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GESUNDHEITSPOLIK VON JOURNALMED.DE
22. Juni 2012

Offener Brief an die Vorsitzende des Vorstands des GKV-Spitzenverbands

Sehr geehrte Frau Dr. Pfeiffer, verärgert und empört haben wir in den vergangenen Wochen die öffentlichen Äußerungen des GKV-Spitzenverbandes verfolgt. Zunächst behauptete der Spitzenverband, viele Kliniken bezahlten „Fangprämien“ an niedergelassene Ärzte für die Überweisung von Patienten. Erst vor wenigen Tagen legten Sie noch einmal nach und unterstellten, viele Operationen seien unnötig und würden nur aus wirtschaftlichen Gründen vorgenommen.

Für solche aggressiven Behauptungen gibt es keine seriöse Quelle. Nicht einmal das von Ihnen in Auftrag gegebene Gutachten macht dazu eine Aussage. Der Autor des Gutachtens musste in einem Pressebericht auf Nachfrage einräumen, dass die Vorwürfe „wissenschaftlich nicht eindeutig zu beweisen“ seien.

Die Komponentenzerlegung auf Ebene der MDC ist eine mathematische Konstruktion, methodisch nicht beweiskräftig. Wir zitieren das RWI GA S.20 Abs.3: Stattdessen haben wir eine dritte Möglichkeit gewählt und die Komponentenzerlegung auf der Ebene der einzelnen MDC durchgeführt. Alle MDCs blieben im Zeitraum 2006 bis 2010 im Katalog und es kamen keine neuen hinzu. Auch dieses Verfahren hat seine Mängel, insbesondere weil es auf einem vergleichsweise hohen Aggregationsniveau ansetzt.

Sie haben mit dem Gutachten also lediglich dargelegt, dass die Kassen für eine gänzlich unspezifizierte Major Diagnostic Category (MDC 08 Krankheiten und Störungen an Muskel‐Skelett‐System und Bindegewebe) zunehmend mehr Geld ausgeben müssen.

Es ist gut möglich, dass in den vergangenen Jahren eher operativ behandelt wurde. Dies ist jedoch vor allem auf den demographischen Wandel und den medizinischen Fortschritt zurückzuführen, und nicht darauf, dass Ärzte gewissenlose Schurken und Patienten willenlose Opfer sind. Moderne Diagnose-, Operations- und Narkoseverfahren ermöglichen es uns heute, Krankheiten zu erkennen und zu behandeln, die früher weder diagnostiziert noch therapiert werden konnten. Kein Arzt, der seinen hippokratischen Eid ernst nimmt, und hier schließen wir die Kollegen aus den Kliniken ausdrücklich mit ein, operiert seine Patienten unnötig.

Im Übrigen wundern wir uns auch über das Bild, das sich der GKV-Spitzenverband von den Versicherten macht. Glauben Sie denn wirklich, dass aus Fernsehen, Zeitungen und Internet heute bestens informierte Versicherte sich von einem Arzt eine unnötige Operation aufschwatzen lassen? Richtig ist vielmehr, dass gut informierte Patienten immer seltener gewillt sind, mit einer vielleicht schmerzhaften Krankheit zu leben, wenn ein operativer und immer häufiger ambulant möglicher Eingriff rasche Linderung verspricht. Solche Eingriffe verbessern nicht nur die Lebensqualität, sie können auch krankheitsbedingte berufliche Ausfallzeiten verkürzen, was betriebs- und volkswirtschaftlich äußerst wünschenswert ist.

Die Beschuldigungen des GKV-Spitzenverbandes sind damit nicht nur haltlos, sondern auch diffamierend. Wir haben den Eindruck, dass Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Finanzierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland mit solchen Behauptungen einen Popanz aufbauen.

Bevor wir diesen Diffamierungen juristisch entgegnen bitten wir Sie deshalb, diese nicht belegten Beschuldigungen gegen die Operateure und Anästhesisten in Deutschland sachlich zu korrigieren. Sie verunsichern die Bürger und führen die Medien in die Irre.

Wir sollten stattdessen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Summary des RWI Gutachtens: Der Übergang zu einem System von Selektivverträgen wird sowohl bezogen auf das Krankenhaus als auch sektorenübergreifend seit einer Dekade diskutiert. Die Gutachter betonen auch an dieser Stelle, dass Selektivverträge, die das heutige System der Kollektivverträge ersetzen, das geeignetste Instrument nicht nur – wie hier im Mittelpunkt stehend – für die Frage der Begrenzung der Mengendynamik im Krankenhaus sind, sondern auch weitergehend geeignet sind, Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung in der Gesetzlichen Krankenversicherung auszubauen.

Selektivverträge im Rahmen einer „Integrierten Versorgung“ sind also der Lösungsweg der Zukunft in der Vertragsgestaltung. Sie bieten einen bereits erfolgreich von uns begangenen, von den Kassen evaluierten und kostensparenden Weg, auf dem Operateure zusammen mit ihren Kooperationspartnern im Krankenhaus und in ambulanten OP-Zentren eine sektorenübergreifende Versorgung auf hohem Niveau anbieten können.

Lassen Sie uns bei einem persönlichen Treffen daran anknüpfen und wieder über medizinische Inhalte reden. Wir werden uns wegen eines Termins gerne mit Ihnen in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

Ambulantes Operieren:
Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V.
Landesverband für Ambulantes Operieren Baden-Württemberg, e.V.
Landesverband für Ambulantes Operieren Bayern e.V.
Verband von operativ und anästhesiologisch tätigen niedergelassenen Fachärzten in Deutschland (LAOH)

Anästhesisten:
Anästhesie-Netz Deutschland e.V.
NASH – Niedergelassene Anästhesisten Schleswig Holstein
Arbeitsgemeinschaft Anaesthesiologischer Operations-Zentren e.V.
Genossenschaft Hessischer Anästhesisten eG

Operateure:
Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (Regionalvertretung Hessen)
Genossenschaft der Niedergelassenen Operateure Hessen e. G.

 



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