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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

19. August 2005 Lymphome: Chemo- plus Antikörpertherapie steigern Heilungschancen

Die Therapie maligner Lymphome ist in den vergangenen Jahren einen großen Schritt vorangekommen. Dank neuer Strategien, bei denen die Chemotherapie mit der Applikation monoklonaler Antikörper kombiniert wird, ist es bei den meisten malignen Lymphomen gelungen, die krankheitsfreie Zeit und das Überleben deutlich zu verlängern. Auch beim Morbus Hodgkin sind mittlerweile Heilungsraten von mehr als 90% zu realisieren.
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Diese erfreuliche Entwicklung ist nicht zuletzt dem Kompetenznetz „Maligne Lymphome“ (KML) zu verdanken, in dem sich 1999 die größten Studiengruppen aus dem deutschen Sprachraum zusammengefunden haben. Diese Studiengruppen bieten ihr Wissen und ihre Resultate zum einen den betroffenen Patienten und zum anderen dem im KML zusammengeschlossenen Ärzten an. Etwa durch ein gemeinsames Dokumentationsprojekt aller Studiengruppen sorgt das KML dafür, „dass auch in Zukunft die Untersuchungen zur Verbesserung der Behandlung von Lymphdrüsenkrebs auf international höchstem Niveau im deutschen Sprachraum stattfinden können“, erläuterte der Kölner Onkologe Professor Michael Hallek in seiner Funktion als KML-Sprecher.
Maligne Lymphome sind die am schnellsten zunehmenden Tumorleiden überhaupt. Warum das so ist, steht noch dahin. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 12.500 Frauen und Männer an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und rund 1800 an einem Hodgkin-Lymphom. Die Symptomatik der Lymphome ist unspezifisch. Über Wochen persistierende Schwellungen der Halslymphknoten sollten aber den Verdacht wecken, mahnte Hallek. Beim Morbus Hodgkin beträgt die Fünfjahres-Überlebensrate je nach Stadium 85 bis 95%. Beim aggressiven NHL liegt ohne Therapie die Lebenserwartung unter einem Jahr. Das indolente NHL beginnt meist beschwerdearm und schreitet langsam fort. Die Lebenserwartung schwankt zwischen 7 und 10 Jahren.

„Der wesentlichste Fortschritt der letzten fünf Jahre“
In der klassischen Therapie von NHL und M. Hodgkin wird am häufigsten das CHOP-Schema zur Chemotherapie eingesetzt. Neuere Optionen bei NHL bietet die Immuntherapie mit monoklonalen Antikörpern wie Rituximab und Interferonen. Bei Lymphomen im sehr frühen experimentellen Stadium sind Therapieversuche mit Impfstoffen und zuweilen auch gentherapeutischen Ansätzen zu erwägen.
Wird beim aggressiven NHL das Intervall des CHOP-Schemas von drei auf zwei Wochen verkürzt, lässt sich der Anteil der geheilten Patienten nach fünf Jahren von 43 auf 56% und damit deutlich anheben. Einen weiteren, und zwar substanziellen Therapiegewinn brachte die Kombination der Chemotherapie mit Rituximab (MabThera®). Dadurch wurde der Anteil der geheilten Patienten um knapp die Hälfte gesteigert. Nach drei Jahren waren dank der Kombinationstherapie 52% krankheitsfrei gegenüber 30% unter ausschließlicher Chemotherapie. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von zwei Jahren waren dank der zusätzlichen Antikörpertherapie mit Rituximab durchschnittlich 95% der Patienten am Leben gegenüber 85% mit alleiniger Chemotherapie.
Beim indolenten NHL bewirkte der monoklonale Antikörper in der First-Line-Therapie eine Erhöhung der Ansprechrate um 40%. Rituximab wird gegen alle Lymphomarten eingesetzt und steigert die Rate der Geheilten um etwa die Hälfte. „Die herausragende Wirksamkeit der Kombination der Chemotherapie mit Rituximab ist der wesentlichste Fortschritt der letzten 5 Jahre“, konstatierte Hallek mit Nachdruck. Auch in den fortgeschrittenen Stadien des M. Hodgkin ließ sich die Heilungsrate deutlich verbessern, nachdem die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe die BEACOPP-Chemotherapie mit sieben Substanzen etabliert hatte

Bei den Kassen Druck machen
Obwohl maligne Lymphome zu den häufigsten Krebsleiden in Deutschland gehören, sind die meisten Betroffenen über diese Erkrankungen und die mittlerweile ausgefeilten Behandlungsmöglichkeiten nicht aufgeklärt. Nicht zuletzt deshalb wurde vor 10 Jahren die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. (DLH) gegründet, die die Interessen der Patienten vertritt. Nach dem Verständnis der DLH-Vorsitzenden Anita Waldmann, Bonn, stellt die Selbsthilfegruppe eine Brücke dar zwischen den Patienten einerseits sowie den Leistungserbringern und Kostenträgern andererseits. Gar nicht so selten kommt es heutzutage vor, dass GKV-Patienten auf Druck der Kassen innovative therapeutische Optionen vorenthalten werden sollen. Gegen ein derart unethisches Ansinnen hat sich laut Hallek jeder Hämato-Onkologe mit Vehemenz zu wehren. Der gezielte Verweis auf die Selbsthilfegruppe kann dabei oft Wunder wirken.

kbf

Quelle: Pressekonferenz zum Start der Informationskampagne „Setzen Sie ein Handzeichen gegen Krebs“, Bonn, 20. Juni 2005; Veranstalter: Kompetenznetz „Maligne Lymphome“ (KML), Hoffmann-La Roche AG.


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