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Medizin

05. Oktober 2020 SCLC: Mehr Langzeitüberlebende unter Atezolizumab + Carboplatin und Etoposid

Bis heute ist Lungenkrebs eine der häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen weltweit. Die Einführung von Krebsimmuntherapeutika hat die Behandlungsoptionen in den letzten Jahren deutlich erweitert. Eine große Errungenschaft: Nach über 20 Jahren des therapeutischen Stillstandes eröffnete sich für Patienten mit kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) mit den Daten der Phase-III-Studie IMpower133 erstmals eine neue Therapieoption. Dass Patienten auch langfristig von der Therapie profitieren, bestätigen nun beim ESMO vorgestellte Follow-up-Daten der IMpower133.
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Eine explorative Analyse belegt, dass deutlich mehr Patienten in der Gruppe der Langzeitüberlebenden (LTS) mit Atezolizumab (Tecentriq®) und Carboplatin und Etoposid behandelt wurden. Patienten unter der Kombinationstherapie mit Atezolizumab profitierten demnach von einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit auf ein längeres Gesamtüberleben (OS) (1). Eine weitere beim ESMO vorgestellte Analyse der IMpower150-Studie zeigt zudem die Wirksamkeit von Atezolizumab in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®), Carboplatin und Paclitaxel bei Patienten mit NSCLC und zusätzlicher EGFR-Mutation sowie bei Patienten ohne vorherige Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) (2).

Wichtige Therapieoption für NSCLC-Patienten mit EGFR-Mutation

Bei etwa 10-15% aller Lungenkrebspatienten lässt sich eine Mutation im EGFR-Rezeptor feststellen, die zu einem unkontrollierten Wachstum sowie einer Vermehrung von Tumorzellen führt (3). Eine exploratorische Analyse der Studie IMpower150 bestätigt nach einem medianen Follow-up von 39,3 Monaten nun vorherige Analysen: NSCLC-Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation (Exon19-Deletion oder L858R-Mutation) überlebten etwa 10 Monate länger, wenn sie nach einer primären Behandlung mit einem TKI eine Kombinationstherapie mit Atezolizumab, Bevacizumab und Chemotherapie erhielten (PFS; 27,8 Monate vs. 18,1 Monate unter Avastin/Chemotherapie; HR=0,74; 95%-KI: 0,38-1,46) (2).

Verlängertes PFS

Auch NSCLC-Patienten mit aktivierender EGFR-Mutation inklusive Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen, die zuvor keine Therapie mit einem TKI erhalten hatten, profitieren von der Behandlung mit Atezolizumab (OS: 29,4 Monate vs. 18,1 Monate unter Bevacizumab und Chemotherapie; HR=0,60; 95%-KI: 0,31-1,14) (2). Der klinische Vorteil konnte auch bezüglich des progressionsfreien Überlebens (PFS; 10,3 Monate vs. 6,1 Monate unter Bevacizumab und Chemotherapie; HR=0,38; 95%-KI: 0,21-0,68) gezeigt werden. Patienten mit EGFR-Mutation wiesen ebenfalls eine höhere objektive Ansprechrate (ORR) unter Atezolizumab, Bevacizumab und Chemotherapie auf (73,5% vs. 40,9% unter Bevacizumab/Chemotherapie) (2).

Langzeitüberleben mit ES-SCLC möglich

Mit der Zulassung von Atezolizumab als erste Krebsimmuntherapie bei ES-SCLC-Patienten wurde nach über 20 Jahren des therapeutischen Stillstandes die Behandlung in dieser Indikation revolutioniert. Aufgrund der begrenzten Daten zu Patientencharakteristiken bei LTS mit ES-SCLC, die mit Krebsimmuntherapie behandelten wurden, wurden nun die LTS (OS ≥ 18 Monate) der IMpower133-Studie näher analysiert: Nach einem medianen Follow-up von 22,9 Monaten zeigt die exploratorische Analyse, dass mehr als ein Drittel aller Patienten (33,5%) unter der Kombinationstherapie mit Atezolizumab LTS sind, während im Kontrollarm (Placebo und Chemotherapie) nur 20,4% der Patienten LTS waren (1).

Tendenz zu verlängertem OS

Analysen der ITT-Population zeigten weiterhin: Patientencharakteristika wie der ECOG-PS, der Laktatdehydrogenase (LDH)-Wert und die mediane Summe des längsten Durchmessers der Zielläsionen (SLD) haben prognostische Aussagekraft in Bezug auf das OS. Prognostisch ungünstigere Faktoren kamen vermehrt bei den nicht-Langzeitüberlebenden (non-LTS; OS < 18 Monate) vor. Da sich die untersuchten Patientencharakteristika nicht innerhalb der verschiedenen Therapiearme unterscheiden, sowohl bei LTS als auch non-LTS, konnte keines dieser Charakteristika als prädiktiver Faktor für das Überleben identifiziert werden (1). Die exploratorische Analyse zeigt, dass ES-SCLC-Patienten eher einen langanhaltenden Überlebensvorteil unter der Kombinationstherapie mit Atezolizumab erzielen und dies unabhängig von evaluierten Patientencharakteristika sowie Krankheitsmerkmalen. Damit wird die Therapie aus Atezolizumab und Chemotherapie als Standard in der First-Line bei allen ES-SCLC-Patienten bestätigt (1).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Liu SV et al., ESMO 2020, 1781MO, oral presentation
(2) Reck M et al., ESMO 2020, Poster 1923P
(3) Cooper WA et al.; Pathology 2011, 43(2): 103–115


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