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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. November 2019 Langzeitdaten bestätigen erneut Bioäquivalenz des Trastuzumab-Biosimilars Ogivri®

Mit dem biosimilaren Trastuzumab Ogivri® der Firma Mylan steht das erste Biosimilar von Trastuzumab mit sowohl EMA- als auch FDA-Zulassung zur Verfügung. Basis für die Zulassung sind u.a. die Ergebnisse der Phase-III-Studie HERITAGE (1), die den von den Zulassungsbehörden geforderten Nachweis der Gleichwertigkeit des biosimilaren Trastuzumabs gegenüber dem Original-Trastuzumab erbrachte. Die kürzlich veröffentlichten 36-Monatsdaten (2) bestätigen ein vergleichbar langes medianes Gesamtüberleben sowie eine vergleichbar gute Langzeitsicherheit des biosimilaren Trastuzumabs und des Originals beim metastasierten HER2-positiven Mammakarzinom. In Indien ist Mylans Trastuzumab bereits seit fast 5 Jahren zugelassen, wodurch mehr Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs behandelt werden konnten (3).
HERITAGE ist eine multizentrische, doppelblinde Phase-III-Studie, die die Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil des biosimilaren Trastuzumabs vs. Original-Trastuzumab jeweils als Erstlinientherapie bei Frauen mit metastasiertem HER2-positiven Mammakarzinom prüfte. 500 Patientinnen mit lokal rezidiviertem oder metastasiertem HER2-positiven Mammakarzinom, für die keine Operation und/oder Strahlentherapie in Frage kam, wurden 1:1 randomisiert und bekamen eine Taxan-basierte Chemotherapie entweder in Kombination mit dem biosimilaren Trastuzumab oder dem Original-Trastuzumab. Nach 24 Wochen Kombinationstherapie erhielten Patientinnen mit Tumoransprechen oder Krankheitsstabilisierung (n=343) eine Monotherapie mit dem Biosimilar (n=179) oder dem Original (n=164). 128 Patientinnen beendeten die Monotherapie vorzeitig, davon 63 Patientinnen in der Biosimilar- und 65 Patientinnen in der Referenz-Gruppe. Die mediane Zeit bis zum Abbruch der Monotherapie war in beiden Gruppen 19 Monate. Die Gesamtansprechrate nach 24 Wochen (primärer Endpunkt) betrug 69,6% mit dem biosimilaren Trastuzumab und 64% mit dem Original-Trastuzumab (HR=1,09; 95%-KI: 0,954-1,237). Die Verträglichkeit war in beiden Gruppen ebenfalls vergleichbar.


Gesamtüberleben und Langzeitsicherheit

Auf dem ASCO 2019 wurden die 36-Monatsdaten zum Gesamtüberleben und der Langzeitverträglichkeit vorgestellt (2). Nach einem Follow-up von 36 Monaten waren in der Intent-to-treat-Population der HERITAGE-Studie 223 Patienten verstorben; 109 im Trastuzumab-Biosimilar-Arm und 114 im Referenz-Arm. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 35,0 Monaten bei den Patientinnen, die mit dem Trastuzumab-Biosimilar behandelt wurden, vs. 30,2 Monaten bei mit dem Referenz-Trastuzumab behandelten Patientinnen und unterschied sich in beiden Gruppen nicht signifikant (unstrat. HR=0,90; 95%-KI: 0,69-1,17) (Abb. 1). Das mediane progressionsfreie Überleben in beiden Gruppen betrug 11,1 Monate (unstrat. HR=0,98; 95%-KI: 0,78-1,24) und die mediane Ansprechdauer 9,9 Monate bzw. 9,8 Monate.

Die Inzidenz schwerwiegender therapiespezifischer unerwünschter Ereignisse (AEs) unter Monotherapie mit biosimilarem Trastuzumab oder Original-Trastuzumab waren mit jeweils ca. 6% vergleichbar. Die kumulativen Raten therapiespezifischer AEs unter Kombinations- und Monotherapie mit biosimilarem Trastuzumab oder Original-Trastuzumab bezüglich Hypersensitivitätsreaktionen, respiratorischer und kardialer Ereignisse waren ebenfalls vergleichbar häufig (23%, 16% und 5% vs. 24%, 13% und 5%). Die Rate an reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion (LVEF < 50%) war insgesamt niedrig und ohne statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Die Ergebnisse sind somit konsistent mit der primären Analyse und bestätigen die Äquivalenz hinsichtlich Sicherheitsprofil und Effektivität des biosimilaren Trastuzumab und des Originals.

 
Dr. Nitesh Rohatgi, Onkologe und stellvertretender Direktor am Max Super Speciality Hospital, Neu-Delhi, Indien
Dr. Nitesh Rohatgi,
Onkologe und stellvertretender Direktor
am Max Super Speciality Hospital,
Neu-Delhi, Indien
Praxiserfahrungen aus Indien (3)

Mit dem kostengünstigeren biosimilaren Trastuzumab können insbesondere in Ländern mit einem aus Kostengründen eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung mehr Patienten erfolgreich behandelt werden. Mylans Trastuzumab war das erste zugelassene Trastuzumab-Biosimilar in Indien, wo es inzwischen seit fast 5 Jahren zur Behandlung des metastasierten und frühen Mammakarzinoms eingesetzt wird.

„Mit dem Trastuzumab-Biosimilar von Mylan habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht“, betonte Dr. Nitesh Rohatgi vom Max Super Speciality Hospital in Neu-Delhi, Indien. „Ein Biosimilar darf nicht leichtfertig eingesetzt werden, sondern seine Qualität muss von aussagekräftigen Daten gestützt werden“, sagte Dr. Rohatgi. Diese Daten lieferte die Phase-III-Studie HERITAGE, welche die Äquivalenz des biosimilaren Trastuzumabs und des Originals bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs untersuchte und bestätigte.


Biosimilares Trastuzumab beim frühen Mammakarzinom (3)

Da der Wirkstoff Trastuzumab seinen Nutzen in mehreren Studien beweisen konnte und einen wichtigen Baustein in der Behandlung von metastasiertem und frühem Brustkrebs bildet, gibt es nach Aussage von Dr. Rohatgi keinen Grund, Wirksamkeit und Sicherheitsprofil des biosimilaren Trastuzumabs in der Behandlung im frühen Setting in Frage zu stellen. „Dies zu tun, würde einen Mangel an Kenntnis über biologische Arzneimittel aufzeigen“, erklärt Dr. Rohatgi das Prinzip der Extrapolation bei der Anwendung des biosimilaren Trastuzumabs. Er und seine Kollegen haben bislang zahlreiche Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium mit dem biosimilaren Tratuzumab behandelt. „Die Erfahrungen waren bisher außerordentlich gut“, bestätigte Dr. Rohatgi. Es gab laut ihm Situationen, in denen für Patienten mit frühem und hochaggressivem HER2-positiven Mammakarzinom das Biosimilar die einzige Möglichkeit war, die Therapie über einen Zeitraum von einem Jahr durchzuführen. Nur dadurch konnten die Kosten von der Versicherung übernommen werden. Insbesondere in den letzten 3 Jahren hat in Indien der Einsatz des Biosimilars bei Patientinnen in allen Mammakarzinom-Stadien kontinuierlich zugenommen. Dr. Rohatgi: „Wir haben dabei weder ausgeprägte allergische Reaktionen noch eine erhöhte Toxizität feststellen können.“
 
Abb. 1: Gesamtüberleben in der Intention-to-treat-Population nach einem Follow-up von 36 Monaten (mod. nach (2)).
Abb. 1: Gesamtüberleben in der Intention-to-treat-Population nach einem Follow-up von 36 Monaten (mod. nach (2)).


Kostenreduktion ermöglicht mehr Patienten Zugang zur Behandlung (3)

Der begrenzte Deckungsbetrag der Versicherungen in Indien stellt ein Problem dar, das den Patienten die nötige Behandlung mit dem Referenzprodukt oft verwehrt. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Überlebenschance und die Lebensqualität haben. Dr. Rohatgi berichtete von einer seiner Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs, die als eine der ersten mit dem biosimilaren Trastuzumab behandelt werden konnte und bereits 4 Jahre mit ihrer Erkrankung überlebt hat. „Sie hätte sich definitiv nicht mehr als 6 Monate Trastuzumab leisten können, was bedeutet hätte, dass der Krebs sich währenddessen vermutlich weiter ausgebreitet hätte.“ Aufgrund des günstigeren Preises merkte der Onkologe an: „Die Verfügbarkeit wird steigen und somit auch die Anzahl an behandelten Patienten.“ In einer durch Kosten eingeschränkten Gesellschaft können mehr Patienten mit dem Geld, das durch die Verwendung von Biosimilars anstelle des Original-Trastuzumabs gespart wird, geheilt oder behandelt werden.

Jedes Biosimilar, das Dr. Rohatgi und seine Kollegen im Krankenhaus anwenden, wird vorher auf Parameter wie u.a. die Immunogenität, Pharmakokinetik und Daten von klinischen Studien geprüft. Das Ergebnis wird dem Ausschuss der pharmazeutischen Abteilung und der Onkologie vorgelegt, bevor das Biosimilar zum Einsatz kommt. Weitere Daten werden zeigen, ob es statistische Unterschiede gibt, insbesondere Daten aus Ländern wie Indien, in denen das Trastuzumab-Biosimilar schon länger erfolgreich eingesetzt wird.


Mit freundlicher Unterstützung der Mylan Germany GmbH, Zweigniederlassung Bad Homburg

Den Ogivri®-Pflichttext finden Sie auf Seite 55/56.

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Literatur:

(1) Rugo HS et al. JAMA 2017;317(1):37-47.
(2) Waller CF et al. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 1021).
(3) Dokumentiertes und rückbestätigtes Interview mit Dr. Rohatgi am 21.08.2019.


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