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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

17. Oktober 2020 Krebsimmuntherapie beim fortgeschrittenen Lungenkarzinom Individuelle Therapieoptionen für eine bestmögliche Behandlung

Die Behandlung des Lungenkarzinoms hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. So bieten Krebsimmuntherapien vielversprechende Therapieoptionen für Betroffene beispielsweise mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Zeitgleich ermöglichen Krebsimmuntherapeutika eine immer weiter auf den Patienten individualisierte Behandlung.
Bis heute ist Lungenkrebs eine der häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen weltweit. Krebsimmuntherapien wie Atezolizumab (Tecentriq®▼) ermöglichen es, dass patientenindividuelle Aspekte in die Therapieentscheidung einbezogen werden. So wird der PD-L1 (Programmed Death-Ligand 1)-Inhibitor bei verschiedenen Subgruppen in unterschiedlichen Kombinationen eingesetzt und hat sich im klinischen Alltag beim NSCLC mit nicht-plattenepithelialer Histologie als wirksamer Kombinationspartner etabliert: Atezolizumab + Bevacizumab (Avastin®) + Carboplatin/Paclitaxel bzw. Atezolizumab + Carboplatin/nab-Paclitaxel mit Chemotherapie-freier Erhaltungstherapie, sind dabei zwei Kombinationen, die bei unterschiedlichen Patientenkollektiven eingesetzt werden (1).
 
Die Kombination Atezolizumab + Bevacizumab + Chemotherapie (Carboplatin/Paclitaxel) wurde in der Phase-III-Studie IMpower150 validiert (2, 3) und hat eine wichtige therapeutische Lücke geschlossen, speziell bei Hochrisiko-Patienten mit hoher Tumorlast, wozu u.a. Betroffene mit Lebermetastasen zählen:
 
• Das Sterberisiko der Patienten mit Lebermetastasen wurde durch die First-Line-Behandlung mit Atezolizumab + Bevacizumab + Chemotherapie fast halbiert im Vergleich zum Kontroll-Arm mit Bevacizumab/Chemotherapie. Median überlebten die Patienten bei zusätzlicher Atezolizumab-Gabe 13,3 Monate vs. 9,4 Monate (HR=0,52; 95%-KI: 0,33-0,82) (Abb. 1) (2).
 
Abb. 1: Kaplan-Meier-Kurve zum OS von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-plattenepithelialen NSCLC und Lebermetastasen (mod. nach (2)).
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Kaplan-Meier-Kurve

 
• Die Subgruppe der Patienten mit aktivierender EGFR (epidermal growth-factor-receptor)-Mutation (Del19 und L858R) nach Versagen einer vorherigen zielgerichteten Therapie, profitierte sogar mit einem um 61% reduzierten Sterberisiko (HR=0,39; 95%-KI: 0,14-1,07) (2).
 
• Aktuelle Daten einer explorativen Analyse zeigen bei Patienten mit hoher Tumorlast klinisch relevante prognostische Vorteile unter der First-Line-Behandlung mit der Dreierkombination gegenüber Bevacizumab + Chemotherapie allein (3). Die hohe Tumorlast war definiert über die Summe des längsten Durchmessers der Zielläsionen (SLD ≥ 3. Quartil; n=176) bzw. mind. zwei Metastasenlokalisationen (n=400). So wurde u.a. bei Patienten mit Metastasen in mind. zwei Organen durch die zusätzliche Atezolizumab-Gabe das mediane Gesamtüberleben (mOS) von 12,5 Monate auf 17,6 Monate gesteigert (HR=0,72; 95%-KI: 0,58-0,90) bei gleichzeitig höherer objektiver Ansprechrate (ORR: 57% vs. 40%) (3).
 
„Wir haben mittlerweile so viele therapeutische Möglichkeiten, dass wir sehr Patienten-individuell entscheiden können.
Bei Patienten mit NSCLC und Lebermetastasen beispielsweise ist eine Kombinationstherapie mit Atezolizumab + Bevacizumab + Chemotherapie eine wirksame Option, an die wir dann natürlich denken.“
Dr. med. Sylvia Gütz, Leitung des Lungenkrebszentrums am Evangelischen Diakonissen-Krankenhaus, Leipzig


Therapiesteuerung für Patienten mit Komorbiditäten

Einen wichtigen Beitrag zur individuellen Therapiesteuerung leistet auch die IMpower130-Studie (4). Hier profitierten Patienten mit metastasiertem NSCLC, bei denen weder eine EGFR- noch eine ALK (anaplastische Lymphomkinase)-Mutation vorliegt, von der First-Line-Behandlung mit Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin und nab-Paclitaxel mit einem signifikant längeren mOS gegenüber der alleinigen Chemotherapie (18,6 vs. 13,9 Monate; HR=0,79; 95%-KI: 0,64-0,98) (4). Vorteil dieser Kombination ist die wöchentliche Gabe und dass bei nab-Paclitaxel auf eine Steroid-Prämedikation verzichtet werden kann, was älteren und komorbiden Patienten* zugutekommt.

Fazit für den klinischen Alltag

Die Immuntherapie mit Atezolizumab leistet einen wichtigen Beitrag, die Langzeitprognose von Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom durch individuell abgestimmte Therapiekonzepte zu verbessern.
 
 
Fortschritt beim ES-SCLC: Krebsimmuntherapie verbessert sowohl das OS als auch das PFS
Bei Patienten mit ausgedehntem fortgeschrittenen kleinzelligen Lungenkarzinom (ES (extensive-stage)-SCLC) hat sich Atezolizumab in Kombination mit Carboplatin/Etoposid als Standard etabliert (1, 11) und Einzug in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) gehalten (12). In der Studie waren auch Patienten mit ZNS-Metastasen eingeschlossen (11).
„Ich setze Atezolizumab standardmäßig bei all meinen geeigneten ES-SCLC-Patienten ein.
Das Vorhandensein von ZNS-Metastasen macht dabei keinen Unterschied.“
PD Dr. med. Akin Atmaca, Chefarzt Neue Klinik für Thoraxonkologie am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt a. M.
 
Atezolizumab in Kombination mit dem bisherigen Standard ist die einzige Krebsimmuntherapie, die eine signifikante Verbesserung des OS (HR=0,76; 95%-KI: 0,60-0,95) und des progressionsfreien Überlebens (PFS, HR=0,77; 95%-KI: 0,62-0,96) bei ES-SCLC-Patienten in der First-Line-Behandlung zeigt (Abb. 2) (10, 13). Daher wird Atezolizumab in dieser Indikation bei einem breiten Patientenkollektiv, inklusive Patienten mit ZNS-Metastasen erfolgreich eingesetzt. Nach Jahren der therapeutischen Stagnation ist es mit Atezolizumab damit erstmals gelungen, wieder prognostische Fortschritte beim fortgeschrittenen SCLC zu erzielen.
 
Abb. 2: Update der Langzeitdaten der IMpower133-Studie zum OS von Patienten mit fortgeschrittenem ES-SCLC (Intent-to-treat (ITT)-Population) nach 12 und 18 Monaten (mod. nach (13)). *Der p-Wert wird zu deskriptiven Zwecken angegeben
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Update der Langzeitdaten der IMpower133-Studie


Birgit-Kristin Pohlmann
 
Mit freundlicher Unterstützung der Roche Pharma AG
 
 
▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234).
 
*vgl. Erfahrungen mit dem Chemotherapie-Backbone Platin/nab-Paclitaxel, der sich aufgrund des Verträglichkeitsprofils, der flexiblen Therapiesteuerung aufgrund der wöchentlichen Gabe sowie der hepatischen Elimination von nab-Paclitaxel für ältere/komorbide Patienten, speziell jene mit Nierenfunktionsstörung, besonders eignet. Diese Patientengruppe wurde in der IMpower130-Studie nicht separat ausgewertet (4-10).

 

Literatur:

(1) Fachinformation Tecentriq®, aktueller Stand.
(2) Reck M et al. Lancet Respir Med 2019;7:387-401.
(3) Jotte RM et al. J Clin Oncol 2020;38:(Suppl):e21637.
(4) West H et al. Lancet Oncol 2019;20:924-37.
(5) Capuzzo F et al. ESMO 2018, Abstract LBA53.
(6) Langer CJ et al. Clin Lung Cancer 2015;16(2):112-20.
(7) Cenik BK et al. Lung Cancer 2013;80(3):326-32.
(8) Socinski MA et al. J Clin Oncol 2012;30(17):2055-62.
(9) Socinski MA et al. Ann Oncol 2013;24:314-32.
(10) Fachinformation Abraxane®, Stand Juli 2018.
(11) Horn L et al. N Engl J Med 2018;379:2220-9.
(12) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-kleinzellig-sclc/@@guideline/html/index.html
(13) Reck M et al. Oncol Res Treat 2020;43(Suppl 1):233; 886.


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