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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Dezember 2015 Immunonkologie bei soliden Tumoren

DGHO: 09.-13.10.2015 in Basel

Maligne Tumoren sind immunogen: Es werden entweder spontan oder therapieassoziiert durch Zerfall des Tumors Antigene freigesetzt. Eine Reihe solider Malignome spricht auf die gezielte Immuntherapie mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren an – dies jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

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Melanome sind eine sehr heterogene Gruppe von Tumoren. In jedem Melanom gibt es Tausende von Punktmutationen, Hunderte von Mutationen in kodierenden Segmenten und Dutzende von tumorindividuellen Peptidsequenzen, die vom MHC-Repertoire des Patienten präsentiert werden, berichtete Prof. Stephan Grabbe, Mainz. Regelhaft würde es bereits spontan zur Immunerkennung des Tumors und zur Bildung von tumorspezifischen T-Zellen kommen, jedoch reicht die spontane Immunerkennung allein nicht aus. Die Reaktivierung von bereits vorhandenen Immunantworten gelingt mittels Checkpoint-Blockade. Mit dem Checkpoint-Inhibitor Nivolumab konnte bei Patienten mit metastasiertem Melanom eine eindrucksvolle 3-Jahres-Überlebensrate von 41% erzielt werden. Die Kombinationstherapie mit anti-CTLA4 (Ipilimumab) plus anti-PD1 ist noch wirksamer und wird laut Grabbe ein wesentliches Therapieprinzip bei der Behandlung des metastasierten Melanoms werden. Allerdings sei noch unklar, welchen Patientenpopulationen welche Therapie primär angeboten werden sollte, da anti-PD1 plus anti-CTLA4 zwar sehr wirksam zu sein scheint, jedoch auch sehr toxisch ist. Auch zeigt die anti-PD-1-Blockade allein bei PD-L1-positiven Tumoren ein gleich gutes progressionsfreies Überleben wie die Kombinationstherapie. Klar sei, dass die Monotherapie mit anti-CTLA4-Blockade als Firstline-Therapie obsolet und durch anti-PD-1 ersetzt worden ist.

Nivolumab wurde als erster PD-1-Inhibitor beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit plattenepithelialer Histologie nach vorheriger Chemotherapie für erwachsene Patienten zugelassen. In der Phase-III-Studie CheckMate -017 erzielten mit Nivolumab behandelte Patienten mit 42% nahezu eine Verdopplung der 1-Jahres-Überlebensrate (95%-KI: 34-50) im Vergleich zu 24% (95%-KI: 17-31) unter Docetaxel. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 9,2 Monaten unter Nivolumab vs. 6,0 Monaten unter Docetaxel. Der Überlebensvorteil ging einher mit einer verbesserten Lebensqualität, berichtete Prof. Martin Schuler, Essen.

Die Phase-III-Studie CheckMate -057 zeigt bei vorbehandelten Patienten mit NSCLC mit nichtplattenepithelialer Histologie ebenfalls einen Überlebensvorteil durch die Nivolumab-Therapie. Mit Nivolumab lebten 39% nach 18 Monaten gegenüber 23% mit Docetaxel und dies wiederum bei guter Verträglichkeit. Unerwünschte therapiebedingte Ereignisse vom Grad 3-4 waren bei 10% der mit Nivolumab behandelten Patienten aufgetreten vs. 54% im Docetaxel-Arm. Das Gesamtüberleben war abhängig von der PD-L1-Expression. Allerdings sei die PD-L1-Expression kein robuster Marker, so Schuler, da noch keine einheitlichen Cut-offs verwendet werden.

In der „Nierenszene“ begann die therapeutische Revolution im Jahr 2006 mit den zielgerichteten Therapien, sagte Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg. Ein neuer Ansatz ist die Checkpoint-Blockade. Beim Europäischen Krebskongress in Wien wurden die Ergebnisse der Studie CheckMate -025 publiziert, die einen signifikanten Überlebensvorteil für Nivolumab gegenüber Everolimus bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (RCC) zeigen konnten, die mit einem Angiogenese-Inhibitor vorbehandelt waren. Mit Nivolumab konnte ein medianes Gesamtüberleben von 25 Monaten erzielt werden versus 19,6 Monate für Everolimus. Das Ergebnis war unabhängig von der PD-L1-Expression. Overkamp wies darauf hin, dass es unter Therapie mit Nivolumab durch Infiltration von immunkompetenten Zellen zu einer Volumenzunahme kommen kann, die nicht als Progression fehlinterpretiert werden dürfe. Haupteffekt der Checkpoint-Blockade ist eine Langzeitremission, und Sequenztherapien mit Checkpoint-Inhibitoren seien der nächste Schritt, so Overkamp abschließend.

(as)

Quelle: Satellitensymposium „Immunonkologie – Wir schreiben Geschichte: Solide Tumoren und hämatologische Erkrankungen“, Basel, 10.10.2015, Veranstalter: Bristol-Myers Squibb


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