Donnerstag, 23. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

21. September 2018 Junge Strahlentherapeuten gestalten ihr Fach aktiv mit

Am Beginn des Berufslebens, ausgestattet mit aktuellem Wissen und hochmotiviert, bringt jede neue Mediziner-Generation frischen Wind in das jeweilige Fachgebiet. Um ihr anspruchsvolles und breitgefächertes Fach weiter zu entwickeln, bündeln junge Radioonkologen ihre Ideen und Aktivitäten seit geraumer Zeit in der Arbeitsgemeinschaft „Junge DEGRO“ (jDEGRO) der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. Das befördert nicht nur neue Forschungskonzepte und den schnelleren Wissenstransfer „from Bench to Bedside“, sondern unterstützt gleichermaßen die Karriereentwicklung und die Nachwuchsgewinnung.
Anzeige:
Die medizinische Anwendung ionisierender Strahlen ist seit mehr als 100 Jahren bekannt und entwickelte sich seither zu einer faszinierenden Disziplin der klinischen Medizin. Die Bestrahlung ist heute neben der Chirurgie, der Chemo- und der medikamentösen Therapie eine der wesentlichen Säulen der Onkologie und wird bei mehr als 50% aller Tumorpatienten als präoperative, postoperative oder alleinige Therapieform eingesetzt. Nachwuchsförderung steht deshalb ganz oben auf der Agenda der DEGRO (s.a. AG Studenten/Club 100, https://www.degro.org/club100).

Das vielseitige Fach Radioonkologie ist stark geprägt durch Interdisziplinarität und Teamwork. Ärzte, Medizin-Physiker und Biologen arbeiten eng zusammen, um den jeweils besten therapeutischen Weg für den jeweiligen Einzelfall zu erarbeiten und dieses Konzept dann unter Einbeziehung von Pflegepersonal und medizinisch-technischen Assistenten effektiv und für den Patienten schonend umzusetzen. Dem Radioonkologen kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Er koordiniert die Strahlen-, Chemo- und Immuntherapie, kümmert sich zudem ebenso um die Behandlung möglicher Nebenwirkungen und auch um die individuelle Nachbetreuung der Patienten, erklären Dr. Christian Ostheimer und Dr. Nadja Ebert, Sprecher der AG Junge DEGRO, das Aufgabenspektrum.

Jeder Tumor ist einzigartig − Herausforderung für Multitalente

Mit vielfältigen modernen Therapiemethoden ist es heute möglich, die Behandlung einer Krebserkrankung bestmöglich an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Das ist notwendig, da aufgrund der genetischen Ausstattung, persönlicher Besonderheiten und unterschiedlicher Ursachen maligner Erkrankungen nicht jeder Patient gleichermaßen gut auf jede Behandlungsform anspricht. Für eine solche personalisierte multimodale Krebstherapie, mit der ein breites Spektrum von Erkrankungen vom Gehirntumor bis zum Weichteilsarkom bei Patienten aller Altersgruppen kurativ oder palliativ behandelt wird, sind ein fachübergreifendes Wissen sowie Fingerspitzengefühl für Mensch und Technik erforderlich, erklärt Ostheimer das Anforderungsprofil des Radioonkologen. So gehören zusätzlich zum Expertenwissen aus der Onkologie auch Kenntnisse in der Psychoonkologie, der Schmerz- und Ernährungstherapie, der Palliativmedizin sowie Grundlagenwissen der anderen beteiligten Disziplinen zum Handwerkszeug des Strahlentherapeuten.

Basis des individuellen Behandlungsplans sind komplexe Bildverarbeitungs- und Dosisoptimierungsalgorithmen aus den Bilddaten der Röntgen-, Magnetresonanz (MRT)- und Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Eine gewisse Technik-Affinität ist für den Interessenten an dieser Fachrichtung also durchaus von Vorteil, zumal das technologische Potenzial längst nicht ausgereizt sei, wie Ostheimer betont. Interdisziplinäre Forschungsnetzwerke, u.a. zur Miniaturisierung großflächiger Beschleunigungsanlagen der Teilchenphysik, Integration von Künstlicher Intelligenz mittels Radiomics und Machine Learning in der Therapieplanung und therapeutischen Bestrahlung von Tumoren mit gleichzeitiger (funktioneller) MR-Bildgebung zeigen eindrucksvoll das Arsenal des Strahlentherapeuten im Kampf gegen den Krebs, so Ebert.

Zunehmend wichtig werde auch das Verständnis für aktuelle Erkenntnisse aus der tumor- und strahlenbiologischen Forschung. Mit dem zunehmenden Einsatz molekular zielgerichteter Therapien sind das Wissen um deren Wirkung(en), zu potenziellen Nebenwirkungen von Kombinationsbehandlungen, zu systemischen Effekten multimodaler Therapien sowie zu biologischen Markern essenziell, damit geeignete Patienten für bestimmte Therapien identifiziert werden können, da aus den oben genannten Gründen nicht alle Patienten in gleicher Weise von allen Therapiemöglichkeiten profitieren.

Die Zukunft der Strahlentherapie mitgestalten

Zur Stärkung der Interessen des examinierten Nachwuchses in der Radioonkologie und um der jungen Generation eine Entwicklungsplattform zu bieten, wurde 2014 die Arbeitsgemeinschaft „Junge DEGRO“ gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss junger Mediziner/innen, Medizinphysiker/innen und Strahlenbiologen/innen. Die offene Plattform lädt zur aktiven Mitarbeit junger Interessensvertreter aus Forschung und Klinik ein. Zur Entwicklung von Ideen, um die Weiterbildung und die Forschung weiter zu optimieren, gehöre u.a. die Mitgestaltung der jährlichen Jahrestagungen der DEGRO mit der Begutachtung von Tagungsbeiträgen, der Moderation von wissenschaftlichen Sitzungen sowie die Organisation eigener Veranstaltungen. Darüber hinaus beteiligt sich die jDEGRO an der stetigen Aktualisierung der Facharztausbildung und engagiere sich bei der Optimierung des Fortbildungsangebotes. „Die Förderung von Nachwuchs ist zu einem zentralen Schwerpunkt der DEGRO geworden, insbesondere auch für die Arbeit in der Akademischen Radioonkologie“, unterstreicht Prof. Stephanie Combs, Pressesprecherin der DEGRO und Leiterin der AG Akademische Radioonkologie in der DEGRO. „Daher sind wir besonders stolz darauf, dass aus der jDEGRO bereits eigene wissenschaftliche Arbeiten entstanden sind, wie z.B. eine aktuell laufende multizentrische Studie (NCT03055715) in der Thoraxonkologie“.

Für weitere Informationen zum Fach Strahlentherapie oder den Aktivitäten der AG junge DEGRO:

AG junge DEGRO
Sprecher: Dr. med. Christian Ostheimer, Dr. med. Nadja Ebert
info@jdegro.org

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Junge Strahlentherapeuten gestalten ihr Fach aktiv mit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.