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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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16. Oktober 2013

Glioblastom-Therapie: Virostatika sind keine Therapieoption

Empfehlungen, Patienten mit Hirntumoren (Glioblastom) mit dem Virostatikum Valganciclovir zu behandeln, entbehren jeder Grundlage, warnt Prof. Dr. Michael Weller von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) angesichts eines fragwürdigen Leserbriefes an die Fachzeitschrift New England Journal of Medicine. "Warum man diesen Beitrag überhaupt veröffentlicht hat, kann ich nicht nachvollziehen", kritisiert der Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich, der bereits eine Vielzahl von großen klinischen Studien zum Glioblastom geleitet hat.

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Hintergrund des Leserbriefes sind Spekulationen über eine Beteiligung des Zytomegalovirus (CMV) bei der Entstehung von Tumoren, insbesondere dem Glioblastom. Eine Arbeitsgruppe des schwedischen Karolinska-Institutes um die beiden Forscher Cecilia Söderberg-Nauclér und Giuseppe Stragliotto reklamierte, dass sowohl DNA als auch Proteine von CMV fast immer in Glioblastomen nachweisbar seien - nicht aber im normalen Gewebe.

Um zu testen, ob die Gabe des Virostatikums Valganciclovir den Verlauf der Krankheit beeinflussen könnte, haben Stragliotto und Kollegen mehrere Untersuchungen angestellt. Im März dieses Jahres veröffentlichten sie die bis dato größte klinische Studie zu dieser Fragestellung. Teilgenommen hatten 42 Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom, die nach dem Zufallsprinzip neben der Standardtherapie sechs Monate lang entweder Valganciclovir erhalten hatten, oder ein Placebo. "In dieser Studie fand sich zwar ein Trend zu kleineren Tumoren unter Valganciclovir drei und sechs Monate nach der Operation des Tumors", erläutert Weller. Dieser Unterschied war aber nach den Regeln der Statistik nicht signifikant, und auch bei den medianen Überlebenszeiten gab es mit 17,9 versus 17,4 Monaten kaum eine Differenz. "Es gibt demnach keine Hinweise auf die Wirksamkeit von Valganciclovir", stellt Weller fest.

Vergleich mit einer kaum definierten historischen Kontrollgruppe

Umso mehr hat es den Neurologen erstaunt, wie man nun zur Beweisführung eine neue Gruppe von zusammen 50 Patienten konstruiert hat, die aus drei Kollektiven besteht: 1. Verum-Empfänger aus der ursprünglichen Studie; 2. Patienten aus der originären Kontrollgruppe, die ab sechs Monate nach der Operation auf eigenen Wunsch Valganciclovir erhielten; sowie 3. Patienten, die offenbar unkontrolliert am Karolinska-Institut mit dem Virostatikum behandelt wurden. Sie wurden dann einer kaum definierten historischen Kontrollgruppe von 137 Patienten gegenübergestellt. Beim Vergleich ergab sich dann eine verlängerte Überlebenszeit insbesondere für Patienten, die länger als ein halbes Jahr Valganciclovir bekommen hatten.

"Leider ist dieses Ergebnis nicht belastbar, denn es wurde aufgrund eines methodisch höchst fragwürdigen Ansatzes gewonnen", kritisiert Weller. Angesicht einer Krankheit mit einer sehr schlechten Prognose hätte er sich von den Kollegen und der Fachredaktion mehr Behutsamkeit gewünscht. "Meinen Kollegen rate ich daher, Patienten und deren Angehörige zu informieren, dass Therapieversuche mit Valganciclovir weiterhin jeder Grundlage entbehren, und dass sie im Zweifelsfall besser an einer der zahlreichen randomisiert-kontrollierten Studien im deutschen Sprachraum teilnehmen sollten."

Literaturhinweise:
Stragliotto G etal:. Effects of valganciclovir as  an add-on therapy in patients with cytomegalovirus-positive glioblastoma: a randomized, double-blind, hypothesis-generating study. Int J Cancer. 2013 Sep 1;133(5):1204-13.
Söderberg-Nauclér C, Rahbar A, Stragliotto G. Survival in patients with glioblastoma receiving valganciclovir. N Engl J Med. 2013 Sep 5;369(10):985-6.

Quelle: DGN
 
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