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Medizin
22. September 2016

Antikoagulation: Bei Tumorpatienten meist NMH indiziert

Patienten mit Tumorerkrankungen, zumal wenn es sich um hämatologische Entitäten handelt, haben ein per se erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE). Dieses wird etwa durch zytostatische Therapien noch erhöht, merkte Prof. Dr. med. Axel Matzdorff, Asklepios Klinikum Uckermark, auf einem von Leo Pharma unterstützen Symposium während der Angiologen- und Phlebologentagung in Dresden an. Die Leitlinien zur VTE, in letzter Zeit – national wie international – in großer Anzahl erschienen oder aktualisiert, sehen für dieses Kollektiv als Erstlinientherapie Niedermolekulare Heparine (NMH) vor. NOAKs „können für diese Patienten“, so der Internist, „aufgrund der Datenlage noch nicht empfohlen werden.“

Dass die Leitlinien – international übereinstimmend – die NOAKs (Neue orale Antikoagulantienten) nicht für tumorassoziierter VTE empfehlen können, berichtet der Hämatologe, liegt daran, dass in den Studien mit dieser Substanzklasse Hochrisikopatienten mit aktiver Tumorerkrankung ausgeschlossen waren.

Neue Studie mit praxisrelevanter Klientel

In der aktuellen CATCH-Studie, so Matzdorff weiter, wurde nochmals ein NMH, in diesem Fall Tinzaparin (Innohep®), gegen den Vitamin-K-Antagonisten Warfarin getestet (1). „Eine neue Studie war notwendig geworden, weil die früheren Studien veraltet waren, also nicht mehr den Anforderungen moderner evidenzbasierter Medizin entsprachen.“

Inkludiert waren 900 Patienten mit aktiver Tumorerkrankung und einer symptomatischen proximalen TVT* und/oder Lungenembolie, die über 6 Monate behandelt wurden. „Die Patientencharakteristika“, betont Matzdorff, „entsprechen den Menschen, die wir bei uns tatsächlich in der Klinik behandeln.“ Dazu gehört ebenfalls ein große Bandbreite an Tumorentitäten, die auch hämatologische Erkrankungen (10%) einschloss, wie außerdem zahlreiche Patienten mit Metastasierungen (55%). Dass es sich um schwerkranke Menschen handelte, wird unterstrichen von einer 6-Monats-Mortalität, die in beiden Gruppen bei ungefähr einem Drittel lag. Zudem waren die Menschen unter Warfarintherapie gut eingestellt (INR).

Ergebnis: Bei diesem Studienkollektiv senkt Tinzaparin im Vergleich zu Warfarin das Risiko für Rezidive. Signifikanz erreichte diese Differenz bei der Reduktion klinisch relevanter nicht-schwerwiegender Blutungen. Daraufhin hat Tinzaparin 2014 die Zulassungserweiterung zur Langzeitbehandlung symptomatischer VTE sowie zur Rezidivbehandlung bei aktiven Tumorerkrankungen erhalten.

Trotz eindeutiger Leitlinie-Richtlinien, beklagt Matzdorff, werden zahlreiche Patienten mit aktiver Erkrankung aber dennoch mit NOAKs oder in der Erstlinie mit VKAs** behandelt. „Die NOAKS haben ihre Gleichwertigkeit bei den anderen Indikationen bewiesen, nicht aber bei der hier in Rede stehenden Klientel.“ Über einen Wechsel zu den neueren Präparaten kann nach 6 Monaten nachgedacht werden, sofern die Tumorerkrankung nicht mehr behandlunsgbedürftig ist, und der Patient nachdrücklich den Wunsch äußert, nicht mehr spritzen zu müssen, konzediert der Onkologe.

Reimund Freye, Baden-Baden

*TVT – Tiefe Beinvenenthrombose
**VKA – Vitamin-K-Antagonist

Quelle: Satelliten-Symposium: CATCH the CLOT – Aktuelle Aspekte in der Thrombosetherapie von Risikopatienten, im Rahmen der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, 17. Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Angiologie, Dresden, 8. Sept. 2016; Veranstalter: Leo Pharma

Literatur:

1) Lee AY et al., JAMA 2015;314(7): 677-86


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