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Medizin
14. März 2018

Perspektiven in der Behandlung des NSCLC mit Alectinib und Atezolizumab

Das Therapiespektrum beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) hat sich durch die Zulassung moderner Therapien in der jüngsten Vergangenheit entscheidend erweitert. Beispielhaft für diesen Fortschritt stehen der niedermolekulare Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Alectinib (Alecensa®▼) und der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab (Tecentriq®▼) (1,2). Beide Substanzen bieten den Patienten die Chance auf eine signifikant verbesserte Prognose (3,4). Im Rahmen eines Symposiums der Roche Pharma AG auf dem diesjährigen Deutschen Krebskongress (DKK) wurden die zulassungsrelevanten Daten sowie mögliche künftige Behandlungsstrategien beim fortgeschrittenen NSCLC diskutiert.
Alectinib wurde im Frühjahr 2017 zunächst für Patienten mit fortgeschrittenem ALK-positivem NSCLC nach Crizotinib-Vortherapie zugelassen – bereits wenige Monate später, im Dezember 2017, folgte die Zulassung für die First-Line-Therapie (1). Ausschlaggebend für die Zulassungserweiterung waren die Resultate der Phase-III-Studie ALEX, in der sich Alectinib im direkten Vergleich mit Crizotinib als signifikant überlegen erwies. So verlängerte Alectinib in der Analyse eines unabhängigen Prüfkomitees (IRC) das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) gegenüber Crizotinib um mehr als das Doppelte auf über zwei Jahre (25,7 vs. 10,4 Monate), unabhängig von einer Metastasierung im ZNS. Das entspricht einer signifikanten Reduktion des Risikos für Krankheitsprogression oder Tod um 50% (HR=0,50; p < 0,0001). Zudem konnte ein überlegener Schutz gegen die Entstehung neuer Hirnmetastasen sowie eine deutlich bessere Wirksamkeit bei bestehenden ZNS-Metastasen gezeigt werden: Das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Hirnmetastasen war unter Alectinib im Vergleich zu Crizotinib signifikant um 84% reduziert (HR=0,16; p < 0,0001). Die Daten der ALEX-Studie belegen darüber hinaus die gute Verträglichkeit von Alectinib: Schwere unerwünschte Ereignisse traten unter Alectinib trotz deutlich längerer Behandlungsdauer seltener auf als unter Crizotinib (Grad 3-5: 41% vs. 50%) (3).

„Die Daten sprechen für sich“, so Prof. Jürgen Wolf, Köln. „Mit Alectinib haben wir einen neuen Standard für die First-Line-Therapie des fortgeschrittenen ALK-positiven NSCLC.“

Atezolizumab: 15,6 Monate – signifikanter Überlebensvorteil beim vorbehandelten Nicht-Plattenepithelkarzinom

Die Chance auf ein signifikant verlängertes Überleben bietet bereits vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC das Krebsimmuntherapeutikum Atezolizumab. So verlängerte der seit September 2017 zugelassene PD-L1-Inhibitor in der Phase-III-Studie OAK das mediane Gesamtüberleben (OS) gegenüber Docetaxel signifikant um 4,2 Monate (13,8 vs. 9,6 Monate; HR=0,73; p=0,0003) (4). In der Subgruppe der Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom lag das mediane OS unter Atezolizumab mit 15,6 Monaten sogar noch höher (vs. 11,2 Monate unter Docetaxel; HR=0,73; p=0,0015) (4).

„Der Überlebensvorteil unter Atezolizumab bestätigte sich unabhängig vom PD-L1-Status der Patienten“, betonte Prof. Frank Griesinger, Oldenburg. „Auch Patienten mit nur geringer PD-L1-Expression profitieren von der Behandlung mit dem PD-L1-Inhibitor.“

Neben der signifikant höheren Wirksamkeit profitieren die Patienten von der guten Verträglichkeit der Krebsimmuntherapie: Im Vergleich zur Chemotherapie war die Rate an behandlungsbedingten schweren unerwünschten Ereignissen unter Atezolizumab mehr als halbiert (Grad 3/4: 15% vs. 43%) (4).

Atezolizumab als Kombinationspartner zukünftiger Behandlungskonzepte

Aufgrund der guten Verträglichkeit wird Atezolizumab aktuell in zahlreichen Studien als Kombinationspartner für Chemotherapien, zielgerichtete Substanzen und andere Krebsimmuntherapien untersucht. So unter anderem auch beim NSCLC in Kombination mit dem VEGF-Antikörper Avastin® (Bevacizumab). Hintergrund: Während Avastin durch Normalisierung der Vaskularität die Infiltration von Immunzellen fördert, reaktiviert der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab die T-Zell-vermittelte Immunantwort gegen den Tumor (5,6).

Erste Resultate der Phase-III-Studie IMpower150 bestätigen die Wirksamkeit dieser Strategie: So reduzierte die First-Line-Kombination aus Atezolizumab/Avastin plus Chemotherapie (Carboplatin/Paclitaxel) das Progressionsrisiko von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-plattenepithelialem NSCLC gegenüber Avastin plus Carboplatin/Paclitaxel signifikant um 38% (PFS: 8,3 vs. 6,8 Monate; HR=0,62; p < 0,0001). Der Vorteil im progressionsfreien Überleben zeigte sich in allen untersuchten Subgruppen, einschließlich Patienten ohne PD-L1-Expression, Patienten mit Lebermetastasen sowie jenen mit EGFR- und ALK-Mutationen. Reife Daten zum Gesamtüberleben werden voraussichtlich noch in diesem Jahr veröffentlicht – die bisherigen Daten weisen jedoch bereits auf ein reduziertes Mortalitätsrisiko unter Atezolizumab/Avastin plus Chemotherapie hin (HR=0,78) (7).

"Die Daten sind ein vielversprechendes Signal für die künftige Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC“, so das Fazit von Prof. Thomas Wehler, München. „Und die Daten zeigen uns, dass wir das Potential der Krebsimmuntherapien noch lange nicht erschöpft haben – kluge Kombinationen werden dazu beitragen, dass in Zukunft möglicherweise Patienten noch mehr von dieser Strategie profitieren werden.“

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234) oder an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (www.bfarm.de oder Fax: +49 (0)228 / 207-5207).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Fachinformation Alecensa®, Stand: Dezember 2017
(2) Fachinformation Tecentriq®, Stand: November 2017
(3) Peters S etet al. N Engl J Med 2017; 377: 829-38
(4) Rittmeyer A etet al. Lancet 2017; 389 (10066): 255-65
(5) Atkins MB etet al. ASCO 2017 (Oral Abstract Session); Abstract 4505
(6) McDermott DF etet al. J Clin Oncol 2016; 34 (8); 833-42
(7) Reck M etet al. ESMO IO 2017; Abstract LBA_PR1


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