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Medizin

29. Juni 2018 Akute Promyelozyten-Leukämie: Überlebensvorteil der chemotherapiefreien Primärtherapie wird im Verlauf noch deutlicher

Die aktuelle Standardtherapie der neu diagnostizierten APL niedrigen oder intermediären Risikos mit all-Trans-Retinsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO, Trisenox®) ist einer Therapie mit ATRA und einer anthrazyklinbasierten Chemotherapie nach einer Beobachtungszeit von bis zu 116 Monaten hinsichtlich ereignisfreiem und Gesamtüberleben noch deutlicher überlegen als in vorangegangenen Auswertungen (1). Nach den anlässlich des 23. Kongresses der European Hematology Association in Stockholm vorgestellten Langzeitergebnissen der APL0406-Studie treten nach mehr als 48 Monaten nach Therapiebeginn bislang überhaupt keine Rezidive mehr nach Chemotherapie-freier Behandlung auf.
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Die Rate des auf 72 Monate bezogenen ereignisfreien Überlebens (EFS) liegt im ATRA-ATO-Arm nach der aktuellen, von Dr. Laura Ciccioni von der Universität Tor Vegata, Rom, vorgestellten Analyse der Studie bei 96,6%, im ATRA-Chemotherapie-Arm bei 77,4% (p<0,0001) [1]. Die 72-Monats-Gesamtüberlebensrate beträgt in der Intention-to-Treat(ITT)-Analyse im ATRA-ATO-Arm 98,3%, im ATRA-Chemotherapie-Arm 77,4% (p=0,004).

Unterschied wird noch deutlicher

Damit hat sich der Vorteil der Chemotherapie-freien gegenüber der Chemotherapie-haltigen Therapie der APL mit nicht-hohem Risiko noch einmal gegenüber der zuletzt publizierten Auswertung derselben ITT-Kohorte von 263 Patienten verbessert. Auf 50 Monate bezogen lagen die Gesamtüberlebensraten noch bei 99,2% in der ATRA-ATO-Gruppe und bei 92,6% in der ATRA-Chemotherapie-Gruppe (p<0,0073) (2).

Wie Dr. Ciccione in Stockholm berichtete, verstarben im ATRA-Chemotherapie-Arm 13 Patienten, davon 4 bereits in der Induktion, 5 in Komplettremission (CR) und 4 mit einem Rezidiv, während im Chemotherapie-freien Arm insgesamt nur 2 Patienten in CR verstarben, einer aufgrund einer Pneumonie bei Influenzainfektion, ein anderer an einem Kolonkarzinom.

Keine neuen Rezidive mehr

Krankheitsfrei hatten zum Auswertungszeitpunkt 96,6% der Patienten im ATRA-ATO- und 79,8% im ATRA-Chemotherapie-Arm überlebt (p<0,0001). Die kumulative Rezidivinzidenz lag bei chemotherapiefreier Behandlung zum Auswertungszeitpunkt bei 1,7%, nach Therapie mit dem AIDA-Regime bei 15,5% (p = 0,0001). Späte Rezidive nach mehr als 48 Monaten wurden ausschließlich in der mit ATRA und Chemotherapie behandelten Gruppe festgestellt.

In der Phase-III-Studie APL0406 der deutschen AMLSG-SAL- und der italienischen GIMEMA-Studiengruppe hatten Patienten mit einer neu diagnostizierten APL mit niedrigem oder intermediärem Risiko nach Sanz (3) randomisiert entweder ATO plus ATRA oder einen damaligen Standard, ein AIDA-Regime mit ATRA plus einer Idarubicin-haltigen Chemotherapie, erhalten (4). In der primären Analyse von 156 Patienten lag die EFS-Rate nach im Median 34,4 Monaten bei Therapie mit ATRA plus ATO bei 97% und war schon zu diesem Zeitpunkt dem Standardarm mit einer EFS-Rate von 86% signifikant überlegen (p=0,02) (4).

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Ciccione L et al. EHA 2018, Abstract S115
(2) Platzbecker U et al. J Clin Oncol 2017; 35: 605-12.
(3) Sanz MA et al. Blood 2000; 96:1247-53.
(4) Lo-Coco F et al. N Engl J Med 2013; 369: 111-21.


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