Sonntag, 25. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. März 2018 ASCO-GU 2018: Neue Daten zu Abirateronacetat – Benefit und Verträglichkeit beim Hochrisiko-mHSPC untermauert

Ein indirekter Vergleich von Abirateronacetat + Prednison/Prednisolon und Docetaxel1 – je in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) – beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) liefert Hinweise darauf, dass Abirateronacetat einen besseren Impact auf wichtige Endpunkte haben könnte. Weitere Daten untermauern die gute Verträglichkeit des Androgenbiosynthese-Inhibitors bei dieser Indikation.
Männer mit neu diagnostiziertem Hochrisiko-mHSPC können seit Ende 2017 mit Abirateronacetat (Zytiga®) + Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) und einer ADT behandelt werden. Die Kombination stellt eine Alternative zur Chemohormontherapie mit Docetaxel1 und ADT bei dieser Indikation dar, die seit 2015 üblich ist. Die entsprechende Indikationserweiterung von Abirateron/P erfolgte auf Grundlage der Studie LATITUDE (1). Der Einsatz von Docetaxel1, das für diese Indikation zwar in Leitlinien empfohlen, jedoch nicht zugelassen ist, basiert unter anderem auf der CHAARTED-Studie (2).


Indikrekter Vergleich der Lebensqualität

Da direkte Vergleichsstudien fehlen und die Wahl zwischen den beiden Therapien eine Herausforderung darstellt, wurde beim Genitourinary Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO-GU) 2018 ein indirekter Vergleich der beiden Studien LATITUDE und CHAARTED vorgestellt (3). Demnach scheint Abirateron/P + ADT den Schmerz gemessen anhand des Fragebogens BPI (Brief Pain Inventory) über ein Jahr stärker zu bessern als Docetaxel + ADT. Bei der Lebensqualität, gemessen anhand des Fragebogens FACT-P (The Functional Assessment of Cancer Therapy-Prostate), zeigte sich insbesondere in den ersten 3 Monaten der Therapie eine mögliche Überlegenheit von Abirateron/P + ADT (3).


Spezielle statistische Methode

Der indirekte Vergleich erfolgte anhand einer etablierten, anerkannten, speziellen statistischen Methode2. Basierend auf einem systematischen Review wurden die CHAARTED-Studie zur Wirksamkeit von Docetaxel + ADT und die LATITUDE-Studie zur Wirksamkeit von Abirateron/P + ADT eingeschlossen (3). Da sich die Studienteilnehmer etwas unterschieden, basierte die Auswertung nur auf neu diagnostizierten mHSPC-Patienten. In der LATITUDE-Studie hatten alle eine Erkrankung mit hohem Risiko, aus der CHAARTED-Studie flossen in die Analyse Patienten mit niedriger und hoher Tumorlast ein.


Indirekter Vergleich von OS und rPFS

Die Analyse bestärkt eine mögliche Überlegenheit von Abirateron/P + ADT gegenüber Docetaxel + ADT, die bereits beim Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) Ende 2017 mit der gleichen Methode für das Gesamtüberleben (OS) und das radiographisch progressionsfreie Überleben (rPFS) gezeigt wurde (4). In diese Analyse war auch die Studie GETUG-15 zur Wirksamkeit von Docetaxel + ADT eingeflossen, bei der Schmerz und Lebensqualität nicht erfasst worden waren (5). Hier beschränkte sich die Analyse bei allen Studien auf mHSPC-Patienten mit hoher Tumorlast (4).

Diese indirekten Vergleichsanalysen liefern demnach Hinweise darauf, dass mHSPC-Patienten, die ein hohes Risiko und/oder eine hohe Tumorlast haben, womöglich hinsichtlich der Verlängerung des OS und des rPFS sowie der Besserung des Schmerzes und der Lebensqualität von Abirateron/P + ADT mehr profitieren könnten als von Docetaxel + ADT (3, 4).


LATITUDE: Gute Verträglichkeit bestätigt

Eine Post-hoc-Sicherheitsanalyse der LATITUDE-Studie, die ebenfalls beim diesjährigen ASCO-GU vorgestellt wurde, untermauerte die gute Verträglichkeit von Abirateron/P + ADT in der Therapie des neu diagnostizierten Hochrisiko-mHSPC (6). Demnach war eine mediane Exposition von 24 Monaten gegenüber Abirateronacetat und täglich 5 mg Prednison mit einem vergleichbaren Verträglichkeitsprofil assoziiert, wie in den früheren Studien zur Wirksamkeit in der Erst- und Zweitlinientherapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC), in denen Abirateronacetat mit 10 mg Prednison kombiniert worden war (6-8).


3 zugelassene Indikationen beim mPCa

In seinen nunmehr 3 zugelassenen Indikationen zeigte sich Abirateron/P in den Zulassungsstudien als gut wirksam und verträglich und lässt sich demnach bei einem breiten Spektrum von Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom einsetzen.



1 Docetaxel ist für die Indikation mHSPC nicht zugelassen, wird aber in nationalen und internationalen Leitlinien (S3, ESMO, EAU) empfohlen. Hinsichtlich der Zulassung und des Einsatzes sind die Angaben in der aktuellen Fachinformation zu beachten.
2 Bayes‘sche Netzwerk-Metaanalyse



Eine Initiative der Janssen-Cilag GmbH, Neuss

Petra Eiden

Literatur:

(1) Fizazi K et al. N Eng J Med 2017;377:352-60.
(2) Sweeney CJ et al. N Engl J Med 2015; 373(8):737-46.
(3) Feyerabend S et al. 2018 Genitourinary Cancers Symposium: Abstr. 200 & Poster.
(4) Feyerabend S et al. ESMO 2017 Congress: Abstr. 803P & Poster.
(5) Gravis G et al. Eur Urol 2016;70(2):256-62.
(6) Fizazi K et al. 2018 Genitourinary Cancers Symposium: Abstr. 182 & Poster.
(7) Ryan CJ et al. Lancet Oncol 2015;16:152-60.
(8) Fizazi K et al. Lancet Oncol 2012;13:983-92.


Das könnte Sie auch interessieren

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst

70 Prozent der Deutschen fürchten Tumor, Engagement für Gesundheit wächst
© pressmaster / Fotolia.com

Sieben von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich am meisten vor Krebs. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 44 Jahren und Frauen ist die Angst besonders groß. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Studie der DAK-Gesundheit. Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Engagement für die eigene Gesundheit wächst. Immer mehr Menschen gehen zu Vorsorgeuntersuchungen und halten sich mit Sport und gesunder Ernährung fit.

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ASCO-GU 2018: Neue Daten zu Abirateronacetat – Benefit und Verträglichkeit beim Hochrisiko-mHSPC untermauert"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich