Donnerstag, 13. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
01. August 2016

Immuntherapie: T-Gedächtniszellen zum Schutz vor Infektionen

In einer klinischen Studie im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) erhalten Leukämiepatienten nach einer Knochenmarktransplantation erstmals speziell aufgereinigte Zellen des Immunsystems, so genannte T-Gedächtniszellen. Die besonderen Immunzellen sollen die Patienten vor Infektionen schützen, bis deren eigene Abwehr funktioniert. Die Studie gilt als „Proof of Concept“ für ein Verfahren, das auch bei anderen Krankheiten anwendbar sein könnte.

„In dieser Studie geht es zuallererst darum, den Patienten zu helfen, die an schwerer Leukämie erkrankt sind und nur durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden können“, erklärt Dr. Michael Neuenhahn von der TU München. Gemeinsam mit Prof. Dirk Busch, ebenfalls TU München, leitet er die klinische Studie der Phase I/II, in der vor kurzem der erste Patient behandelt werden konnte. Normalerweise sind die Patienten nach einer Knochenmarktransplantation in großer Gefahr: Ihr Immunsystem, das zuvor gemeinsam mit den kranken Zellen ausgeschaltet wurde, muss sich erst wieder neu aufbauen, was bis zu einem Jahr dauern kann. Diese Immunschwäche können Infektionserreger ausnutzen und schwere Krankheiten auslösen. Beispiele sind Herpesviren wie das Zytomegalie- oder das Epstein-Barr-Virus. Um diese Komplikationen zu vermeiden, verabreichen die Wissenschaftler nun prophylaktisch speziell aufbereitete T-Gedächtniszellen in geringer Menge. Sie können die häufig auftretenden Infektionserreger erkennen und abwehren.
 

Abb. 1: Zellprodukte werden im Reinraum unter sterilen Bedingungen hergestellt. © TUM/Michael Neuenhahn
Abb. 1: Zellprodukte werden im Reinraum unter sterilen Bedingungen hergestellt. © TUM/Michael Neuenhahn


„Die speziell aufgereinigten T-Gedächtniszellen, Untergruppen der T-Lymphozyten, werden in der aktuellen Studie weltweit erstmals in dieser Form verabreicht“, erklärt Dirk Busch. Gemeinsam mit der Firma JUNO hat der Wissenschaftler in den letzten Jahren ein innovatives Zellaufreinigungsverfahren entwickelt, mit dem die gewünschten Zellen ganz gezielt aus dem Blut eines gesunden Spenders isoliert werden können. In vielen Vorversuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass vor allem diese Zellen schon in geringster, gut verträglicher Dosierung Schutz vor Infektionen bieten. Ein großer Vorteil, denn T-Zellen können Segen und Fluch sein. Gibt man sie in zu großer Menge ungefiltert an Patienten weiter, kann es zu Abstoßungsreaktionen kommen, bei denen die T-Zellen auch die gesunden Zellen angreifen. Sind sie allerdings gar nicht vorhanden, vermehren sich die gefürchteten Infektionserreger.

„Unser Ziel ist es, das Infektionsrisiko zu verringern, ohne Abstoßungsreaktionen zu riskieren“, erklärt Neuenhahn und ist nach allen Vorversuchen zuversichtlich, dass es funktioniert. 30 Leukämiepatienten sollen im Laufe eines Jahres prophylaktisch die T-Zellen erhalten. Die Dosierung wird jeweils langsam gesteigert, um die optimale Dosis zu ermitteln. Die Patienten werden in kurzen Zeitabständen auf Infektionen untersucht. Die Aufreinigung der Zellen findet unter Reinraumbedingungen in München statt. Studienpatienten können in Würzburg sowie an den DZIF-Standorten Tübingen und Hannover behandelt werden.

Die Studie ist ein gutes Beispiel für erfolgreiche Translation im DZIF. Zum ersten Mal konnte eine Entwicklung von der Grundlagenforschung bis hin zum Zellprodukt verwirklicht werden, das Patienten zugutekommt. „Wir sind sehr überzeugt von diesen T-Gedächtniszellen“, so Dirk Busch.  Sie schützen vor Infektionen mit einer ganzen Reihe von Erregern. Busch sieht die Studie außerdem als „Proof of Concept“, der das Verfahren für den breiten klinischen Einsatz öffnen kann. Zum einen als Infektionsprophylaxe auch bei anderen Organtransplantationen und Situationen, in denen das Immunsystem des Patienten geschwächt ist. Zum anderen mache die Technologie es aber auch möglich, die Zellen in der Zukunft so zu manipulieren, dass sie Krebszellen gezielt angreifen können.

Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Das könnte Sie auch interessieren
Vor der Darmspiegelung ist „Abführen an zwei Tagen“ am effektivsten
Vor+der+Darmspiegelung+ist+%E2%80%9EAbf%C3%BChren+an+zwei+Tagen%E2%80%9C+am+effektivsten
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Je sauberer der Darm, umso aussagekräftiger ist das Ergebnis einer Darmspiegelung zur Krebsvorsorge. Darauf weisen Experten im Vorfeld des Kongresses Viszeralmedizin 2016 in Hamburg hin. Um den Darm optimal für die „Koloskopie“ vorzubereiten, sollten Patienten auf zwei Tage verteilt eine Poly-Ethylen-Glykol-Lösung (kurz: PEG) als Abführmittel zu sich nehmen, so die Mediziner. Die Darmspiegelung gilt als eines...

Biologie der Tumore besser verstehen, Fortschritte auch bei eher seltenen Krebserkrankungen

Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren vor allem beim Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs und insbesondere bei den Lymphomen gemacht. Nun richtet sich das Augenmerk der Forscher verstärkt auf seltenere Tumore. Auch bei diesen mehren sich Berichte über Therapiefortschritte. Ein Paradebeispiel ist das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs. Das wurde bei dem diesjährigen weltgrößten Krebskongress in Chicago, dem...

Neue Website für Patienten: Schöne Momente trotz Krebs
Neue+Website+f%C3%BCr+Patienten%3A+Sch%C3%B6ne+Momente+trotz+Krebs
© Die-Schönen-Momente.de

Accuray Inc. präsentiert Die-Schoenen-Momente.de, eine neue Patientenwebsite zum Thema Krebs. Die-Schoenen-Momente.de ist eine umfassende Online-Anlaufstelle zu zahlreichen Themen, die Patienten und ihren Angehörigen wichtig sind: von den unterschiedlichen Krebstherapien über die richtige Ernährung bis hin zu Tipps für die Pflege persönlicher Beziehungen. So unterstützt die Website Patienten dabei, trotz...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immuntherapie: T-Gedächtniszellen zum Schutz vor Infektionen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.