. Es wird dazu eine Behandlung mit 20 mg des pegylierten liposomalen Anthrazyklins (Caelyx) im 2-Wochen-Zyklus durchgeführt. Im zweiten Therapiearm wird neben einer reiner Beobachtung eine chronometrische adjuvante Therapie mit kontinuierlich niedrig dosiertem Cyclophosphamid und niedrig dosiertem, intermittierendem Methotrexat eingesetzt und beide Gruppen gegen Caelyx verglichen. Die Zuordnung zu den jeweiligen Gruppen erfolgt nach Präferenz der Ärzte und/oder der Patientinnen. Der primäre Endpunkt der Studie ist das Brustkrebs-rezidivfreie Überleben. Darüber hinaus wird die Verträglichkeit, Gesamtüberleben und das krankheitsfreie Überleben untersucht.

Wieso wurden diese Therapieregimes ausgewählt?
Da ältere Patientinnen häufig unter Komorbiditäten leiden, muss bei ihnen eine nebenwirkungsarme Therapie im Vordergrund stehen. Caelyx ist uns bereits aus vielen anderen Studien beim Mammakarzinom für sein günstiges Nebenwirkungsprofil sowie die gute Effektivität bekannt. Insbesondere die nachgewiesene geringe Kardiotoxizität prädestinierte die Substanz geradezu für eine solche Studie. Die niedrigdosierte Cyclophosphamid-Methotrexat-Kombination wurde ausgewählt, da auch sie eine geringere Toxizität als andere bei der Behandlung von Brustkrebs verwendeten zusätzlichen Chemotherapie-Regimens aufweist und über einen nachgewiesenen Effekt beim Mammakarzinom verfügt. Der direkte Vergleich der beiden Chemotherapien wird uns ebenfalls zeigen, welche Option in welcher Situation angemessen und effektiv ist. Die Wahl der verschiedenen Substanzen sowie die Option keine Behandlung in einem Studienarm spiegelt gut die Bedingungen der täglichen Praxis wieder und geht zudem auf die besondere Situation bei älteren Frauen ein.

Was versprechen Sie sich von den Resultaten dieser Studie?
Bei positivem Ausgang der Studie hoffe ich, dass wir endlich auch den älteren Brustkrebs-Patientinnen eine studiengeprüfte, nebenwirkungsarme und trotzdem effektive Behandlungsoption in der Adjuvanz anbieten können. Das könnte ein entscheidender Durchbruch in Richtung einer besseren Therapie bei älteren Patientinnen sein, die wir auf Grund der Bevölkerungsstruktur in Deutschland in Zukunft in unseren Praxen noch häufiger als jetzt schon sehen werden.
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