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Medizin

01. September 2020 Pankreaskarzinom: Studiensteckbriefe mit Expertenkommentar – 1/5

Nach der kurativ intendierten Operation des Adenokarzinoms des Pankreas (PDAC) bleiben die klinischen Ergebnisse suboptimal. Was sowohl an der hohen Rate fortgeschrittener Tumore (N+: 70-80%), der hohen Rate an R1-Resektionen (40-60%) und dem niedrigen Anteil von Patienten mit adjuvanter Systemtherapie (ca. 50%) liegt. Die auf dem ASCO 2020 vorgestellte Phase-II-Studie mit nicht vergleichenden Armen im pick-the-winner Design soll hier Hilfestellung geben. Dr. med. Thomas J. Ettrich, Ulm, hat die Studie kommentiert.
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Methoden

• Studiendesign: randomisierte Phase-II-Studie mit peri-op CTx (12 Wochen vor, 12 Wochen nach der Operation) entweder mit mFOLFIRINOX (Arm 1,
n=55) oder Gem/nabP (Arm 2, n=47).
• Studienteilnehmer: 102 Patienten mit resektablen PDAC nach Intergroup-Kriterien, ECOG PS 0 oder 1.
• Primärer Endpunkt: 2-Jahres-Gesamtüberlebenszeit (OS) gegenüber einer historischen Kontrolle unter Verwendung eines „Pick the winner“-Designs.
• Sekundäre Endpunkte: R0 Resektion, pathologisches Ansprechen, krankheitsfreies Überleben nach Resektion.

Ergebnisse

• Unter FOLFIRINOX-Therapie (Arm 1):
– Zwei-Jahres-Gesamtüberlebenszeit 41,6%
– OS im Median 22,4 Monate
– Medianes krankheitsfreies Überleben (DFS) nach Resektion 10,9 Monate
• Unter Gem/nabP-Therapie (Arm 2):
– Zwei-Jahres-Gesamtüberlebenszeit: 48,8%
– OS im Median 23,6 Monate
– Medianes krankheitsfreies Überleben (DFS) nach Resektion 14,2 Monate
– Die Schätzung der 2-Jahres-OS lag bei keinem der beiden Arme statistisch signifikant über dem a-priori-Schwellenwert von 40% (p=0,42 in Arm 1
und p=0,12 in Arm 2).
• Verträglichkeit
– Während der neoadjuvanten Chemotherapie wurden folgende Grad 3 oder 4 Nebenwirkungen beobachtet: Diarrhö bei 17% aus Arm 1 und 9% aus
Arm 2, Neutropenien bei 19% aus Arm 1 bzw. 38% aus Arm 2, Periphere Neuropathie bei 9% aus Arm 1 bzw. 7% aus Arm 2.

Fazit

Beide Therapieregime konnten sicher verabreicht werden und verbesserten insbesondere die R0-Resektionsrate im Vergleich zum historischen Standard. Im OS zeigte sich hier allerdings keine Verbesserung, was sowohl an der Power der Studie gelegen haben dürfte, als auch an der Tatsache, dass 33% der Patienten im retrospektivem, zentralem Review der initialen Bildgebung als nicht-primär resektabel eingestuft wurden. Die Toxizitäten der beiden perioperativen Chemotherapie-Regime waren akzeptabel.

Fragen an Dr. Ettrich

Was ist das Besondere an dieser Studie?
Ich finde es bemerkenswert, dass beide Therapieregime sowohl FOLFIRINOX als auch Gemcitabin/nab-Paclitaxel eine deutliche Verbesserung hinsichtlich der R0-Resektionsrate verglichen mit historischen Daten zeigen. Auch konnten immerhin 85% der Patienten die neoadjuvante Therapie komplettieren, was sicherlich auch einem guten supportivem Management (z.B. Stentversorgung, G-CSF) geschuldet sein dürfte. Bemerkenswert ist außerdem, dass im retrospektiven, zentralen radiologischen Review 1/3 der eingeschlossenen Patienten als nicht-eligibel gewertet wurden (z.B. 2/3 mit Filiae, 1/2 mit T4-Tumoren). Hier zeigt sich die dringende Notwendigkeit das Staging zu verbessern und zu standardisieren.

Welchen Einfluss hat eine neodadjuvante Chemotherapie auf das Gesamtüberleben?
Unklar ist weiterhin inwieweit sich eine verbesserte R0-Resektionsrate und eine erhöhte Therapieintensität im perioperativen Setting auf das Gesamtüberleben und das Rezidiv-freie Überleben auswirken wird. Hier stehen die Studiendaten großer randomisierter Studien noch aus, sie werden jedoch in den nächsten 2 Jahren erwartet.

Welche Erkenntnisse für die zukünftige Behandlung liefert die Studie?
Aktuell ist die primäre Resektion bei primär als resektabel eingestuften PDAC noch der Therapiestandard. Eine perioperative Systemtherapie sollte hier außerhalb von Studien nicht durchgeführt werden. Es mehren sich allerdings die Hinweise, dass sich auf Dauer das perioperative Konzept durchsetzen wird. Wir warten gespannt auf die Ergebnisse weiterer Studien (z.B. AIO-NEONAX).

Quelle: Servier


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