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Medizin

15. September 2020 Leberzellkarzinom: Weiterentwicklung der Behandlungspraxis gefordert

Experten fordern in einem Positionspapier die rechtzeitige Einleitung und effektive Sequenztherapie zur Verbesserung der Gesamtüberlebensraten von Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom. Das Leberzellkarzinom hat einen tödlichen Verlauf mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 14%. Es ist eine der wenigen Krebsarten mit weltweit steigender Inzidenz. Bei der Mehrzahl der Patienten ist Leberzellkarzinom bei Diagnose inoperabel, so dass potenziell kurative Therapien nicht mehr möglich sind.
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Ein internationales Expertengremium hat heute ein Positionspapier anlässlich einer Online-Pressekonferenz im Vorfeld der virtuellen Jahrestagung 2020 der International Liver Cancer Association (ILCA) verabschiedet: Darin wird eine Weiterentwicklung und Aktualisierung der Behandlungspraxis bei fortgeschrittenem Leberzellkarzinom weltweit gefordert, um die Gesamtüberlebensraten von Patienten weiter zu verbessern. Die Entwicklung dieses Experten-Positionspapiers wurde von Bayer initiiert und finanziert.

Unter Leitung von 7 Experten im Bereich Leberzellkarzinom soll das Positionspapier eine klare, unkomplizierte Orientierungshilfe für die Umsetzung der klinischen Behandlungsoptionen zu systemischen Sequenztherapien bei Patienten mit Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, HCC) geben, insbesondere im Kontext der sich rasch entwickelnden Therapielandschaft und der zukünftigen neuen Behandlungsoptionen.

Bisher veröffentlichte Studien und die klinische Praxiserfahrung haben gezeigt, dass die rechtzeitige Einleitung der systemischen Therapie und die optimale Sequenztherapie bei Patienten mit nicht resezierbarem HCC das Potential hat, ein Gesamtüberleben von mehr als zwei Jahren zu ermöglichen.

„Uns stehen aktuell mehrere systemische Therapien für fortgeschrittenen Leberkrebs sowohl in der Erst- als auch in der Zweitlinie zur Verfügung. Dazu zählen kürzlich zugelassene Kombinationstherapien mit immunonkologischen Wirkstoffen. Daher sind wir verpflichtet, unsere Strategien für die systemische Therapie zu überprüfen und zu aktualisieren, um das Gesamtüberleben und die Behandlungsergebnisse für diese Patienten zu verbessern“, sagte Dr. Catherine Frenette, Vorsitzende des Expertengremiums und Medical Director des Liver Transplantation Program am Scripps Green Hospital, USA.

„Veröffentlichte Studien zeigen, dass es einen Wandel der Behandlungspraxis bei Patienten im intermediären HCC Stadium B, in dem der Zustand dieser Patienten meist gut ist und die Leber noch gut arbeitet, geben muss. Damit kann der Erhalt der Leberfunktion unterstützt und die Behandlungsergebnisse verbessert werden“, sagte Professor Peter Galle, Direktor der Klinik für Innere Medizin der Universitätsmedizin Mainz. Bei der Behandlung des HCC im Stadium B gibt es erhebliche Unterschiede bei Patienten-Charakteristik und Krankheitsmerkmalen sowie dem Tumoransprechen auf die derzeitige Standardtherapie in der Erstlinie, die transarterielle Chemoembolisation (TACE). Eine rechtzeitige Umstellung von der TACE auf systemische Therapien und die Behandlung des Patienten mit mehreren Therapielinien kann ihm somit potenziell ein verlängertes Gesamtüberleben ermöglichen.“

Immunonkologische (IO) Kombinationstherapien werden zukünftig eine neue Therapieoption bieten. Jedoch werden Alternativen für diejenigen Patienten benötigt, für die immunonkologische Therapien nicht geeignet sind. Dazu gehören Patientengruppen, die in den Studien zu IO ausgeschlossen waren: Patienten mit moderater bis schwerer Lebererkrankung oder solche mit hohem Blutungsrisiko. Ebenfalls für IO nicht infrage kommen Patienten vor einer Transplantation oder mit Autoimmunerkrankungen. Sorafenib (Nexavar®) ist seit 2007 für die systemische Therapie des HCC zugelassen und in den Leitlinien verankert. Somit vervollständigt Sorafenib die Therapieoptionen sowohl für Patienten, für die die IO nicht infrage kommt als auch für Patienten, die nach der IO-Therapie auf eine Folgebehandlung angewiesen sind. Sorafenib kann zudem auch bei TACE-refraktären Patienten im intermediären Stadium eingesetzt werden. (1, 2). Für Patienten, die unter Sorafenib progredient werden, ermöglicht die HCC-Sequenztherapie Sorafenib-Regorafenib (Stivarga®) ein medianes OS von 26 Monaten in der Zweitlinie. (3, 4).

Das Leberkarzinom ist weltweit die sechsthäufigste Krebsart und die vierthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Inzidenz nimmt weltweit zu, ein Trend, der nur für wenige Krebsarten verzeichnet wird. Zwischen 2006 und 2016 wurde eine Zunahme um 38% verzeichnet. Auf das HCC entfallen 75–85% aller Leberkarzinome. Die Prognose ist mit einer geschätzten 5-Jahres-Überlebensrate von 14% schlecht.

Quelle: Bayer

Literatur:

(1) Arizumi T et al. Liver Cancer 2015 Dec; 4(4):253-262
(2) Bruix J et al. J Hepatol 2012 Oct; 57(4):821-9
(3) Bruix J et al. Lancet 2017; 389:56-66
(4) Kudo M. Liver Cancer 2017; 6:177-184


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