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Medizin

27. März 2018 Kommentar zum Beitrag "Nach Krebserkrankung Reha-Antrag besser nicht zu früh stellen"

Kommentar von Prof. Dr. med. Oliver Rick, Chefarzt, Dr. Ebel Fachkliniken GmbH & Co.Klinik Reinhardshöhe GmbH, zum Beitrag*: "Nach Krebserkrankung Reha-Antrag besser nicht zu früh stellen":
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"In Deutschland erkranken nahezu 500.000 Menschen jährlich an Krebs. Von diesen beantragen circa 20% eine onkologische Rehabilitation in Form einer Anschlussrehabilitation (AHB). Dies entspricht einer Gesamtzahl von circa 100.000 Menschen, was gut 2/3 aller onkologischen Rehabilitationen jährlich in Deutschland ausmacht. Das restliche Drittel (ca. 50.000 Patienten) führt eine Rehabilitation als sog. stationäre Nachsorge ein Jahr nach Ende der akutmedizinischen Behandlung oder auch im späteren Verlauf durch.

Die Gewährung einer AHB durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ist an Fristen nach Ende der akutmedizinischen Behandlung gebunden. Diese belaufen sich auf ca. 2 Wochen bei den Deutschen Rentenversicherungsträgern der Länder und auf 5 Wochen bei der DRV Bund. Werden diese Antragsfristen überschritten, wird die AHB in eine stationäre Nachsorge umgewandelt, was häufig zum Verlust einer Wiederholungsmaßnahme nach einem Jahr führt. Dies könnte sich nachteilig für den Langzeitverlauf des Betroffenen auswirken. Darüber hinaus existieren Daten der DRV, die aufzeigen, dass eine verzögerte Beantragung einer AHB zu einem schlechteren sozialmedizinischen Verlauf führt. Diese Patienten laufen eher Gefahr, eine verzögerte und auch kompliziertere Rückführung ins Erwerbsleben zu haben. Darüber hinaus verstärkt sich die Gefahr, den Arbeitsplatz gänzlich zu verlieren, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden und damit in die Armutsfalle zu geraten.

Des Weiteren besteht in der Rehabilitation eine so umfassende sozialmedizinische und sozialdienstliche Kompetenz, wie sie in keiner anderen Institution in unserem Gesundheitsversorgungssystem zu finden ist. Die onkologischen Rehakliniken haben interdisziplinäre sozialmedizinische Konferenzen etabliert, vergleichbar der Tumorkonferenzen der Akutkliniken, die in der Lage sind, eine individualisierte und passgenaue Einschätzung hinsichtlich der Erwerbsfähigkeit vorzunehmen. Auch Krebsberatungsstellen, Renten- und Krankenkassen sowie Sozialdienste der Kliniken verfügen nicht über diese hohe ärztliche sozialmedizinische Kompetenz und müssen sich auf die sozialdienstliche oder rentenrechtliche Beratung konzentrieren. Dies stellt somit keinen adäquaten Ersatz für eine vollumfängliche Beratung und Einschätzung der Gesamtkonstellation hinsichtlich des Erwerbslebens dar.

Darüber hinaus stellt es sich aus Sicht des Klinikers als vorteilhaft dar, eine AHB zeitnah nach Ende der akutmedizinischen Behandlung zu beginnen, damit Folgestörungen rasch behandelt und Chronifizierungen vermieden werden können. Eine protrahierte Beantragung einer AHB wirkt sich gerade beim Vorliegen von relevanten Folgestörungen als nachteilig aus und verzögert unnötiger Weise den Heilungsprozess.

Es muss also klar den Autoren des o. g. Artikels widersprochen und explizit darauf hingewiesen werden, eine AHB möglichst noch während laufender akutmedizinischer Behandlung zu beantragen und diese spätestens 2-5 Wochen, je nach Kostenträger, auch anzutreten. Nur dadurch können langfristige Folgestörungen suffizient behandelt und ein Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vermieden werden."

Prof. Dr. med. Oliver Rick
Sprecher der AGORS der DKG

*Der Kommentar nimmt Stellung zu diesem Beitrag: https://www.journalonko.de/news/anzeigen/11580 vom 15.03.2018 (Quelle: dpa)


Anm. d. Red.: Lesen Sie zum Thema Rehabilitation auch:
Survivorship – „Leben nach Krebs“-Programm: Versorgung von Patienten nach Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter
https://www.journalonko.de/artikel/anzeigen/22559
Moderne onkologische Rehabilitation im Wandel der Zeit
https://www.journalonko.de/artikel/anzeigen/22566
Rehabilitationsmedizin für Überlebende mit malignen Hirntumoren
https://www.journalonko.de/artikel/anzeigen/22564
Besondere Herausforderung für eine ganzheitliche Onkologie: Junge Erwachsene mit Krebs
https://www.journalonko.de/artikel/anzeigen/22554

 

Quelle: Prof. Dr. med. Oliver Rick, Bad Wildungen


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