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Medizin

09. Dezember 2019 CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI

Real-world-Daten (RWD) stellen eine wichtige Ergänzung zu klinischen Studien dar, da sie eine heterogenere Patientenpopulation repräsentieren und Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Therapie im Behandlungsalltag liefern. Zunehmend liegen auch RWD zur chronischen myeloischen Leukämie (CML) vor, die die überlegene Wirksamkeit von Zweitgenerations-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) wie Nilotinib (Tasigna®) gegenüber dem Erstgenerations-TKI Imatinib jenseits von klinischen Studien bestätigen. Bei der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, wurden aktualisierte Daten der laufenden Beobachtungsstudie SIMPLICITY vorgestellt, die die Therapieergebnisse unter einer Erstlinientherapie mit Imatinib gegenüber Zweitlinien-TKIs im klinischen Alltag vergleicht (1).
Heute stehen für die Erstlinienbehandlung von CM-Patienten in der chronischen Phase neben Imatinib Zweitgenerations-TKI wie Nilotinib, Dasatinib oder Bosutinib zur Verfügung. Phase-III-Studien haben gezeigt, dass Zweitgenerations-TKI im Vergleich zu Imatinib besser wirksam sind und eine schnellere und tiefere Remission induzieren (2-4). Auch im Langzeitverlauf zeigen Nilotinib und Dasatinib gegenüber Imatinib eine erhöhte Rate an molekularen Remissionen, ein reduziertes Risiko für eine CML-Progression in akzelerierte Phasen und/oder Blastenkrise sowie ein vermindertes Risiko für CML-assoziierte Mortalität (2, 3).

Zunehmend können die Erkenntnisse aus klinischen Studien auch im Versorgungsalltag bestätigt werden. Eine frühere Analyse der SIMPLICITY-Studie hatte bereits gezeigt, dass Patienten unter einer Therapie mit den Zweitgenerations-TKI Nilotinib und Dasatinib häufiger ein komplettes zytogenetisches Ansprechen (CCyR) nach 12 Monaten und ein molekulares Ansprechen (MMR: ≤ 0,1% BCR-ABLIS) nach 24 Monaten erreichten als unter dem Erstgenerations-TKI Imatinib (5). Die Studiendaten bestätigten darüber hinaus die aus klinischen Studien bekannte Korrelation zwischen einem frühen Ansprechen auf einen TKI und der Chance auf das Erreichen einer tiefen molekularen Remission: Ein BCR-ABL-Wert < 10% nach 3 Monaten (EMR) war mit dem Erreichen einer MMR nach 12 Monaten assoziiert (5).

In die beim ASH vorgestellte Analyse gingen 1.241 Patienten aus den USA und Europa ein. Für 391 Patienten – 140 unter Imatinib, 119 unter Dasatinib und 132 unter Nilotinib – lag eine komplette Risikoklassifikation nach dem Hasford-Score vor. Die verschiedenen Risikogruppen waren in den Behandlungsgruppen etwa gleich verteilt.

Unter dem Einfluss der Zweitgenerations-TKI erreichten im Vergleich zu Imatinib auch in der aktualisierten Analyse mehr Patienten eine CCyR – sowohl bei den Niedrig-Risiko-Patienten (88,1% vs. 79,2%; p=0,477) als auch bei den Patienten der hohen Risikogruppe (73,0 vs. 44,4%; p=0,0209), wobei der Unterschied nur bei den High-Risk-Patienten statistisch signifikant war. Unter den Einfluss eines Zweitgenerations-TKI war die Chance, eine CCyR zu erreichen, dreimal höher als unter Imatinib (Odds Ratio (OR) 2,93; 95%-KI: 1,21-7,13; p=0,0177). Auch ein niedriger Baseline-Risikoscore war ein Prädiktor für das Erreichen einer CCyR (OR 5,75; 95%-KI: 2,00-16,59; p=0,0011).

Auch im Hinblick auf das molekulare Ansprechen bestätigten sich die Ergebnisse früherer Analysen der Studie. Ein höherer Prozentsatz an Patienten erreichte unter den Zweitgenerations-TKI eine MMR – Low-Risk-Patienten (82,0% vs. 74,6%; p=0,2400) ebenso wie Patienten mit intermediärem/hohem Risiko (87,0% vs. 72,4%; p=0,0185), wobei auch hier die statistische Signifikanz bei den Patienten mit niedrigem Risiko verfehlt wurde. Die Generation des TKI erwies sich in einer multivariaten logistischen Regressionsanalyse als der einzige Prädiktor für das Erreichen einer MMR. Unter einem TKI der zweiten Generation erreichten die Patienten mehr als doppelt so häufig eine MMR als unter dem Erstgenerations-TKI Imatinib (OR 2,13; 95%-KI: 123-3,70; p=0,0070).

Aus Sicht der Autoren unterstreichen die aktualisierten Daten der SIMPLICITY-Studie, dass Zweitgenerations-TKI im klinischen Alltag Vorteile in der Erstlinienbehandlung von CML-Patienten in der chronischen Phase bieten, vor allem bei Patienten mit intermediärem oder hohem Risiko.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Cortes JE et al. Cytogenetic and Molecular Response with First- and Second-Generation Tyrosine Kinase Inhibitor (TKI) Therapy in Simplicity: An Observational Study of Patients with Chronic-Phase Chronic Myeloid Leukemia (CP-CML) im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2019; 08. 12. 2019, Orlando, Florida, USA, Abstract 2929
(2) Hochhaus A et al. Leukemia 2016; 30:1044-1154
(3) Cortes JE, Saglio G, Kantarjian HM et al. J Clin Oncol 2016;34:2333-2340
(4) Cortes JE, Gambacorti-Passerini C, Deininger MW et al. J Clin Oncol 2018;36:231-237
(5) Cortes JE et al.  59. Jahrestagung der American Society of Clinical Hematology (ASH) 2017; 09.-12.12.2017, Atlanta, USA, Abstract #2894


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