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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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31. Mai 2017

Onkologische Reha – quo vadis?

Veränderungen in der Akutmedizin und der Sozialgesetzgebung stellen die onkologische Rehabilitation vor immer neue Herausforderungen. Den aktuellen Stand und Visionen stellte der Reha-Onkologe Prof. Dr. Oliver Rick, Klinik Reinhardshöhe, Bad Wildungen, vor.
Im Jahr 2014 gab es fast 400.000 Krebsneuerkrankungen in Deutschland. Die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten zeigen, dass nahezu zwei Drittel der Krebspatienten zu den Langzeitüberlebenden gehören. Hochrechnungen gehen von aktuell 3,6 Millionen Krebslangzeitüberlebenden in Deutschland aus, so Rick, und es sei zu erwarten, dass die 4-Millionen-Marke bald erreicht ist. Die Kehrseite der Medaille: gut die Hälfte der Patienten berichte, dass die Gesundheit langfris­tig gelitten habe. Die Langzeitfolgen sind komplex und zahlreich. Dazu zählen neben körperlichen Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Diabetes und metabolischem Syndrom, die sich erst Jahre nach der Therapie bemerkbar machen, auch psychische Folgestörungen wie Schlaflosigkeit. Parästhesien und Neuropathie verschlimmern sich oft nach Ende der Therapie und können Monate bis Jahre anhalten. Außerdem besteht ein höheres Risiko für Arbeits­losigkeit, berufliche Nachteile und soziale Isolation.

Viele Patienten nach onkologischer Erkrankung fühlen sich in der Langzeitbetreuung alleingelassen, viele werden pflegebedürftig. Ziel der Rehabilitation sei die Vermeidung der Pflegebedürftigkeit, betonte Rick. Ein weiteres Ziel sei es, den Patienten wieder ins Berufsleben zurückzuführen. Bei etwa 20.000 Krebspatienten pro Jahr, dies entspricht einem relevanten Anteil von 11%, gelinge dies nicht, sie erhalten eine Erwerbsminderungsrente. Die Patienten erleiden dadurch einen erheblichen finanziellen Nachteil und büßen Lebensqualität ein. „Umso wichtiger wäre daher die Prävention“, so Rick, „doch seit 2014 beobachten wir einen kontinuierlichen Rückgang von Reha-Leistungen und insbesondere von Anträgen zur onkologischen Rehabilitation, während die Inzidenz von Krebserkrankungen steigt und sicherlich die Folgestörungen eher zunehmen.“ Als mögliche Gründe nannte Rick die zunehmenden ambulanten onkologischen Therapien, weniger traumatisierende Operationstechniken, aber auch, dass der Nutzen der Prävention bei Patienten wie auch Ärzten nicht hinreichend gut bekannt sei. Dabei könne man mit vielen guten interdisziplinären und ganzheitlichen Therapieansätzen aufwarten.

Zu kämpfen habe man damit, dass in Deutschland historisch bedingt die Prävention auf eine stationäre Maßnahme beschränkt sei – die 3-4-wöchige Anschlussheilbehandlung bzw. Anschlussrehabilitation. Wiederholungsmaßnahmen nach stationärer Nachsorge müssen gut begründet sein und würden laut Rick von den Kassen häufiger abgelehnt. Langfristige Angebote im ambulanten Sektor mit Reha-Teams, wie sie z.B. in den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden etabliert sind, existieren in Deutschland nicht. Auf diesem Gebiet seien sicherlich nur langsam Veränderungen herbeizuführen.

Programme wie die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nehmen viel Raum und Zeit ein und sind im Rahmen eines Anschlussrehabilitationsverfahrens (AHB) schwierig zu konzipieren.

Die stationäre onkologische Reha ist die Initialzündung, sagte Rick, denn die Rekonvaleszenz nach Reha setze sich fort, sie bleibe nicht nach 3 Wochen Reha stehen. Zusätzliche Angebote seien erforderlich z.B. Updates, um die Funktionsfähigkeit zu erhalten und um Therapien aufzufrischen, die im Rahmen der Rehabilitation durchgeführt worden sind. Wünschenswert, so Rick, seien begleitende ambulante Reha-Teams. „Wir müssen auch neue Technologien und die sozialen Netzwerke nutzen, um der Generation gerecht werden zu können, die in den nächsten Jahren erkranken wird“, so Rick weiter. Außerdem forderte er Screening-Instrumente für die Feststellung der Reha-Bedürftigkeit insbesondere im niedergelassenen Bereich, damit die Rehabilitation noch besser bedarfsorientiert gesteuert werden kann.
as
Impulsvortrag von Prof. Oliver Rick; 5. ASORS-Jahreskongress, 31.03.2017, München
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