Freitag, 26. Februar 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Xospata
 
Medizin

04. Dezember 2020 GEP-NET: NETTER-1-Studie wegweisend für die PRRT

Neuroendokrine Tumoren (NET) gehören zu den seltenen Erkrankungen. Allerdings haben die Neuerkrankungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Als wegweisend für die Nuklearmedizin und die Behandlung neuroendokriner Tumoren bezeichnete Prof. Dr. Markus Essler, Bonn, die NETTER-1-Studie, die zum ersten Mal mit höchstem Evidenzgrad die Wirksamkeit der Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) mit 177Lu-Dotatate (Lutathera®) bei Patienten mit gut differenzierten (G1 und G2) GEP-NET nachweisen konnte.
Hauptlokalisationsort der NET ist der Gastrointestinaltrakt gefolgt von der Lunge. Eine wichtige therapeutische Zielstruktur bieten die Somatostatinrezeptoren, die auf den Tumoren hoch exprimiert werden. Als Meilensteine in der Therapie bezeichnete Prof. Marianne Pavel vom Universitätsklinikum Erlangen, die Einführung der Somatostatinanaloga (SSA) und der Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT). SSA sind in der Regel Erstlinientherapien. Die PRRT wird bei gastrointestinalen NET in der Zweitlinie empfohlen, sowohl in der ESMO-Leitlinie als auch in der Leitlinie der DGVS. Beim Dünndarm-NET ist Pavel zufolge die PRRT inzwischen die am häufigsten eingesetzte Zweitlinientherapie. Ein früherer Einsatz von PRRT wird aktuell in prospektiven Studien wie z.B. der NETTER-2-Studie untersucht, in der Patienten mit höher proliferativen NET (NET G2/G3) 177Lu-Dotatate als Erstlinientherapie erhalten.

Die PRRT ist ein Beispiel für die sog. Theragnostik – das Zusammenspiel von Diagnostik und Therapie. Für die Therapie mit 177Lu-Dotatate wird ein Peptid als Trägermolekül für das radioaktive Nuklid Lutetium-177 genutzt. Lutetium-177 hat laut Prof. Markus Essler vom Universitätsklinikum Bonn gegenüber Yttrium-90 einen strahlenbiologischen Vorteil, da es eine sehr geringe Reichweite von wenigen Millimetern im Gewebe besitzt und das umliegende gesunde Gewebe weitgehend geschont wird. Durch die γ-Emission von 177Lu ist zudem eine Bildgebung mit einer Szintigraphie oder SPECT/CT gut möglich, während sie mit 90Y von niedriger Qualität ist.

In der Phase-III-Zulassungsstudie NETTER-1 (1), die Lutathera® bei Patienten mit gut differenzierten (G1 und G2) GEP- NET untersuchte, zeigten Patienten unter 177Lu-Dotatate im Vergleich zu einer Behandlung mit dem SSA Octreotid ein signifikant verlängertes progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS). Das Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit  wurde um 79% verringert. Im 177Lu-Arm waren 30 Ereignisse und im Octreotid-Arm 78 Ereignisse aufgetreten (HR 0,21; p<0,0001). Das mediane OS lag im Octreotid-Arm bei 27,4 Monaten und war im 177Lu-Arm noch nicht erreicht. In keiner der zuvor spezifizierten Subgruppen war SSA besser als PRRT. Die PRRT weist laut Essler zudem eine geringe Toxizität auf. Zugelassene Therapien wie die PRRT bei den neuroendokrinen Tumoren könnten dabei helfen, die Nuklearmedizin zunehmend in der Onkologie zu etablieren, sagte Essler abschließend.

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Virtuelle Pressekonferenz "Nuklearmedizinische Theragnostik im Fokus". 26.11.2020. Veranstalter: AAA (Advanced Accelerated Applications)

Literatur:

(1) Strosberg J et al. N Engl J Med 2017;376:125–135.


Anzeige:
Adakveo
Adakveo
 

Das könnte Sie auch interessieren

Geballtes Wissen zu Krebs für alle

Geballtes Wissen zu Krebs für alle
© Krebsinformationsdienst, DKFZ; Bild: Pixabay 849820

Der offizielle Startschuss fiel am 30. März 1999. Die Internetseite des Krebsinformationsdienstes (KID), einer Abteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, ging online. Heute nutzen monatlich rund 600.000 Besucher die Seite. Gefragte Themen sind Hintergründe zur Erkennung und Behandlung von Krebs, neue Therapieverfahren, aber auch Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag. Alle, die sich vor Krebs schützen möchten, finden ausführliche Informationen über...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

Krebsgesellschaften: Unterstützer der Patienten

Krebs zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Tag für Tag sterben etwa 20.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Allein 2012 gab es laut Schätzungen der WHO etwa 8,2 Millionen krebsbedingte Todesfälle.* Dieser Herausforderung zu begegnen, war schon immer das Bestreben von klinischen und niedergelassenen Ärzten, universitären Wissenschaftlern und der forschenden Pharmaindustrie. Wichtiges Bindeglied untereinander, aber auch zum Patienten, sind die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"GEP-NET: NETTER-1-Studie wegweisend für die PRRT"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.