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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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25. Mai 2012

Pathologie: Forscherkooperationen ermöglichen zielgenauere Diagnose und Therapie von Krebs

Neue Erkennungsverfahren und Heilungschancen für Krebs. Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt Krebs zu den wesentlichen Todesursachen in den westlichen Industrieländern. Die WHO geht davon aus, dass im Jahre 2035 ca. 50 Prozent aller Todesfälle durch bösartige Tumoren verursacht werden. Seit Jahren suchen Wissenschaftler weltweit nach Möglichkeiten, Krebs effektiver zu bekämpfen. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) treffen sich Ärzte und Forscher in Berlin (31. Mai bis 3. Juni 2012), um sich über neue Möglichkeiten und wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Krebsbehandlung auszutauschen.
Im Fokus stehen dabei innovative Diagnoseverfahren. "Die differenzierte Diagnose des Krebses und seiner molekularen Eigenschaften durch den Pathologen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Heilung oder eine adäquate Therapie. Gerade in der jüngsten Vergangenheit haben wir hier wichtige neue Erkenntnisse gewonnen", erklärt Prof. Gustavo Baretton, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“ der TU Dresden.
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Abb. 1: Bearbeitung eines im Operationssaal entnommenen Organs in der Pathologie. In diesem Fall handelt es sich um einen wegen Myomen entnommenen Uterus.

Interdisziplinäre Forschung und Diagnose

In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass nur eine enge nationale und internationale Kooperation verschiedener Fachgebiete zu effektiven neuen Diagnose- und Therapieansätzen führt. International erfolgreiche "Translationale Medizin" entsteht dann, wenn Grundlagenwissenschaftler (Molekularbiologen, Genetiker, Biochemiker, Chemiker, Physiker und IT-Experten) mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen (z.B. Onkologen, Strahlentherapeuten, Nuklearmedizinern und Pathologen) kooperieren, um neue Wege bei der Diagnose und Therapie zu gehen. "Diese Art der interdisziplinären Forschung hat die differenzierte Diagnose bösartiger Tumore enorm verbessert", sagt Prof. Gustavo Baretton. So gelingt es, Krebszellen und ihre Eigenschaften noch exakter zu bestimmen. "Je mehr wir über die einzelnen Tumorzellen und ihre Struktur wissen, umso exaktere und zielgenauere Medikamente können wir entwickeln und nutzen", so Baretton weiter. Bei der so genannten molekularen Diagnostik verstehen sich Pathologen als Schnittstelle zwischen klinischer Medizin und Grundlagenforschung. Die moderne Pathologie einschließlich Molekularpathologie hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und ermöglicht heute in den meisten Fällen nicht nur eine schnelle und zuverlässige Aussage zur Prognose, sondern auch genauere Vorhersagen zum Ansprechen zielgerichteter Therapieformen (Prädiktion).

Zielgenauere Behandlung von Dickdarm- und Magenkrebs

Dickdarm- und Magenkrebs sind auf der ganzen Welt sehr häufige Tumorarten. Jedes Jahr erkranken mehr als 900.000 Menschen an Magenkrebs und mehr als eine Millionen Menschen an Dickdarm- bzw. Enddarmkrebs. Translational arbeitende Forscherteams haben in einem Teil der Krebszellen im Magen einen hohen Gehalt an wachstumsfördernden Proteinen (EGFR/HER-2) entdeckt. Die lassen sich durch eine medikamentöse Blockade "stilllegen" bzw. blockieren. "Rund ein Viertel der Patienten mit Magenkrebs weist diese Veränderung auf und hier haben wir die Chance, den Krebs mit neuen Medikamenten zielgenau und erfolgreich zu therapieren", sagt Prof. Gustavo Baretton. Beim Dickdarmkrebs konnte in etwa 40 Prozent der Fälle eine Veränderung des K-Ras Signalproteins nachgewiesen werden (hervorgerufen durch Mutationen im Kodon 12/13). Durch Nachweis dieser Veränderung kann das Ansprechen auf bestimmte Therapieansätze vorhergesagt werden. "Nur durch die intensive Kooperation der verschiedenen Disziplinen konnten diese Fortschritte in der Krebstherapie erzielt werden", ergänzt Baretton. Der 53-jährige Pathologe ist ein ausgewiesener Experte im Bereich der Pathologie des Magen-Darm-Traktes und Präsident der diesjährigen DGP-Jahrestagung. Nicht nur an der Erforschung dieser Mechanismen, sondern auch an deren routinemäßigem Nachweis zur Therapieplanung haben Pathologen einen enormen Anteil. "Bisher war es extrem schwierig, solche Veränderungen im Krebsgewebe zu identifizieren. Die Forschung in der Pathologie hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Heute führen wir diese Gewebeuntersuchungen bei Patienten mit fortgeschrittenem Dickdarm- bzw. Magenkrebs routinemäßig durch, wenn eine zielgerichtete Therapie geplant ist. So können wir das Überleben von Patienten zum Teil um mehrere Monate verlängern" erklärt der Pathologie-Experte weiter. "Diese Spezialtests spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Selektion von Patienten für bestimmte Therapieschemata: Es wird nur dann eine Therapie durchgeführt, wenn die untersuchten Tumoreigenschaften eine berechtigte Aussicht auf Erfolg haben. Damit lassen sich unnötige Belastungen für die Patienten und erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem vermeiden.“
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Abb. 2: Sehr hoher Gehalt an Her2/neu in Tumorzellen eines Magenkarzinoms. (Fotonachweis: Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden)

Verbesserte Heilungschancen bei schwarzem Hautkrebs

Neue Erkenntnisse gewannen Forscher auch beim "schwarzen Hautkrebs“ (Malignes Melanom), der in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Bis vor kurzem waren die Prognose für diese Tumorart im fortgeschrittenen Stadium ungünstig und die Therapiemöglichkeiten äußerst begrenzt. Neue Erkennungsverfahren in der Pathologie haben die Heilungschancen jedoch verbessert: Bei der Entstehung des Melanoms verändert sich ein wichtiger Eiweißstoff (sog. BRAF). Mithilfe einer modernen Diagnosemethodik in der Pathologie können Ärzte die Mutation des BRAF-Proteins (so genannte V600 Mutation) nun identifizieren – etwa 40 bis 60 Prozent des fortgeschrittenen "schwarzen Hautkrebses" zeigen solche Veränderungen. "Wenn wir diese Mutation im Melanomgewebe feststellen, können spezielle, zielgenau wirkende Medikamente (BRAF-Inhibitoren) eingesetzt werden. Diese blockieren das veränderte BRAF-Protein und führen in einigen Studien zu einer deutlichen Verbesserung der ansonsten sehr schlechten Prognose", sagt Prof. Manfred Dietel, Direktor des Instituts für Pathologie an der Berliner Charité und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. Vorläufige Ergebnisse einer internationalen Studie mit 675 Patienten aus 104 verschiedenen Behandlungszentren (BRIM 3) haben gezeigt, dass die geschätzte Überlebensrate nach sechs Monaten um 20 Prozent nach BRAF-Blockade höher liegt. Dabei wurden nur Patienten untersucht, die eine Veränderung im BRAF-Protein zeigten.

Vortrag eines weltweit renommierten Krebsforschers

In einem Vortrag beschäftigt sich der weltweit anerkannte Tumorexperte Robert Weinberg mit Mechanismen der Ausbreitung und Metastasierung bösartiger Tumore. Weinberg ist Professor am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) und gehört zu den Gründungsvätern des Whitehead Institute of Biomedical Research. In seinem Referat berichtet der Krebsforscher über die Charakteristika einer besonderen Gruppe von Tumorzellen, den sogenannten Tumorstammzellen. Es sind diese Zellen, die durch ihre Stärke die Bildung von Absiedlungen ermöglichen und letztendlich zum Tod bei Krebs führen. Jene Zellen lassen sich durch herkömmliche Krebsmedikamente nicht töten und können deshalb auch nach Jahren noch zur Wiederkehr der Erkrankung führen. Deshalb ist die Untersuchung der Merkmale dieser Zellen besonders wichtig, um Medikamente entwickeln zu können, die auch diese besonders resistenten Krebszellen eliminieren können.

"Dieser Vortrag zeigt exemplarisch die Zielrichtung unseres Kongresses und auch des Verständnisses einer modernen, interdisziplinär arbeitenden Pathologie. Es sind insbesondere diese Studienergebnisse, die in der Zukunft die Krebsdiagnose und -therapie prägen werden", erklärt Dr. med. Michael Muders, wissenschaftlicher Kongresssekretär der DGP-Jahrestagung. Allerdings muss bei allem Fortschritt in Forschung und Therapie festgehalten werden, dass auch bei Einsatz der neuen zielgerichteten Medikamente wir noch weit davon entfernt sind, Krebs heilen zu können, insbesondere wenn der Tumor bereits metastasiert ist. Als Nahziel steht nach wie vor die Verlängerung des Überlebens gepaart mit besserer Verträglichkeit der Therapie im Fokus.

Mehr Informationen zur Jahrestagung: www.pathologieberlin2012.de





Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pathologie
 
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