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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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25. Februar 2015

Natürliche Hintergrundstrahlung erhöht das Risiko für Kinderkrebs

Regionale Unterschiede der natürlichen Hintergrundstrahlung aus dem Boden und dem Weltall können das Krebsrisiko bei Kindern erhöhen. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Bern. In der Schweiz erkranken jährlich etwa 200 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre an Krebs. Die häufigsten Krebsarten in diesem Alter sind Leukämien - etwa ein Drittel aller Fälle - und Hirntumore (etwa 20%). Die Ursachen für diese Erkrankungen sind weitgehend unbekannt. Unter möglichen Umwelteinflüssen ist einzig eine relativ hohe Dosis ionisierender Strahlung ein gesicherter Risikofaktor, insbesondere für Leukämien und Hirntumore. Dies zeigen Studien an Überlebenden der Atombombenabwürfe in Japan. Einer vergleichsweise geringen Dosisleistung (Dosis pro Zeiteinheit) durch die allgegenwärtige Strahlung aus Erdboden (terrestrische Gammastrahlung) und Weltall (kosmische Strahlung) ist die ganze Bevölkerung ausgesetzt.

Ob und wie sich diese geringe, kontinuierlich anfallende Dosis auf das Krebsrisiko bei Kindern auswirkt, war bislang ungewiss. Die Forschergruppe um Ben Spycher und Claudia Kuehni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern fand in einer Studie nun Hinweise darauf, dass das Krebsrisiko bei Kindern in der Schweiz durch die regional unterschiedliche Intensität der Hintergrundstrahlung tatsächlich beeinflusst wird. Die Forschenden analysierten dazu Daten der Schweizerischen Nationalen Kohorte, welche alle Kinder einschliesst, die in den Volkszählungen von 1990 und 2000 erfasst wurden – insgesamt über 2 Millionen Kinder unter 16 Jahren.

Spielt der Wohnort eine Rolle?

Die Forscher verwendeten Strahlungskarten der Schweiz, um die örtliche Dosisleistung terrestrischer und kosmischer Strahlung am Wohnort der Kinder zum Zeitpunkt der Volkszählung abzuschätzen. Krebserkrankungen nach diesem Zeitpunkt konnten anhand von Daten des Schweizer Kinderkrebsregisters ermittelt werden. Es wurden zwei Expositionen berechnet: die Dosisleistung am Wohnort zum Zeitpunkt der Volkszählung und die seit Geburt anfallende totale Dosis unter der Annahme, dass das Kind immer den gleichen Wohnort hatte. Im Mittel waren die Kinder einer Dosisleistung von 109 Nanosievert pro Stunde (nSv/h) ausgesetzt, was über ein Jahr gerechnet eine Dosis von etwa 0,96 Millisievert (mSv) ergibt.

Unter Kindern, die einer Dosisleistung von mehr als 200 nSv/h ausgesetzt waren, wurden elf Leukämien und acht Hirntumore beobachtet. "Im Vergleich zu Kindern mit einer Exposition von 100 nSv/h oder weniger entspricht dies etwa einer Verdoppelung des Risikos", sagt Studien-Autor Ben Spycher. Aufgrund der seit Geburt anfallenden Dosis schätzten die Forscher eine Risikozunahme um etwa 4% pro mSv zusätzlicher totaler Dosis, sowohl für Leukämien wie auch für Hirntumore. Diese Werte ähneln jener einer kürzlich erschienen Studie aus England. "Die Risikounterschiede lassen sich nicht durch andere berücksichtigte regionale Unterschiede erklären, wie sozioökonomischer Status, Urbanisierungsgrad, die Nähe zu Autobahnen, Hochspannungsleitungen oder Radio- und TV-Sendern", ergänzt Co-Autorin Claudia Kuehni.

Auch niedrige Dosen gefährlich

Terrestrische und kosmische Strahlung sind nur zwei Komponenten der gesamten Strahlenbelastung der Bevölkerung. In der Berner Studie waren etwa 1% der Kinder erhöhten Belastungen von über 200 nSv aus Gestein oder Kosmos ausgesetzt. Grösser ist die Belastung durch Radongas, welches beim Zerfall von natürlich vorkommendem Uran im Erdreich entsteht und via Ritzen in Gebäude eindringen kann. Es erhöht vor allem das Risiko für Lungenkrebs. Eine wichtige Strahlungsquelle ist zudem die medizinische Diagnostik (Röntgendiagnostik) mit durchschnittlich 1,2 mSv pro Jahr, pro Person, sowie lange Flugreisen, bei denen man erhöhter kosmischer Strahlung ausgesetzt ist. Kuehni: "Insgesamt deuten unsere Resultate darauf hin, dass ionisierende Strahlung auch im Niedrigdosisbereich das Krebsrisiko bei Kindern erhöhen kann."

Quelle: Universität Bern
 
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