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Medizin

01. Oktober 2020 Benignes Prostatasyndrom: REZUM-Technik

Im Rahmen des 72. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), der erstmals virtuell stattfand, wurden in einer dritten Programm-Komponente unter „Post-Best-of DGU 2020“ in Form interaktiver Webinare auch Semi-Live-Präsentationen präsentiert, die nicht im Live-Stream berücksichtigt wurden. Ein Webinar befasste sich mit der „Interventionellen Therapie des BPS“.
Bei Versagen der medikamentösen Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS) stehen verschiedene operative und interventionelle  Behandlungsoptionen zur Verfügung, wie z.B. die transurethrale konvektive interstitielle Wasserdampf-Thermoablation mit dem REZUM-System, ein neuartiges minimal-invasives Verfahren und damit eine schonende Therapie zur Behandlung des BPS. Dr. med. Evangelista Martinelli, Taranto, Italien, stellte die REZUM-Technik als Real time Semi-live Operation vor.

REZUM-Technik

Ziel der Therapie ist die Anwendung von thermaler Energie im Prostatagewebe, sodass überlappende, nekrotische einheitliche Areale generiert werden und das Prostatavolumen kleiner wird. Am Ende ergibt dies eine effektive Desobstruktion durch die Verkleinerung der Prostata.
Wichtig ist die Planung der Therapie, so  Martinelli. „Wenn alles richtig geplant wird, können wir als Anwender ziemlich genau das Endresultat vorhersehen. Und ganz wichtig ist auch, mit den Erwartungen der Patienten und unseren Erwartungen adäquat umzugehen.“ Da das Prostatavolumen in der Vorbereitung der Operation kein Limit ist, geht es bei diesem Verfahren auch nicht um die Frage „welcher Patient oder welche Prostata“. Dies sei die falsche Fragestellung. Wesentlich seien vielmehr realistische/realisierbare Ziele und individuelle, auf den Patienten zugeschnittene Pläne, die mit dem Patienten diskutiert werden. Patienten mit BPO (benign prostatic obstruction) können sicher und effektiv mit der Wasserdampf-Thermoablation behandelt werden. Das sei abhängig von der Anatomie der prostatischen Harnröhre und der Blasenfunktion, und in diesem Sinne sei manchmal auch eine Urodynamik hilfreich, so Martinelli.
Im Rahmen der Vorbereitung ist eine flexible Zystoskopie wichtig, sodass die Harnröhrenlänge gemessen werden kann. Damit kann auch die Masse der Prostata am besten beurteilt werden – das ist wichtig für die Operationstechnik. Auch Ultraschall ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung.
Unter endoskopischer Kontrolle erfolgt eine Einspritzung von kontrollierten Mengen thermischer Energie in Form von sterilem Wasserdampf gezielt in das Prostatagewebe. Wichtig sei dabei ein atraumatischer Zugang in die Harnröhre, betonte Martinelli. Der Vorteil der Technik ist, dass der Wasserdampf nur innerhalb der Transitionalzone wirkt, weil die anatomische Grenze,die Prostatakapsel, nicht überschritten wird. Grundsätzlich sollten während des Eingriffs Verletzungen und Blutungen der Harnröhre  vermieden werden, da dies die Sicht des Operationsfeldes beeinträchtigt. Nicht vergessen: Die zentrale Zone, der Mittellappen, und alles was entfernt werden muss, muss auch behandelt werden. Der etwa zehnminütige Eingriff kann ambulant durchgeführt werden, eine stationäre Aufnahme ist nicht immer erforderlich.

Supportive Unterstützung der Patienten

„Ich plane immer 2 Nachsorgetermine“, erklärte Martinelli. „Nach der ersten Phase, die ungefähr 4-6 Wochen beträgt, und nach Ende der Ablation, die nach 2-3 Monaten endet – d.h., das Endergebnis erhalten wir nach 2-3 Monaten, in denen die Nekroseareale vom Körper abgebaut werden.“ Die erste Phase sei dabei ganz wichtig, da in dieser Zeit die meisten Nebenwirkungen auftreten können. Deshalb ist es wesentlich, dann immer für die Patienten zur Verfügung zu stehen und offen für Fragen zu sein. Die Medikamente sollten nicht sofort abgesetzt werden, sondern schrittweise. Zunächst sollten die 5-Alpha-Reduktase-Inbitoren und dann die Alpha-Blocker abgesetzt werden, empfahl Martinelli. „Wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, könnte auch ein Re-Treatment angeboten werden – wenn wir also noch nicht ganz zufrieden sind.“

Diskussion

Nach dem Vortrag ergaben sich in der Battle Royale-Diskussion einige Fragen. In einer Frage ging es um die Lernkurve bei diesem Verfahren. Hier wurde angemerkt, dass man beim Einführen des Gerätes und der Auswahl der richtigen Stellen mindestens 15-25 Eingriffe bräuchte, um das erhoffte Ergebnis zu erzielen. Die Technik sei ganz einfach, antwortete Martinelli. Ein Weiterlernen sei nicht gegeben, wenn man beispielsweise immer eine 40 g-Prostata mit zwei Lappen behandeln würde. Für ihn sei die Lernkurve geschafft, wenn alle möglichen Prostata-Anatomien behandelt worden seien. Hier gäbe es Varianten, z.B. Prostatae, die nicht symmetrisch sind oder die 2 oder 3 Lappen haben. Es gibt auch eine unterschiedliche Anatomie der Harnröhre. „Wenn wir alle möglichen Anatomien der Prostata und der Harnröhre gesehen, die Patienten dann behandelt und die Technik an die Anatomie angepasst haben, dann können wir sicher sagen, dass wir die Lernkurve geschafft haben. Es geht also nicht ausschließlich um die Anzahl der Behandlungen, sondern  um die Vielfalt der anatomischen Gegebenheiten, die wir gesehen haben.“ Martinelli gab an, dass er sich nach etwa 20 Anwendungen bei verschiedenen Patienten bezüglich der Technik sicher gewesen sei. Seiner Meinung bzw. Erfahrung nach sei die Technik entsprechend nach ca. 20 Behandlungen zu beherrschen. In einer weiteren Frage ging um die Indikation. So führte Prof. Stephan Madersbacher, Wien, an, dass er diesen Eingriff nur bei sehr betagten Patienten als Alternative zum Dauerkatheter durchführen würde. Martinelli betonte hier erneut, dass es wichtig sei, generell realistische Ziele gemeinsam mit den Patienten zu setzen und zu besprechen, der Patient müsse verstehen, was in seinem Fall erreicht werden kann. „Wenn der Patient z.B. keine Medikamente mehr nehmen möchte oder darf, oder jüngere Patienten Nebenwirkungen befürchten,hätten wir hier somit eine gute Alternative, die man auf jeden Fall anbieten kann. Ich sage jedem Patienten mit einer Prostatahyperplasie und BPO, dass dies eine Therapieoption ist.“ Das Ziel sei eine Verbesserung der urodynamischen Parameter, der Symptome, der Miktion und  der Lebensqualität. Wenn der Patient eine mikroinvasive Therapie möchte, kann man diese Technik anbieten“, antwortete Martinelli hierzu abschließend.
 

AH

Quelle: Battle Royale, Webinar 1, Operative Techniken: „Interventionelle Therapie des BPS“, Post-Best-of DGU 2020, 29.09.2020.


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