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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017
Seite 3/5



Oncotype DX®

Der Oncotype DX®-Test misst 16 prognostische/prädiktive und 5 Referenzgene. Auf dem Expressionsniveau der Gene basiert ein Recurrence-Score (RS), der das Risiko einer Metastasierung nach 10 Jahren für eine mit Tamoxifen behandelte Patientin mit ER-positivem Karzinom angibt. Der RS teilt neu diagnostizierte Mammakarzinome in 3 verschiedene Risiko-Gruppen ein (RS < 18: niedriges Risiko, 51% der Patientinnen, mittleres Metastasenrisiko innerhalb 10 Jahren 6,8%; RS 18-31: mittleres Risiko, 22% der Patientinnen, Metastasenrisiko 14,3%; RS > 31; 27% der Patientinnen, Metastasen­risiko 31%). Die klinische Validierung erfolgte prospektiv-retrospektiv an mit Tamoxifen bzw. Tamoxifen plus Chemotherapie behandelten Patientinnen mehrerer prospektiver Studien (NSABP B-14, NSABP B-20, ECOG 9127, SWOG 8814, ATAC). Für die Analysen stand allerdings nur von einem kleineren Teil (je nach Studie zwischen 14% bis 40%) der Patientinnen Archivmaterial zur Verfügung (2, 3, 6, 8). Eine Metaanalyse mehrerer Studien kam zu dem Schluss, dass auf der Basis von Oncotype DX® im Vergleich zur Indikationsstellung mittels traditioneller Faktoren ca. 50% der Patientinnen die Chemotherapie erspart und bei ca. 16% eine zusätzliche Chemotherapie empfohlen würde (9). Aber aus diesen Studien sind keine Follow-up-Daten verfügbar, so dass die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf das Schicksal der Patientinnen nicht bekannt sind und der tatsächliche Nutzen für die Patientinnen nicht eingeschätzt werden kann.

In einer retrospektiven Populationsstudie aus der SEER-Datenbank mit ca. 43.000 Patientinnen wurde bestätigt, dass Oncotype DX® unterschiedliche Risikogruppen bei nodalnegativen und nodalpositiven (1-3 befallene Lymphknoten) diskriminieren kann. Die Brustkrebs-spezifische Mortalität (BCSM) betrug bei N0 0,4%, 1,4% und 4,4% für Patientinnen mit einem RS von < 18, 18-30 und > 30. Bei N+ lag die entsprechende BCSM bei 1,0%, 2,3% und 14,3% (10).

In einem Teilergebnis einer prospektiven Studie (TAILORx-Studie) wurde gezeigt, dass ausschließlich endokrin behandelte Frauen mit Lymphknoten-negativen, luminalen Erkrankungen und einem RS von ≤ 10 eine exzellente Prognose haben (Rezidivfreiheit nach 5 Jahren 93,8%, 5-Jahres-Gesamtüberleben 98,0%) (11). Die anderen Teil­ergebnisse der Studie (Chemotherapie + endokrine Therapie bei RS > 25; Randomisation zwischen endokriner Therapie bzw. Chemotherapie + endokrine Therapie bei RS von 11-25) sind noch nicht bekannt. In einer weiteren prospektiven Studie (WSG-PlanB) wurden Patienten mit luminalen Tumoren und befallenen Lymphknoten oder N0 mit zusätzlichen Risikofaktoren (T2, G2/3, hohes uPA/PAI-1 oder Alter < 35 Jahre) untersucht. Das 3-jährige krankheitsfreie Überleben für Patientinnen mit RS < 11 war mit alleiniger endokriner Therapie 98% (12). Die bisherigen Ergebnisse der prospektiven Studien zeigen also nur, dass Patientinnen mit einem RS unter 11 tatsächlich eine günstige Prognose haben und keiner Chemotherapie bedürfen. Ob auch die Einteilung der Gruppen mit höherem Risiko korrekt ist, ist bisher nicht in prospektiven Studien nachgewiesen. Insbesondere wäre wichtig, prospektive Daten zur Notwendigkeit und Effektivität einer Chemotherapie in der mittleren Risikogruppe zu haben. Bemerkenswert ist, dass für die prospektiven Studien andere Risikodefinitionen verwendet wurden, als sie für den klinischen Einsatz bisher definiert wurden.

Der Wert von Oncotype DX® zur Vorhersage von späten Fernmetastasen nach mehr als 5 Jahren ist aufgrund widersprüchlicher Studienergebnisse unklar (13, 14).

 
Tab. 3a: Zusammenfassung der Studienergebnisse zu den hier besprochenen Gensignaturen (abgeleitet von AGO 2017). qRT-PCR=quantitative Echtzeit-PCR; ER+=Östrogenrezeptor-positiv; HER2-=HER2-negativ
Vergleich der Assays für Genexpressionsanalysen
Assay 70-Gensignatur
MammaPrint®
21-Gen-Recurrence
Score Oncotype DX®
8-Gensignatur
EndoPredict®
PAM50 Prosigna®
Hersteller Agendia Genomic Health Sividon Diagnostics Nanostring
Gewebematerial frisch gefrorenes
Gewebe
formalinfixiertes,
paraffineingebettetes
Gewebe
formalinfixiertes,
paraffineingebettetes
Gewebe
formalinfixiertes,
paraffineingebettetes
Gewebe
Technik Microarrays für RNA qRT-PCR qRT-PCR qRT-PCR
untersuchte Population N-/+, < 61 Jahre N-/+, ER+*,
endokrin behandelt
N-/+, ER+ HER2-,
(prä-) postmenopausal,
endokrin behandelt
N-/+, ER+ HER2-,
postmenopausal
endokrin behandelt
Prognose nach
5 Jahren
(Spätrezidive)
nicht separat getestet nein ja ja
prädiktiv (Vorteil
der Chemotherapie)
ja ja nein nein
prospektive-retro-
spektive Evidenz
(% der eingeschlossenen
Patientinnen)
Multizentrische
Validation
NSABP B-14 (14%)
NSABP B-20 (28%)
ECOG 9127
SWOG 8814 (40%)
ATAC (30%)
ABCSG 6 (19%)
ABCSG 8 (36%)
GEICAM 8 (45%)
ATAC (10%)
MA.12 (59%)
MA.5 (66%)
ABCSG 8 (44%)
ATAC (16%)
prospektive Evidenz MINDACT (N0, N1) TAILORx (N0, low risk, RS < 11)
PlanB (N0, high risk/N+)
nein nein
*Studien vor der HER2-Testung, daher können HER2-positive Tumoren eingeschlossen sein




Retrospektive Analysen prospektiver Studien (NSABP B-20 und SWOG-8814) sprechen dafür, dass Oncotype DX® möglicherweise auch einen prädiktiven Wert hat. In diesen beiden Studien profitierten Patienten mit einem RS ≥ 31, aber nicht diejenigen mit einem RS von ≤ 18 von der Zugabe von Chemotherapie zur endokrinen Therapie (15). Eine prospektive Validierung dieser Befunde steht aus.

Die Ergebnisse aller oben genannten Studien deuten darauf hin, dass N0-Patientinnen und solche mit 1-3 positiven Lymphknoten mit niedrigen RS-Werten eine gute Prognose haben und von einer adjuvanten Chemotherapie nicht signifikant profitieren. Oncotype DX® kann in Ergänzung zu etablierten Faktoren zusätzliche Informationen zur Prognose und zum Wert einer adjuvanten Chemotherapie geben (2, 6).

MammaPrint®

Dieser 70-Gen-Assay wurde 2002 entwickelt, um gezielt solche Patienten zu identifizieren, die ein niedriges 5-Jahres-Metastasierungsrisiko haben. Der Test unterteilt in ein Hoch- und Niedrig-risikokollektiv.

Der prognostische Wert für Lymphknoten-negative und Lymphknoten-positive Patienten wurde in mehreren retrospektiven Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren und mehr und zusätzlich in einer prospektiven Evaluation gezeigt (16, 17). Außerdem wurde in einer retrospektiven Analyse nachgewiesen, dass bei Hochrisikopatientinnen eine Chemotherapie die Prognose verbessert, während sie bei Niedrigrisikopatientinnen keinen Effekt hat (18).

 

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