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Medizin

08. März 2017 Forschungsprojekt zur Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs: Saarland als Modellregion

Seit fast zehn Jahren wird für Mädchen und junge Frauen eine Impfung gegen eine Infektion mit Hochrisiko-Papillomviren angeboten, da diese Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Schon viel länger gibt es Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Frauen ab dem 20. Lebensjahr. Dennoch erkranken im Saarland jährlich über 13 von 100.000 Frauen neu an dieser Krebsform, mehr als im Bundesdurchschnitt. Sigrun Smola, Professorin für Virologie der Universität des Saarlandes, hat sich jetzt in einem Forschungsverbund das Saarland als Modellregion vorgenommen. Gemeinsam mit zwei Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Krebsregister Saarland und weiteren Partnern der Universität des Saarlandes will sie herausfinden, was das Impfverhalten und die Inanspruchnahme der Krebsfrüherkennung beeinflusst und wie sich dies auf die Krebsentstehung auswirkt.
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„Gebärmutterhalskrebs ist eine Krebsart, bei der wir wissen, dass sie durch eine Virusinfektion ausgelöst wird. Die HPV-Impfung ist daher die beste Vorsorgemaßnahme, leider wird sie bislang nicht so umfassend wahrgenommen wie andere Impfungen im Kindesalter“, erläutert Prof. Sigrun Smola, die das Institut für Virologie am Universitätsklinikum des Saarlandes leitet. Während in Nachbarstaaten wie der Schweiz und Österreich nur vier bis sieben von 100.000 Frauen pro Jahr neu erkranken, sind es bundesweit neun, im Saarland sogar über 13. Dennoch waren laut Robert-Koch-Institut im Jahr 2013 erst rund 40% der 17-jährigen jungen Frauen geimpft. „Ab dem 20. Lebensjahr werden außerdem Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung angeboten. Auch diese werden nicht von allen Frauen regelmäßig wahrgenommen“, erläutert Smola.

Die Homburger Virologin will jetzt herausfinden, wie die Inanspruchnahme dieser Vorsorgeprogramme verbessert werden kann. Für ihr Forschungsprojekt PRÄZIS (Prävention des Zervixkarzinoms und dessen Vorstufen bei Frauen im Saarland) erhält sie mit ihrem Konsortium rund eine halbe Million Euro vom Innovationsausschuss des „Gemeinsamen Bundesausschusses“, dem obersten Beschlussgremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen. „Bislang gibt es in Deutschland kein Register für die HPV-Impfung und das Gebärmutterhalskrebs-Screening. Ein systematisches Monitoring, wie es der Gesetzgeber eigentlich vorgibt, wird dann besonders wichtig, wenn Veränderungen in den Vorsorgeprogrammen durchgeführt werden, wie sie für das Screening bevorstehen“, erläutert die Professorin. Bisher fehle jedoch die Datenbasis, um solche Analysen vorzunehmen.

Die Medizin-Prof. Sigrun Smola, das Krebsregister Saarland, die Kassenärztliche Vereinigung Saarland, die Krankenkassen IKK Südwest und AOK Rheinland-Pfalz/Saarland haben sich daher zusammengefunden, um diese Fragestellung mit Unterstützung des saarländischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen anzugehen und Routinedaten aus der Gesundheitsvorsorge verschlüsselt in einer Studiendatenbank zu verknüpfen. Weitere Expertise kommt durch Professor Stefan Wagenpfeil, Leiter des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Medizinische Informatik sowie Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie,  die daraus Vorhersagemodelle entwickeln werden. Dabei werden Datenschutz und Datensicherheit stets gewährleistet.

„Das Saarland eignet sich dafür besonders gut, weil die Saarländer bekanntermaßen gerne im Saarland wohnen bleiben, es also wenig Wanderungsbewegungen gibt“, erklärt die Virologin. Sie will jetzt unter anderem der Frage nachgehen, ob junge Frauen, die geimpft wurden, später auch die Krebsvorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Außerdem will sie das HPV-Impf- und Screeningverhalten im Saarland generell beleuchten und erforschen. „Mit den Erkenntnissen aus diesem Forschungsprojekt wollen wir dazu beitragen, die Neuerkrankungsraten an Gebärmutterhalskrebs weiter zu senken“, so Smola.

Quelle: Universität des Saarlandes


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