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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. Januar 2019
Seite 2/2

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Auf dem ESMO Meeting 2018 wurden dann die Ergebnisse der randomisierten Phase-III-Studie Keynote-048 vorgestellt, in der das Extreme-Protokoll gegen eine Monotherapie mit Pembrolizumab bzw. eine Kombination von Pembrolizumab mit Chemotherapie in der Erstlinientherapie bei Patienten mit rezidiviertem Plattenepithelkarzinom verglichen wurde. Hier hat sich gezeigt, dass bei Patienten, die PD-L1 hoch exprimieren (TPS > 25%), Pembrolizumab im Vergleich zu der Standardchemotherapie in der Erstlinienbehandlung eines metastasierten Kopf-Hals-Tumors zur OS-Verbesserung bei diesen Patienten führt. Basierend auf diesen Daten wäre Pembrolizumab in Zukunft der neue Standard in der Erstlinientherapie dieser Patienten.
 
Die CheckMate-151-Studie, die in der gleichen Indikation eine Kombination von Nivolumab + Ipilimumab gegen das Extreme-Protokoll verglich, hat vor kurzem zu Ende rekrutiert und die Daten dieser Studie stehen noch aus. Neben Pembrolizumab und Nivolumab zeigen auch andere CIs wie Atezolizumab, Avelumab oder Durvalumab, ähnliche Ansprechraten in frühen Phase-I-Studien (3). Diese Antikörper, die PD-L1 blockieren, werden derzeit sowohl in Phase-I/II- als auch in randomisierten Phase-III-Studien in der Erstlinie oder in der Adjuvanz als Monotherapie bzw. in Kombination mit Chemotherapie, anderen CIs, Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) oder Radiatio untersucht. Neben der Evaluation von PD-1- bzw. PD-L1-Inhibitoren laufen derzeit zahlreiche weitere Studien, die andere CIs bzw. T-Zell-stimulierende Moleküle analysieren. Von besonderem Interesse scheint hierbei der Antikörper gegen Lag-3, einem inhibierenden Molekül der T-Zell-Aktivierung, zu sein (7). In sehr frühen Studien mit relativ kleinen Patientenzahlen zeigt sich hier, dass dieser Antikörper eine Wirksamkeit bei Patienten, die auf einen CI rezidiviert waren, hat.
 
Die Einführung von immuntherapeutischen Ansätzen mit CIs bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren hat nicht nur das Spektrum der möglichen Therapieoptionen erweitert, sondern auch zu einer erheblichen Verbesserung der Prognose bei dieser Erkrankung geführt. Neben der erhöhten Wirksamkeit und der besonders langen Remissionsdauer, zeichnen sich diese Substanzen durch eine sehr gute Verträglichkeit aus. Die Rate an Grad-3/4-Toxizitäten liegt zwischen 10 und 20%. Im Gegensatz zu herkömmlichen Nebenwirkungen von Chemotherapeutika bzw. zielgerichteten Therapien sind die Nebenwirkungen durch CIs i.d.R. durch die Aktivierung des Immunsystems ausgelöst und persistieren nach Absetzen der Substanz weiter. Entscheidend ist das frühe Erkennen der Nebenwirkung und das frühzeitige Einsetzen einer Therapie mit Glukokortikoiden.
 
 In Zukunft wird es darum gehen, die Effektivität von CIs zu verbessern, Resistenzmechanismen zu überwinden und prädiktive Biomarker zu identifizieren. Neben der Expression von PD-L1, tumor mutational burden (TMB), Infiltration des Tumors durch T-Zellen, dem Nachweis einer inflammatorischen Genexpressionssignatur (inflamed tumor) oder einer Mikrosatelliteninstabilität (MSI) in den Tumorzellen werden derzeit zahlreiche weitere Parameter, wie z.B. Mutationen im IFN-gamma-Signaltransduktionsweg, Verlust von HLA-Molekülen und die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms diskutiert und analysiert (8).
 
Die Induktion einer Immunantwort gegen maligne Zellen ist ein sehr dynamischer, komplexer und vielschichtiger Prozess, sodass es vermutlich nicht nur einen bestimmten prognostischen Parameter geben kann.
 
Es besteht kein Interessenkonflikt.
 
 
Lesen Sie dazu auch:

„Ernährungstherapie von Patienten mit onkologischen Erkrankungen“ von Prof. Dr. med. Martin Wagner
unter www.med4u.org/14485



 
 
 
Peter Brossart Prof. Dr. med. Peter Brossart
Direktor
 
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Innere Medizin mit den Schwerpunkten Onkologie, Hämatologie, Immunonkologie und Rheumatologie
Vorstandsvorsitzender des CCC CIO Bonn
 
Sigmund-Freud-Str. 25
53127 Bonn





 
ABSTRACT

P. Brossart, Medizinische Klinik und Poliklinik III, Bonn.
 

Head and neck cancer (HNC) is among the six most common carcinomas worldwide. Their incidence is strongly associated with the consumption of alcohol and tobacco. HPV-associated oropharyngeal carcinomas seem to be a distinct entity with a significantly better prognosis. Several ongoing studies are currently analyzing the efficacy of a less intensive therapy in these patients. Regardless the advances made by multimodal therapy concepts in the early stages of head and neck cancer patients, recurrence rate is high. Approximately 50% of all patients experience a local recurrence after a curative therapy and 25% develop distant metastases. The median overall survival for non-locoregional curative patients is 6-10 months; for platinum-refractory patients with best supportive care it´s less than 2 months. Introduction of immunotherapeutic approaches with CIs against PD-1/PD-L1 resulted in an improvement of survival and prognosis of patients with HNC.
 

Keywords: Head and neck cancer, recurrence rate, multimodal therapy concepts, immunotherapy, CIs, anti PD-1/PD-L1
 

Literatur:

(1) Argiris A, Karamouzis MV, Raben D et al. Head and neck cancer. Lancet 2008;371:1695-709.
(2) Vermorken JB, Mesia R, Rivera F et al. Platinum-based chemotherapy plus cetuximab in head and neck cancer. N Engl J Med 2008;359(11):1116-27.
(3) Forster MD, Devlin MJ. Immune Checkpoint Inhibition in Head and Neck Cancer. Front Oncol 2018;8:310.
(4) Ferris RL, Blumenschein G Jr, Fayette J et al. Nivolumab for Recurrent Squamous-Cell Carcinoma of the Head and Neck. N Engl J Med 2016;375(19):1856-1867.
(5) Chow LQ, Haddad R, Gupta S et al. Antitumor activity of pembrolizumab in biomarker-unselected patients with recurrent and/or metastatic head and neck squamous cell carcinoma: results from the phase Ib KEYNOTE-012 expansion cohort. J Clin Oncol 2016;34:3838-45.
(6) Cohen EE, Harrington KJ, Le Tourneau C et al. Pembrolizumab (pembro) vs standard of care (SOC) for recurrent or metastatic head and neck squamous cell carcinoma (R/M HNSCC): Phase 3 KEYNOTE-040 trial. Ann Oncol 2017;28(suppl_5):mdx440.040.
(7) Deng WW, Mao L, Yu GT et al. LAG-3 confers poor prognosis and its blockade reshapes antitumor response in head and neck squamous cell carcinoma. Oncoimmunology 2016;5(11):e1239005.
(8) Ott PA, Bang YJ, Piha-Paul SA et al. T-Cell-Inflamed Gene-Expression Profile, Programmed Death Ligand 1 Expression, and Tumor Mutational Burden Predict Efficacy in Patients Treated With Pembrolizumab Across 20 Cancers: KEYNOTE-028. J Clin Oncol 2018; doi:10.1200/JCO.2018.78.2276.

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